Rund um Jean Pierre „JP“ Kraemer gibt es eine neue juristische Entwicklung. Der Anwalt seiner Noch-Ehefrau Julia Meck hat bei der Staatsanwaltschaft Dortmund eine weitere Strafanzeige gestellt. Diesmal steht nicht unmittelbar ein möglicher körperlicher Übergriff im Mittelpunkt, sondern eine Erklärung aus einem früheren Zivilverfahren: Es geht um den Verdacht einer falschen Versicherung an Eides statt, berichtet timestuff.de.
Das klingt zunächst eindeutig. Ist es aber nicht. Denn zwischen „eine Strafanzeige wurde gestellt“ und „JP Kraemer hat sich strafbar gemacht“ liegen mehrere entscheidende Prüfungsschritte.
Besonders wichtig: Der vollständige Wortlaut der betreffenden eidesstattlichen Versicherung ist bislang nicht öffentlich bekannt. Genau auf diesen Wortlaut dürfte es juristisch entscheidend ankommen.
Was ist bei JP Kraemer jetzt neu?
Die neue Strafanzeige wurde nach Angaben des WDR von Rechtsanwalt Ali Mojab gestellt, der Julia Meck vertritt. Der Vorgang steht im Zusammenhang mit einem presserechtlichen Streit zwischen Kraemer und der „Bild“-Zeitung vor dem Landgericht Hamburg.
Nach der bislang öffentlich bekannten Darstellung soll Kraemer in diesem Zivilverfahren eidesstattlich erklärt haben, seine Noch-Ehefrau nicht gewürgt zu haben. Mecks Anwalt sieht darin einen möglichen Widerspruch zu Videoaufnahmen sowie zu späteren Äußerungen Kraemers und hat deshalb Strafanzeige erstattet.
Damit ist allerdings noch nicht geklärt, ob die Erklärung tatsächlich falsch war und – ebenso wichtig – ob die Voraussetzungen einer Straftat erfüllt sind.
Der entscheidende Unterschied: Eine Strafanzeige bringt einen möglichen Sachverhalt zur Staatsanwaltschaft. Sie ist weder ein Schuldspruch noch der Beweis dafür, dass die erhobenen Vorwürfe zutreffen.
Was soll JP Kraemer in der eidesstattlichen Versicherung erklärt haben?
Der Hintergrund führt zurück zu einem Streit vom 23. November 2024 auf dem Gelände von JP Performance in Dortmund. Von diesem Vorfall existieren Aufnahmen einer Überwachungskamera.
Nach Darstellung des WDR unter Berufung auf die damalige Berichterstattung soll es im Verfahren vor dem Landgericht Hamburg unter anderem darum gegangen sein, ob Medien den Vorgang als „Würgen“ bezeichnen durften. Kraemer soll seinerseits eingeräumt haben, Meck mit beiden Händen im Bereich zwischen Schlüsselbein und äußerer Halsmuskulatur angefasst zu haben.
Mecks Anwalt vertritt nun die Auffassung, dass dies nicht mit der eidesstattlichen Erklärung Kraemers vereinbar sei.
Doch hier liegt ein Punkt, der bei vielen Schlagzeilen untergeht: Entscheidend ist nicht nur, was in Videos zu sehen ist oder wie einzelne Beteiligte den Vorfall beschreiben. Entscheidend ist auch, was Kraemer in der konkreten eidesstattlichen Versicherung tatsächlich und in welchem Zusammenhang erklärt hat.
t-online weist ausdrücklich darauf hin, dass der vollständige Wortlaut dieser Erklärung öffentlich nicht bekannt ist. Deshalb lässt sich von außen derzeit nicht seriös feststellen, ob tatsächlich ein strafrechtlich relevanter Widerspruch vorliegt.
Was ist eine Versicherung an Eides statt überhaupt?
Eine Versicherung an Eides statt ist weit mehr als eine gewöhnliche Behauptung einer Prozesspartei. In bestimmten Verfahren dient sie dazu, Angaben glaubhaft zu machen. Wer eine solche Erklärung abgibt, bekräftigt damit in besonderer Form die Richtigkeit seiner Angaben.
Gerade deshalb sieht das Strafgesetzbuch Konsequenzen vor, wenn eine solche Erklärung vorsätzlich falsch abgegeben wird.
| Punkt | Was er im Fall JP Kraemer bedeutet |
|---|---|
| Strafanzeige | Der behauptete Sachverhalt wurde der Staatsanwaltschaft mitgeteilt. |
| Eidesstattliche Versicherung | Die betreffende Erklärung wurde im Zusammenhang mit einem Zivilverfahren abgegeben. |
| Verdacht | Es muss geprüft werden, ob die Erklärung objektiv falsch war. |
| Vorsatz | Für § 156 StGB ist nicht jede unzutreffende Angabe automatisch ausreichend. |
| Mögliche Folge | Erst nach Prüfung entscheidet sich, ob das Verfahren eingestellt wird oder weitergeht. |
Drohen JP Kraemer wirklich bis zu drei Jahre Haft?

Diese Zahl taucht schnell in Schlagzeilen auf – juristisch stimmt sie, als konkrete Prognose für JP Kraemer ist sie jedoch irreführend.
Nach § 156 Strafgesetzbuch kann eine vorsätzlich falsche Versicherung an Eides statt mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden.
Das Gesetz nennt eine „Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe“.
„Bis zu drei Jahre“ bezeichnet also den gesetzlichen Strafrahmen. Daraus folgt keineswegs, dass Kraemer im konkreten Fall drei Jahre Haft drohen oder eine solche Strafe wahrscheinlich wäre.
Für die tatsächliche Bewertung eines Falls spielen unter anderem die konkreten Umstände, die Formulierung der Erklärung, der nachweisbare Vorsatz, mögliche Vorbelastungen und der weitere Verlauf des Verfahrens eine Rolle.
Auch die vom WDR befragten Rechtsanwälte Christian Solmecke und Arndt Kempgens ordnen deshalb nicht einfach eine dreijährige Haftstrafe als wahrscheinliches Ergebnis ein. Vielmehr geht es zunächst um die Frage, ob überhaupt ein hinreichender Tatverdacht entsteht.
Was muss die Staatsanwaltschaft jetzt prüfen?
Der nächste Schritt ist deutlich nüchterner als viele Social-Media-Überschriften vermuten lassen. Die Staatsanwaltschaft muss den Sachverhalt rekonstruieren und die verfügbaren Unterlagen miteinander vergleichen.
Dabei dürften insbesondere folgende Fragen wichtig werden:
- Wie lautet die eidesstattliche Versicherung von JP Kraemer exakt?
- Auf welche konkrete Situation und welche Formulierungen bezog sie sich?
- Was zeigen die vorhandenen Videoaufnahmen tatsächlich?
- Welche eigenen Aussagen Kraemers sind dokumentiert?
- Besteht zwischen diesen Beweismitteln und der Versicherung tatsächlich ein Widerspruch?
- Falls eine Angabe falsch war: lässt sich nachweisen, dass sie vorsätzlich falsch abgegeben wurde?
Gerade der letzte Punkt ist relevant. Das Strafgesetzbuch unterscheidet zwischen einer vorsätzlich falschen Versicherung nach § 156 StGB und einer fahrlässig falschen Versicherung. Für den fahrlässigen Fall enthält § 161 StGB eine eigene Regelung.
Eine Aussage kann deshalb nicht allein dadurch rechtlich zu einem Fall nach § 156 StGB werden, dass sich später Zweifel an ihrer Richtigkeit ergeben.
Welche Entscheidungen sind nach der Prüfung möglich?
Eine Strafanzeige führt nicht automatisch zu einer Anklage vor Gericht. Nach der Auswertung des Materials sind grundsätzlich unterschiedliche Verläufe denkbar.
- Das Verfahren wird eingestellt: etwa wenn sich der Verdacht nicht ausreichend erhärten lässt.
- Weitere Ermittlungen folgen: wenn zusätzliche Unterlagen, Aussagen oder Beweismittel benötigt werden.
- Ein Strafbefehl wird beantragt: wenn die gesetzlichen Voraussetzungen dafür vorliegen.
- Es kommt zur Anklage: wenn die Staatsanwaltschaft einen hinreichenden Tatverdacht annimmt.
Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärte gegenüber dem WDR, dass nun unter anderem die genaue Formulierung der Versicherung mit den vorhandenen Beweismitteln abgeglichen werden müsse. Erst bei einem hinreichenden Tatverdacht kämen ein Strafbefehl oder eine Anklage in Betracht.
Was ist bestätigt – und was bislang nur eine Behauptung?
Bei einem laufenden Verfahren ist diese Trennung wichtiger als jede spektakuläre Überschrift.
| Stand | Information |
|---|---|
| Bestätigt | Der Anwalt von Julia Meck hat eine weitere Strafanzeige gegen JP Kraemer gestellt. |
| Bestätigt | Die Staatsanwaltschaft Dortmund befasst sich mit dem Verdacht einer falschen Versicherung an Eides statt. |
| Bestätigt | Der Vorgang hängt mit einem früheren Zivilstreit gegen die „Bild“-Zeitung zusammen. |
| Nicht abschließend geklärt | Ob Kraemers eidesstattliche Versicherung objektiv falsch war. |
| Nicht öffentlich bekannt | Der vollständige Wortlaut der betreffenden eidesstattlichen Erklärung. |
| Nicht entschieden | Ob es zu einem Strafbefehl, einer Anklage, einer Einstellung oder einer anderen Entscheidung kommt. |
Die neue Anzeige ist nicht dasselbe wie die anderen Ermittlungen gegen Kraemer
Die aktuelle Strafanzeige sollte außerdem nicht mit anderen Verfahren vermischt werden. Unabhängig davon hatte die Staatsanwaltschaft Dortmund Ermittlungen wegen des Verdachts auf Körperverletzung und Sachbeschädigung wieder aufgenommen. Der WDR berichtete Anfang September ausführlich über diese Ermittlungen.
Die jetzige Anzeige wegen einer möglicherweise falschen Versicherung an Eides statt hat einen anderen juristischen Ausgangspunkt: Sie betrifft eine Erklärung in einem Zivilverfahren und die Frage, ob deren Inhalt strafrechtlich relevant falsch gewesen sein könnte.
Beides kann zwar auf denselben Konflikt zwischen Kraemer und seiner Noch-Ehefrau zurückgehen, rechtlich handelt es sich jedoch um unterschiedliche Sachverhalte.
Warum die genaue Formulierung jetzt wichtiger ist als die Schlagzeile
Für Leser, die nach „JP Performance News“ oder „JP Kraemer Strafanzeige“ suchen, ist vor allem eines wichtig: Die neue Anzeige ist real und wird geprüft. Ein Ergebnis gibt es aber noch nicht.
Die öffentlich bekannten Videoaufnahmen und Kraemers eigene Äußerungen können für die Ermittler relevant sein. Sie ersetzen jedoch nicht die Prüfung des Dokuments, um das es in der neuen Anzeige konkret geht.
Solange dessen genauer Inhalt und die Bewertung der Staatsanwaltschaft nicht vollständig bekannt sind, wären Aussagen wie „JP Kraemer muss drei Jahre ins Gefängnis“ oder „JP wurde der Lüge überführt“ nicht durch den aktuellen Stand gedeckt.
Der aktuelle Stand lässt sich einfacher zusammenfassen: Es gibt einen konkreten strafrechtlichen Verdacht, den die Staatsanwaltschaft jetzt prüfen muss. Ob daraus ein strafbares Verhalten, ein Strafbefehl oder eine Anklage folgt, ist offen. Für Jean Pierre Kraemer gilt die Unschuldsvermutung.
Was jetzt als Nächstes wichtig wird
Entscheidend werden neue Informationen der Staatsanwaltschaft Dortmund und mögliche Details aus den Verfahrensunterlagen sein. Besonders relevant wäre, ob der genaue Inhalt der eidesstattlichen Versicherung bekannt wird und wie die Ermittlungsbehörde den behaupteten Widerspruch zu den Videoaufnahmen und anderen Aussagen bewertet.
Erst dann lässt sich die entscheidende Frage belastbarer beantworten: Ist die neue Strafanzeige lediglich ein weiterer Vorwurf im Konflikt – oder ergibt die juristische Prüfung tatsächlich einen hinreichenden Verdacht nach § 156 StGB?
Wer neben den aktuellen Entwicklungen um JP Kraemer auch Unterhaltung sucht, findet im neuen Ludwigshafen-„Tatort“ mit „Explosive Mischung“ einen weiteren aktuellen TV-Tipp.
