Die Namen von Uğur Şahin und Özlem Türeci sind längst weit über die enge wissenschaftliche Fachwelt hinaus bekannt. Sie wurden zu den Gesichtern von BioNTech — jenem Unternehmen, das während der COVID-19-Pandemie zu einem der wichtigsten Symbole für medizinischen Fortschritt wurde, berichtet timestuff.de unter Berufung auf faz.net. Nun bereitet das Ehepaar den nächsten Schritt vor: Sie werden ihre Führungspositionen bei BioNTech verlassen und ein weiteres Biotechnologie-Unternehmen gründen.
Diese Entscheidung wirkt nicht wie ein Rückzug, sondern eher wie der Versuch, noch einmal dorthin zurückzukehren, wo große Ideen entstehen. Das neue Unternehmen soll sich auf die Entwicklung der nächsten Generation von mRNA-Medikamenten konzentrieren — einer Technologie, die die Welt bereits in der Pandemie verändert hat und nun auch in der Onkologie und bei anderen Krankheiten eine noch größere Rolle spielen könnte.
Eine Geschichte, die als wissenschaftliche Wette auf die Zukunft begann, bekommt nun ihre nächste Fortsetzung.
Warum der Abschied der BioNTech-Gründer so viel Aufmerksamkeit auslöst
Für viele steht BioNTech nicht nur für ein Unternehmen, sondern für eine ganze Epoche. Gegründet wurde es im Jahr 2008, mit dem Ziel, mRNA-Therapien vor allem für die Krebsbehandlung zu entwickeln. Wirklich weltweit bekannt wurde BioNTech jedoch erst, als die Pandemie die Wissenschaft an ihre Grenzen brachte.
Genau in diesem Moment entwickelte BioNTech gemeinsam mit Pfizer einen der ersten zugelassenen Impfstoffe gegen COVID-19. Das Unternehmen wuchs rasant, verdiente Milliarden, baute seine Forschung aus und wurde zu einem globalen Akteur.
Nach dem Höhepunkt der Pandemie kehrte allerdings auch bei BioNTech eine nüchternere wirtschaftliche Realität ein: Umsatz und Gewinn gingen zurück, und der Fokus verlagerte sich wieder von Impfstoffen auf langfristige medizinische Entwicklungen — vor allem im Bereich der Onkologie.
Der Rückzug von Şahin und Türeci aus dem operativen Geschäft bedeutet keinen Bruch mit BioNTech — vielmehr ist es der Versuch, einen neuen Innovationszyklus zu starten.
Was über das neue Unternehmen bekannt ist

Nach der derzeit bekannten Planung soll das neue Unternehmen des Ehepaars an neuen mRNA-Medikamenten arbeiten. Dabei geht es nicht einfach nur darum, den bisherigen Weg fortzusetzen, sondern darum, das Feld für Innovationen noch weiter zu öffnen.
Geplant ist, dass ein Teil der Rechte und Technologien in das neue Unternehmen eingebracht wird. Im Gegenzug soll BioNTech eine Minderheitsbeteiligung erhalten sowie Lizenzzahlungen und finanzielle Vergütungen bei Erreichen bestimmter Entwicklungsziele.
Bislang ist noch nicht bekannt:
- wie das neue Unternehmen heißen wird,
- wo es seinen Sitz haben wird,
- in welcher Rechtsform es organisiert sein wird,
- wer zur künftigen Führung gehören soll.
Klar ist aber bereits jetzt: Es wird keine Tochtergesellschaft von BioNTech, sondern ein eigenständiges, unabhängiges Projekt.
Das Wichtigste im Überblick
| Frage | Was bisher bekannt ist |
|---|---|
| Wann verlassen Şahin und Türeci ihre Positionen? | Spätestens bis zum Jahresende nach Auslaufen ihrer laufenden Verträge |
| Bleiben sie mit BioNTech verbunden? | Ja, sie wollen Aktionäre bleiben |
| Worum geht es im neuen Unternehmen? | Entwicklung der nächsten Generation von mRNA-Medikamenten |
| Was erhält BioNTech? | Eine Minderheitsbeteiligung, Lizenzzahlungen und Meilensteinvergütungen |
| Hat das Folgen für das laufende Geschäft? | BioNTech betont, dass die Entwicklung des Unternehmens ohne Unterbrechung weitergehen soll |
Warum mRNA weiterhin als große Hoffnung gilt
Obwohl es der COVID-19-Impfstoff war, der BioNTech weltweit bekannt machte, setzte das Unternehmen von Anfang an auf ein anderes großes Ziel: die Behandlung von Krebs. Und genau dort liegen auch heute die größten Hoffnungen.
Der Impfstoff bleibt bislang das einzige regelmäßig weiterentwickelte Produkt von BioNTech auf dem Markt. Die Zukunft des Unternehmens wird jedoch längst nicht mehr nur mit seiner Pandemie-Vergangenheit verbunden, sondern mit mehreren fortgeschrittenen klinischen Studien zu Krebsmedikamenten.
Im Grunde kehrt BioNTech damit zu seiner ursprünglichen wissenschaftlichen Mission zurück — nur mit anderen finanziellen Möglichkeiten, einer ganz anderen Größe und einem deutlich stärkeren internationalen Gewicht.
Warum Şahin und Türeci noch einmal neu anfangen wollen

Die Begründung der Gründer klingt nachvollziehbar: Sie wollen erneut als Pioniere auftreten und neue Horizonte für die Wissenschaft erschließen. Für sie ist das nicht nur eine geschäftliche Entscheidung, sondern die Fortsetzung derselben Haltung, mit der sie einst BioNTech aufgebaut haben.
Uğur Şahin und Özlem Türeci galten nie in erster Linie als klassische Konzernmanager, sondern eher als Wissenschaftler, die an der Spitze eines globalen Marktes gelandet sind. Selbst nach ihrem weltweiten Erfolg blieb ihre öffentliche Wahrnehmung vor allem wissenschaftlich geprägt — nicht glamourös oder rein wirtschaftlich.
Auch ihr persönlicher Weg wird oft als eigene Erfolgsgeschichte erzählt. Beide sind Kinder türkischer Einwanderer in Deutschland. Şahin zog als Kind nach Köln, Türeci wuchs in Niedersachsen auf. Kennengelernt haben sie sich während ihrer medizinischen Ausbildung, später bauten sie gemeinsam eine wissenschaftliche Laufbahn auf, die sie zu zwei der bekanntesten Biotechnologie-Persönlichkeiten Europas machte.
Für Şahin und Türeci ist dies bereits die dritte Gründung nach Ganymed Pharmaceuticals und BioNTech.
Was nach dem Abschied der Gründer aus BioNTech wird
Das Unternehmen bemüht sich erkennbar darum, dem Markt sofort ein Signal der Stabilität zu senden. BioNTech betont, dass der Abschied des Gründerpaares weder das laufende Impfstoffgeschäft noch die Entwicklung der Forschungspipeline verändern soll. Das Unternehmen arbeitet weiter an aussichtsreichen Produkten und bereitet sich auf die nächste Phase der Kommerzialisierung vor.
Wichtig ist auch, dass der Aufsichtsrat bereits mit der Suche nach Nachfolgerinnen und Nachfolgern begonnen hat, um einen geordneten Übergang sicherzustellen. Es geht also nicht um einen abrupten Bruch, sondern um einen kontrollierten Wechsel im Führungsmodell.
Zusätzliche Bedeutung bekommt diese Entwicklung durch die jüngsten Schritte von BioNTech auf dem Markt: Das Unternehmen hat bereits einen großen Schritt in der deutschen Biotechnologie gemacht, indem es CureVac übernommen hat — einen früheren Konkurrenten im Rennen um den COVID-19-Impfstoff.
Was das für den Biotechnologie-Markt bedeutet
Die Geschichte um den Abschied von Şahin und Türeci zeigt vor allem eines: Die Zeit nach COVID-19 ist für die Biotechnologie nicht vorbei, sie hat nur ihre Form verändert. Während früher Impfstoffe im Zentrum der Aufmerksamkeit standen, verschiebt sich der Fokus nun stärker auf komplexere und langfristigere Bereiche — Onkologie, personalisierte Medizin, Gentherapie und neue mRNA-Lösungen.
Für den Markt könnte das gleich mehrere Entwicklungen bedeuten:
- stärkeren Wettbewerb im Bereich der mRNA-Therapien,
- neue Allianzen zwischen großen und jungen Biotech-Unternehmen,
- den Übergang vom Pandemie-Erfolg hin zum Wettlauf um langfristige Durchbrüche in der Krebsmedizin,
- wachsendes Interesse von Investoren an hochspezialisierten wissenschaftlichen Projekten.
Manchmal ist die größte Nachricht nicht, dass jemand geht — sondern wohin er als Nächstes aufbricht.
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