Am Sonntag, dem 15. Februar 2026, wurde der Riesenslalom der Frauen bei den Olympischen Winterspielen 2026 zum Krimi bis zur Ziellinie: Ein Patzer zerstörte die Hoffnung auf einen möglichen historischen Podestplatz, während eine andere Athletin auf heimischem Schnee ihr Märchen fortschrieb.
Brignone wieder vorn auf der Tofane – und mit dem zweiten Olympiagold
In Cortina auf dem Hang der Tofane legte Federica Brignone die beste Gesamtzeit aus zwei Läufen hin, berichtet timestuff.de unter Berufung auf sportschau.de. Nach zwei Durchgängen gewann sie das Rennen und holte damit ihren zweiten Olympiasieg bei den Heimspielen in Italien. Das Podium hatte eine besondere Note: Sara Hector und Thea Louise Stjernesund wurden zeitgleich Zweite.
Noch größer wirkt dieser Erfolg im Kontext der Saison. Im vergangenen Frühjahr hatte Brignone eine schwere Verletzung erlitten und lange nicht gewusst, ob sie es rechtzeitig bis Olympia zurückschafft. Zuvor hatte sie bereits den Super-G bei diesen Winterspielen gewonnen, nun setzte sie mit dem Riesenslalom den nächsten Glanzpunkt und schrieb ihre olympische Erfolgsgeschichte weiter.
Dürr war einen Schritt vor der Sensation – doch das Finale drehte alles
Lena Dürr sorgte nach dem ersten Lauf für staunende Gesichter: Zur Halbzeit lag sie auf Rang zwei, nur +0,34 Sekunden hinter der Führenden. Auf der eng gesteckten, relativ schmalen Strecke entschieden Kleinigkeiten – Übergänge, Wellen und die Präzision bei den Rhythmuswechseln. Dürr selbst sprach in der Pause von dem „Lauf ihres Lebens“, und genau so fühlte es sich an: Plötzlich war eine olympische Überraschung greifbar.
Im zweiten Lauf passte dann jedoch vieles nicht mehr zusammen. Zwei grobe Fehler kosteten sie den Vorteil, und statt um eine Medaille zu kämpfen, landete sie am Ende auf Platz neun mit +0,81 Sekunden Rückstand. Im Ziel zeigte sie sich emotional und offen: „Unglaublich… kurz vor dem Ziel habe ich gespürt, wie ich den Ski ‚eingestochen‘ habe – das hat sicher Zeit gekostet“, sagte sie, und das Resultat „tut weh“, auch wenn sie betonte, wie stolz sie auf ihren Kampf zurück ins Rennen sei.
Erster Lauf: ein dichtes Spitzenfeld und echte Chancen für mehrere Favoritinnen
Das Zwischenklassement nach dem Auftakt versprach einen nervenaufreibenden Showdown. Sofia Goggia lag Dritte, nur zwölf Hundertstel hinter Dürr, und blieb damit in Schlagdistanz zur Spitze. Dahinter hielten gleich mehrere Fahrerinnen Kontakt, weil die Abstände klein genug waren, um im Finale noch alles zu drehen.
Besonders auffällig: Lara Colturi, Sara Hector und Thea Louise Stjernesund lagen zeitgleich und teilten sich Positionen mit +0,74 Sekunden Rückstand. In einem Riesenslalom mit so technischer Linienführung kann eine saubere, mutige Fahrt in einem einzigen Lauf mehrere Plätze bringen. Genau deshalb wurde der zweite Durchgang zu einer Prüfung für Nerven, Timing und Technik – nicht nur für Tempo.
Zweiter Lauf: Licht, Schatten und das unglaubliche Zeitgleich von Hector und Stjernesund
Der Finaldurchgang spielte im oberen Teil eher den Slalomfahrerinnen in die Karten. Die Tore mussten kontrollierter angefahren werden, damit der Schwung nicht verloren ging, während im mittleren Abschnitt der Wechsel zwischen Licht und Schatten permanent störte. Wer hier die Linie auch nur minimal verfehlte, bezahlte das sofort, weil der Kurs kaum Fehler verzieh.
Lange führte Lara Della Mea die Gesamtwertung an: Sie startete von Rang 15 und arbeitete sich nahezu fehlerfrei Schritt für Schritt nach vorn. Erst nach der neunten Fahrerin verdrängte Stjernesund sie aus der Leaderbox, und vieles deutete darauf hin, dass die Norwegerin nun das Tempo vorgab. Dann folgte der Moment, der im Zielbereich zunächst für ungläubige Blicke sorgte: Hector, Olympiasiegerin im Riesenslalom 2022, war erneut sekundengenau zeitgleich mit Stjernesund – genauso wie bereits im ersten Lauf. Colturi patzte danach, verlor deutlich an Zeit und rutschte weit zurück.
Entscheidend auf den letzten Metern: Goggia fällt zurück, Dürr verliert am Sprung – Shiffrin und Scheib ohne Medaille
Als nur noch die Top drei am Start standen, war die Spannung mit Händen zu greifen. Goggia konnte ihre starke Ausgangslage auf der technisch anspruchsvollen Variante des Kurses nicht bestätigen und rutschte im Klassement ab. Auch Dürr leistete sich oben einen schweren Fehler, gab ihren gesamten Vorsprung ab, kämpfte sich jedoch beeindruckend zurück und lag vor dem Zielsprung sogar vorn.
Genau dort passierte der nächste Patzer – und die Medaille war plötzlich weg. Brignone brachte ihren Vorsprung dagegen ohne große Aufregung ins Ziel und machte den Sieg perfekt. Abseits dieses Duells gab es zwei weitere Enttäuschungen: Mikaela Shiffrin ging im Finale von Platz sechs ins Rennen, fiel jedoch statt eines Angriffs auf Rang elf zurück (+0,92 Sekunden). Auch Julia Scheib verpasste das erhoffte Edelmetall: Vor Olympia hatte sie vier von acht Riesenslaloms der Saison gewonnen, lag nach dem ersten Lauf aber bereits 1,13 Sekunden zurück und fand im zweiten Durchgang nicht mehr den entscheidenden Zugriff – am Ende blieb nur sichtbar große Enttäuschung.
Nach dem Krimi im Riesenslalom richtet sich der Blick in Livigno, wo Josie Baff im Snowboardcross für einen Moment sorgte, der in Erinnerung bleibt.
