In Berlin ist ein Verkehrsszenario eingetreten, das noch gestern wie Science-Fiction klang: Die BVG hat den Straßenbahnverkehr komplett eingestellt – Eisregen und eine flächendeckend vereiste Oberleitung machten den Betrieb unmöglich, berichtet timestuff.de unter Berufung auf rbb24.de. Während die Stadt versucht, Schienen und Leitungen wieder „aufzutauen“, müssen Fahrgäste ihre Wege kurzfristig neu planen.
Was genau passiert ist und warum das als historischer Fall gilt
Am Montag, dem 26. Januar, stoppte die BVG den Tram-Verkehr in ganz Berlin gegen 4:00 Uhr morgens. Der Auslöser war so simpel wie gefährlich: Innerhalb weniger Stunden hat sich durch Eisregen eine dichte Eisschicht auf den Oberleitungen gebildet. Dadurch verloren die Stromabnehmer (Pantografen) den Kontakt – erste Wagen blieben direkt auf den Strecken stehen. Nach Einschätzung der BVG schafften es rund 40 Straßenbahnen nicht mehr rechtzeitig zurück ins Depot und steckten im Netz fest.
BVG-Chef Henrik Falk beschreibt die Lage als etwas, das das Unternehmen seit Jahrzehnten nicht erlebt hat. Das ist keine Übertreibung: Wenn nicht nur einzelne Abschnitte vereisen, sondern praktisch das gesamte „Draht-Skelett“ des Straßenbahnsystems, wird jeder Neustart zum Risiko – für Menschen und Technik.
„Der Eisregen hat unser Straßenbahnnetz in eine Situation gebracht, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht gesehen haben.“
Wenn sich Eis als geschlossene Schicht absetzt, kann eine Tram zwar auf der Schiene stehen – ohne stabile Stromzufuhr „friert“ sie jedoch genau dort ein, wo das Wetter sie erwischt hat.
Warum „einfach die Leitungen freimachen“ nicht in einer Stunde klappt

Auf dem Papier klingt es leicht: Eis entfernen – und weiterfahren. In der Realität zieht sich die Oberleitungsanlage über viele Kilometer, und der Eisregen wirkt wie im „Wiederholmodus“: Gerade geräumte Stellen können innerhalb kurzer Zeit erneut zufrieren. Deshalb muss die BVG Schritt für Schritt vorgehen – mit Kontrollen, kurzen Testfahrten und einer lokalen Freigabe einzelner Abschnitte, bevor der Betrieb ausgeweitet werden kann.
Zusätzlich trifft die Glätte auch andere Verkehrsmittel, und der Fahrgaststrom verlagert sich auf U-Bahn und Busse. Die BVG warnt: Selbst dort sind unregelmäßige Intervalle und Störungen möglich – heute ist eine Routenprüfung vor dem Losgehen keine Formalität, sondern ein echter Zeitfaktor.
Wo der Verkehr aktuell eingeschränkt oder gestoppt ist
Unten finden Sie eine Übersicht der wichtigsten Einschränkungen (Stand: Montag, 26. Januar) anhand öffentlicher Updates der BVG und Berliner Medien. Für Details zu Haltestellen und Zeiten gilt: Am verlässlichsten sind die aktuellen BVG-Infos kurz vor der Fahrt.
| Verkehrsmittel | Linie/Richtung | Wo genau | Status | Empfehlung für Fahrgäste |
|---|---|---|---|---|
| Tram | Gesamtes BVG-Tramnetz | Stadtweit | Komplett eingestellt wegen vereister Leitungen und Gleise | Auf S-/U-Bahn oder Bus umsteigen; Updates vor Abfahrt prüfen |
| U-Bahn | U2 | zwischen Rosa-Luxemburg-Platz ↔ Pankow | Abschnitt unterbrochen | Umleitung über andere U-/S-Bahn-Linien an Nachbarstationen planen |
| U-Bahn | U2 | zwischen Wittenbergplatz ↔ Potsdamer Platz | Abschnitt unterbrochen | Mehr Zeit einplanen, auf andere Linien in der Innenstadt ausweichen |
| S-Bahn (Ring) | S41/S42 | Ringbahn | Intervalle verlängert (10 Min.) | Anzeigen/App checken, Verzögerungen einkalkulieren |
| S-Bahn | S5 | wegen Gleisschaden im Bereich Biesdorf | Linie verkürzt | Auf Teilstrecken andere Linien (S3/S7/S9) an Knotenpunkten nutzen |
| S-Bahn | S46 / S47 | teilweise Taktänderungen/Verkürzung | Einschränkungen aktiv | Für Verbindungen Nachbarlinien nutzen (vor Fahrt prüfen) |
| Regionalverkehr | RE-Linien im Raum Berlin/Brandenburg | verschiedene Strecken | teils Verspätungen/ausfallende Fahrten | Alternativen bereithalten, Zeitpuffer einplanen |
Wer zur Arbeit oder zum Flughafen muss, sollte heute einen „Wetterpuffer“ von 30–60 Minuten einrechnen. An solchen Tagen entsteht die Verzögerung oft nicht auf der eigenen Linie, sondern beim Umsteigen.
So stellen Sie Ihre Route schnell um – ohne im Gedränge zu landen
Wenn die Tram „ausfällt“, trifft das besonders Bezirke, in denen sie das Rückgrat des Nahverkehrs ist. Damit Sie nicht im Kreis fahren, hilft ein kurzer, praktischer Plan:
- Aktuelle Einschränkungen vor dem Losgehen prüfen, auch wenn die Strecke sonst „immer funktioniert“. Auf der BVG-Startseite steht in solchen Lagen oft ein Hinweis zu Tram-Stopp und möglichen Problemen bei Bus und U-Bahn.
- Plan A/B/C im Kopf haben: Variante über U-Bahn, Variante über S-Bahn, Variante kombiniert (zu Fuß bis zum nächsten Knoten + U-Bahn). Bei Glätte gewinnt selten die kürzeste, sondern die stabilste Route.
- Nicht an einer einzigen Umsteigestelle festbeißen: Wenn es im Zentrum voll ist, ist es manchmal schneller, 1–2 Stationen zu laufen und eine andere Linie zu nehmen.
„Bitte nutzen Sie nach Möglichkeit S- und U-Bahn sowie Busse“ – so lautet die Logik der BVG an Tagen, an denen Drähte und Schienen „vereisen“.
Warum das nicht nur ein Problem für Fahrgäste ist, sondern für die ganze Stadt

Ein kompletter Tram-Stopp ist mehr als eine Unannehmlichkeit. Plötzlich wechseln Tausende gleichzeitig auf andere Verkehrsmittel – und jede kleine Störung verstärkt sich durch Warteschlangen, volle Wagen und überlastete Umstiege. Genau deshalb setzt die BVG auf eine schrittweise Rückkehr: Erst die wichtigsten Korridore sicher machen – und erst danach das Netz wieder in die Breite hochfahren.
Wenn du sowieso unterwegs bist, schau auch in unsere Übersicht zur DWD-Warnung vor Glatteis und Eisregen, wo es in Deutschland diese Woche besonders gefährlich wird.
