Mehrere hundert Kilo Muskelkraft, über vier Meter Länge und ein Satellitensender an der Rückenflosse: Vor der Küste von North Carolina zieht derzeit ein großer Weißer Hai seine Bahnen, den Wissenschaftler fast stündlich verfolgen, berichtet timestuff.de unter Berufung auf merkur.de. Seine Route könnte eine Frage beantworten, die seit Jahrzehnten offen ist – wo sich die Tiere in den USA paaren.
„Contender“ am Cape Fear: Ein Gigant, den nicht Jäger, sondern Forscher suchen
Vor der US-Küste in North Carolina hält sich aktuell ein großer Weißer Hai mit dem Spitznamen Contender auf. Er wiegt mehr als 770 Kilogramm und misst über vier Meter, die letzten Signale verorteten ihn rund 70 Kilometer südöstlich von Wilmington in der Nähe von Cape Fear. Forschende beobachten jede seiner Bewegungen, weil solche „lebenden Karten“ des Ozeans manchmal schneller Antworten liefern als jahrelange Theoriearbeit.
Die Forschungsorganisation OCEARCH bezeichnet Contender als den größten männlichen Weißen Hai, den sie jemals im westlichen Nordatlantik mit einem Sender markiert hat. Ausgerüstet wurde er im Januar 2025 vor der Küste zwischen Florida und Georgia. Seitdem hat der Räuber enorme Distanzen zurückgelegt – und liefert Daten, die in der Meeresbiologie besonders wertvoll sind.
Warum es hier nicht um Sensationen geht

Die Maße von Contender sind eindrucksvoll und taugen für plakative Vergleiche. Sein Gewicht entspricht ungefähr dem eines VW Käfer, seine Länge wird mit einem durchschnittlichen Anhänger verglichen. OCEARCH erklärt, dass der Hai nach dem langjährigen Missionspartner Contender Boats benannt wurde – das Team erwähnte dies auch in einem Instagram-Beitrag.
Trotzdem ist selbst dieser „Star“ nicht das größte bekannte Exemplar. Als größter jemals auf Video festgehaltener Weißer Hai gilt „Deep Blue“, ein altes Tier, das 2019 von einem Team von National Geographic vor der Küste Hawaiis gefilmt wurde. Die Länge von Deep Blue wird auf mehr als sieben Meter geschätzt, damit bleibt Contender trotz seiner Dimensionen hinter dieser Legende zurück.
Auf der Suche nach der Antwort: Wo paaren sich Weiße Haie in den USA?
Für die Wissenschaft ist Contender vor allem wegen seiner Bewegungen spannend, nicht wegen der Zahl auf der Waage. OCEARCH hofft, dass das Satelliten-Tracking eines Weißen Hais den möglichen Paarungsraum deutlich eingrenzen kann. Der Datenwissenschaftler John Tyminski erklärt, dass es indirekte Hinweise gebe: Die Paarung könnte in den Südoststaaten der USA stattfinden – und zwar zwischen Spätwinter und Frühsommer.
Um das Bild zu schärfen, vergleichen Forschende die Routen von Männchen und geschlechtsreifen Weibchen. Tyminski sagt laut Wral News, Contender liefere „Hinweise“, und man werde seine Bewegungen gemeinsam mit denen von Weibchen analysieren, darunter ein Tier mit dem Namen Goodall. Als möglicher Treffpunkt gelten die Outer Banks in North Carolina, doch OCEARCH sucht weiterhin nach eindeutigen Belegen.
Contender ist nicht allein: Eine „Kolonne“ markierter Haie im Atlantik
Der Riesenhai zieht nicht einsam durch den Atlantik. Nach Angaben des Charlotte Observer bewegen sich derzeit mindestens fünf weitere mit Sendern ausgestattete Weiße Haie zwischen Wilmington und Charleston. Genannt werden unter anderem die Weibchen Nori und Cayo sowie das Männchen Jason.
Seit der Markierung hat Contender rund 9.300 Kilometer zurückgelegt – von Vero Beach (Florida) bis zum Golf von St. Lawrence in Kanada. Solche Wanderungen sind für Weiße Haie typisch: Den Sommer verbringen sie meist in kühleren, beutereichen Gewässern vor Maine und Kanada, im Winter ziehen sie nach Süden. Ihre Routen wirken dadurch wie ein Pendel, das Jahr für Jahr zwischen warmen und kalten Regionen schwingt.
So funktioniert das Tracking – und warum Angriffe seltener sind als viele glauben
Die Positionsdaten kommen über einen Sender an der Rückenflosse. Weil die Tracker nicht durch Wasser funken können, muss der Hai nahe an die Oberfläche kommen, damit ein Satellit das Signal empfängt. Solche Sender können über mehrere Jahre Echtzeitdaten liefern und gehören zu den effizientesten Werkzeugen, um Migrationen im Meer zu erforschen.
Trotz ihres furchteinflößenden Images greifen Haie Menschen vergleichsweise selten an – Meeresbiologen betonen, dass Menschen nicht zu ihrer üblichen Beute zählen. Dennoch gibt es tragische Zwischenfälle, und bei tödlichen Begegnungen wird häufig die Küste Floridas genannt, ebenso Strände in Australien und Südafrika. Genau deshalb sind verlässliche Daten über das Verhalten großer Räuber in Küstennähe nicht nur für die Forschung relevant, sondern auch für das Verständnis von Risiken in beliebten Urlaubsregionen.
Wer beim Lesen an KI-Manipulationen denkt, findet in unserem separaten Beitrag praktische Hinweise, wie man Deepfakes schnell entlarvt – am Beispiel der Epstein-Akten.
