In Darmstadt hat ein Großbrand am Forschungsstandort GSI die Pläne für eines der ambitioniertesten Wissenschaftsprojekte Europas ausgebremst: den Teilchenbeschleuniger FAIR, berichtet timestuff.de unter Berufung auf hessenschau.de. Das Feuer beschädigte zentrale Technik – der Start verschiebt sich nun ohne neuen Termin.
Was im GSI passiert ist – und warum FAIR das sofort spürt
Am Donnerstag rückte die Feuerwehr in Darmstadt mit einem Großaufgebot zu einem Brand im GSI-Zentrum für Ionenforschung im Stadtteil Wixhausen aus. Genau dort entsteht derzeit die riesige Forschungsanlage FAIR, die künftig als wichtige Plattform für Experimente mit schweren Ionen und neuen Materialien dienen soll. Der Vorfall trifft ein Projekt, dessen Kosten bereits bei rund 4,3 Milliarden Euro liegen, direkt im Zeitplan.
Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) sprach am Donnerstag in Darmstadt von einem Einschnitt für den Standort. „Es ist ein schwarzer Tag für den Wissenschaftsstandort Hessen“, sagte er. Die Folgen des Brandes wirkten sich unmittelbar auf den geplanten Start des milliardenschweren Beschleunigers FAIR aus, so der Minister weiter.
Welche Technik beschädigt wurde – und was das für den Start bedeutet

Auslöser für die Verzögerung ist nach Angaben aus dem Umfeld des Zentrums vor allem beschädigte Technik rund um den Linearbeschleuniger Unilac. Unilac beschleunigt schwere Ionen und soll den notwendigen Strahl liefern, der für den Betrieb des FAIR-Beschleunigers gebraucht wird. Nach dem Brand kann Unilac diesen Strahl derzeit nicht bereitstellen – und ohne diese Grundlage lässt sich FAIR nicht wie geplant in Betrieb nehmen.
Auch im GSI selbst fällt die Einschätzung deutlich aus. Eine Sprecherin nannte die Lage dramatisch und machte zugleich klar, dass das Ausmaß des Schadens noch nicht zuverlässig beziffert werden kann. „Das ist eine dramatische Situation für uns“, sagte sie. Erst nach Abschluss des Feuerwehreinsatzes werde man das betroffene Equipment im Detail prüfen und bewerten, was repariert oder ersetzt werden muss.
Großeinsatz der Feuerwehr und Warnungen für Anwohner

Das Feuer am Donnerstagmorgen löste einen Großeinsatz in Wixhausen aus, eine weithin sichtbare Rauchsäule sorgte in der Region schnell für Unruhe. Über das Warnsystem Mowas wurden zunächst Menschen in Wixhausen, Weiterstadt und Erzhausen gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Lüftungs- und Klimaanlagen auszuschalten. Solche Hinweise sollen verhindern, dass Rauch und Gerüche in Wohnungen und Gebäude ziehen.
Im Verlauf des Vormittags wurde die Warnung ausgeweitet – unter anderem auf Mörfelden-Walldorf, Egelsbach, Raunheim, Kelsterbach, den Frankfurter Flughafen und Teile Frankfurts. In diesen Orten könne es zu Geruchsbelästigungen kommen, eine Gefahr für die Gesundheit bestehe jedoch nicht. Für Rückfragen richtete die Stadt Darmstadt ein Infotelefon ein: 06151 132060.
Wie viele Einsatzkräfte vor Ort waren – und was über die Sicherheit bekannt ist
Einsatzleiter Christian Wagner von der Feuerwehr Darmstadt schilderte, wann der Alarm einging und wie groß die Unterstützung war. „Wir wurden gegen 6:30 Uhr alarmiert“, sagte Wagner. Demnach kamen neben Kräften aus Darmstadt auch Einheiten aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg und aus Groß-Gerau sowie mehrere Werksfeuerwehren zum Einsatz.
Insgesamt arbeiteten nach seinen Angaben rund 130 Feuerwehrleute und zusätzlich etwa 30 weitere Rettungskräfte an der Einsatzstelle. Bis zum Vormittag gab es keine Hinweise auf Verletzte. Wagner betonte zudem, dass bislang keine Gefahrstoffe ausgetreten seien – ein Punkt, der bei Bränden in technisch komplexen Einrichtungen besonders genau beobachtet wird.
Warum der Einsatz lange dauern kann – und was als Nächstes passiert
Nach Angaben des Einsatzleiters brannte eine Industriehalle, in der sich auch Büros und technische Bereiche befanden. Wie stark der in der Halle untergebrachte Linearbeschleuniger Unilac tatsächlich beschädigt wurde, war zunächst offen – genau das ist nun aber die entscheidende Frage für den weiteren Fahrplan von FAIR. Wagner stellte zugleich klar, dass die FAIR-Baustelle selbst nicht direkt betroffen sei, die Auswirkungen auf den Start aber trotzdem erheblich bleiben.
Die Feuerwehr rechnete damit, dass der Einsatz bis in die späten Abendstunden dauern könnte. Die Ursache des Brandes ist bislang unklar und soll untersucht werden. Nach Ausbruch des Feuers wurde das Gelände geräumt und gesperrt; alle Mitarbeitenden wurden nach Hause geschickt, wie eine Sprecherin des GSI bestätigte.
Wer sehen will, wie angespannt die Lage im Alltag schon ist, findet hier den Hintergrund zu Gewalt im Nahverkehr und den Übergriffen auf Bahnmitarbeiter.
