Die Nachfrage nach Gold und Silber ist in Zeiten wirtschaftlicher Nervosität stark gestiegen, doch der physische Markt kann nicht Schritt halten, berichtet timestuff.de unter Berufung auf merkur.de. Händler melden spürbare Lieferverzögerungen und einen echten Engpass – vor allem bei Silber.
Wenn die Nachfrage schneller wächst, als man gießen und prägen kann
In Phasen der Unsicherheit flüchten viele Anleger traditionell in Gold und Silber. Die Produktion von Barren und Münzen lässt sich jedoch nicht kurzfristig hochfahren, weil Verarbeitung und Prägung feste Kapazitätsgrenzen haben. Genau das zeigt sich aktuell am Markt: Raffinerien und Prägepartner arbeiten am Limit, während bei Händlern deutlich mehr Bestellungen auflaufen. Für Kunden bedeutet das ganz konkret längere Wartezeiten, mehr Rückstände in der Auftragsbearbeitung und teils verschobene Liefertermine.
Händler unter Druck – und der Preisrücksetzer bringt noch mehr Bestellungen

„Wir saufen ab, aber sowas von“, beschreibt Michael Eubel, Abteilungsleiter Sorten und Edelmetalle bei der BayernLB, die Lage gegenüber dem Handelsblatt. Seit gut sechs Wochen herrsche Ausnahmezustand, weil teils doppelt so viele Aufträge pro Tag eingehen, wie die Teams bearbeiten können. Auch Scheideanstalten, die aus dem Rohstoff handelbare Barren und Münzen herstellen, kommen nicht hinterher, was zu Verzögerungen und Lücken in den Lieferketten führt. So entsteht ein Effekt, der sich über den gesamten physischen Handel zieht – vom Produzenten bis zum Endkunden.
Zusätzlichen Druck brachte der Einbruch an den Terminmärkten: Viele Käufer werteten den Rücksetzer als günstige Gelegenheit zum Einstieg. Auch Önder Ciftci, Geschäftsführer des Edelmetallhändlers Ophirum, bestätigt die Engpässe: Bei Gold liegen die Liefertermine je nach Scheideanstalt inzwischen teilweise bereits Ende April. Bei Silber sei die Lage noch angespannter – die Verfügbarkeit ist geringer, und die aktuellen Lieferzeiten reichen vielerorts noch weiter nach hinten.
Silber wird von der Industrie stärker gebraucht – und die Lager schrumpfen

Am deutlichsten zeigt sich der Engpass derzeit bei Silber, und dafür gibt es mehrere Gründe. Seit Jahren wird weltweit mehr Silber verbraucht als gefördert: Nach Daten des Silver Institute liegt das globale Angebot bei 31.100 bis 31.800 Tonnen pro Jahr, während der Verbrauch bei 34.000 bis 37.000 Tonnen liegt. Diese Lücke wirkt nicht wie ein kurzfristiger Ausreißer, denn der Bedarf könnte weiter steigen. Anders gesagt: „Schnelles Silber“ gibt es nicht – Produktion und Verarbeitung sind träge, während die Nachfrage sprunghaft reagieren kann.
Im Gegensatz zu Gold, dessen Nachfrage vor allem durch Anleger und Zentralbanken geprägt ist, wird Silber zunehmend industriell nachgefragt. Es wird unter anderem in der Photovoltaik (Solarzellen), in Elektroautos und in Lieferketten rund um den KI-Sektor eingesetzt, wo Leitfähigkeit und Materialzuverlässigkeit eine zentrale Rolle spielen. Bisher wurde die Differenz zwischen Förderung und Verbrauch, wie Wolfgang Wrzesniok-Roßbach von der Unternehmensberatung Fragold erklärt, häufig über Lagerbestände von Banken oder Händlern ausgeglichen. Diese Reserven schrumpfen jedoch spürbar – und verlieren damit ihre Pufferfunktion.
USA und China verschärfen die Lage: Kritische Rohstoffe und Exporthürden
Ein weiterer Treiber kommt aus den USA. US-Präsident Donald Trump hat Silber im Jahr 2025 auf die Liste der kritischen Rohstoffe gesetzt – ein Schritt, der den Markt spürbar beeinflusst. Laut York Tetzlaff, Chef des Branchenverbandes Fachvereinigung Edelmetalle, steigt damit die Wahrscheinlichkeit von Maßnahmen zur Absicherung der Versorgung. Dazu zählen etwa strategische Reserven oder Anpassungen in der Zollpolitik, was in der Regel preistreibend wirkt und die Erwartung weiterer Verknappung verstärkt.
Zusätzlich wird das Angebot durch neue Regeln aus China unter Druck gesetzt. Exportbeschränkungen, die 2026 wirksam werden, verlangen staatliche Lizenzen für Silberexporte und schließen kleinere Exporteure praktisch aus. Zusammengenommen verstärken diese Faktoren den Silbermangel und machen Lieferengpässe für Edelmetallhändler immer weniger zur Ausnahme – und immer mehr zur neuen Normalität am Markt für Edelmetalle.
Mehr zum Staunen aus der Tiefsee gibt es hier im Video der Phantomqualle Stygiomedusa gigantea aus 250 Metern Tiefe vor der Küste Argentiniens.
