Die kanadische Bank RBC hat die Erwartungen an adidas spürbar gedämpft und das Kursziel für die Aktie gesenkt, berichtet timestuff.de unter Berufung auf finanzen.net. Gleichzeitig gerieten die Papiere von Puma stark unter Druck, nachdem Signale darauf hindeuteten, dass die Gespräche über eine mögliche Übernahme in eine Sackgasse geraten sind. Für Investoren ist das nicht einfach nur ein „schlechter Börsentag“, sondern ein Belastungstest dafür, wie realistisch die Prognosen für 2026 sind – und wie die Stimmung im gesamten Sportartikel-Sektor kippt.
Wenn der Markt nervös ist, werden am härtesten nicht Fehler bestraft, sondern überhöhte Erwartungen.
Was RBC genau getan hat – und warum das adidas getroffen hat
RBC hat seine Einschätzung zu adidas vorsichtiger ausgerichtet: Die Bank senkte das Kursziel von 190 auf 160 Euro und stufte den Titel von Outperform auf Sector Perform herab. Verantwortlich für den Schritt ist Analyst Piral Dadhania.
Seine Logik ist klar: Das Unternehmen arbeitet operativ solide, selbst in einem schwierigen globalen Umfeld. Gleichzeitig wirken die Markterwartungen für 2026 aus seiner Sicht zu optimistisch. Genau das erhöht das Risiko einer „unangenehmen Überraschung“, wenn adidas im Rahmen des Geschäftsberichts 2025 seine Ziele für das neue Jahr vorlegt.
„Selbst bei der niedrigen Bewertung sehe ich nur begrenzte Katalysatoren für einen spürbaren Kursanstieg“ – so lässt sich der Kern der RBC-Position in dieser Neubewertung zusammenfassen.
Marktreaktion: Tiefstand seit fast drei Jahren und die Marke von 150 Euro gerissen
Am Freitag fielen die adidas-Aktien bis auf 142,55 Euro – der niedrigste Stand seit fast drei Jahren. Nachdem die charttechnische Unterstützung bei 150 Euro unterschritten wurde, verlor der Titel 6,5%. Auf XETRA lagen die Notierungen zuletzt 5,94% im Minus bei 143,40 Euro.
Diese Zahlen sind nicht nur für Trader relevant. Sie zeigen, dass ein Teil des Marktes bereits ein vorsichtigeres Szenario einpreist – und dass selbst „normale“ Nachrichten in so einer Phase deutlich stärker belasten können.
„Moment der Wahrheit“ im März: Warum jetzt alle auf den Ausblick schauen

Dadhania warnte offen vor dem Risiko einer Enttäuschung, wenn adidas Anfang März den Jahresbericht für 2025 vorlegt und die Ziele für das neue Jahr präsentiert. Aus seiner Sicht formuliert das Unternehmen seine Prognosen traditionell konservativ – und daran dürfte sich wenig ändern.
Die Schlüsselfrage hängt an einer Zahl: RBC rechnet beim operativen Ergebnis mit 2,4 bis 2,6 Milliarden Euro. Nimmt man die Mitte der Spanne, liegt das rund 10% unter dem Marktkonsens. Solche Abstände zwischen „Erwartungen der Menge“ und offizieller Guidance lösen häufig eine Neubewertung aus – besonders dann, wenn die Stimmung ohnehin angespannt ist.
Warum der Sportartikel-Sektor gerade unter Druck steht
RBC betont in seiner Argumentation, dass das Branchenumfeld insgesamt schwierig bleibt. Zu den zentralen Gründen zählen Überangebot und Veränderungen im Kaufverhalten chinesischer Verbraucher, was sich direkt auf Absatz, Rabatte und Margen der Marken auswirkt.
Diese Faktoren setzen Hersteller von Sportbekleidung und Sportschuhen in solchen Phasen besonders häufig unter Druck:
- übervolle Lager und ein höherer Bedarf an Promotion-Aktionen,
- uneinheitliche Nachfrage in verschiedenen Regionen (besonders in Asien),
- Wettbewerb um „Trendigkeit“ – Lifestyle-Trends drehen sich schnell,
- zurückhaltendere Konsumentenbudgets, wenn sich die wirtschaftlichen Erwartungen eintrüben.
Nike als RBC-Favorit: Was diese Präferenz signalisiert
In dieser Neubewertung bevorzugt Dadhania den US-Konkurrenten Nike. Das bedeutet nicht „adidas ist schlecht“, zeigt aber einen wichtigen Punkt: Innerhalb eines Sektors greifen Investoren oft zu dem Unternehmen, bei dem sich ein positiver Überraschungseffekt in Zahlen oder Ausblick leichter vorstellen lässt.
Wenn der Spielraum für Optimismus klein ist, gewinnt oft der, der mehr plausible Szenarien für gute Nachrichten hat.
Puma: Warum der Rückschlag noch heftiger ausfiel

Parallel geriet auch Puma in den Strudel. Die Aktie verlor mehr als 11,65% und fiel auf 19,03 Euro. Auslöser war ein Rückschlag für langjährige Spekulationen über eine mögliche Übernahme: Händler verwiesen auf einen Bericht, der auf ein Ende der Gespräche zwischen der französischen Milliardärsfamilie Pinault und dem chinesischen Konzern Anta Sports hindeutet.
Anta besitzt bereits die Sportmarke Fila sowie den Outdoor-Spezialisten Jack Wolfskin und gilt seit Ende vergangenen Jahres als potenzieller Käufer von Puma. Ein möglicher Deal hing jedoch stark an Preis- und Bewertungsfragen: Nach Angaben von Puma hält die Pinault-Familie knapp unter 30% der Anteile am Unternehmen.
Kurz in Zahlen: Was mit Kursen und Prognosen passiert ist
| Unternehmen | Ereignis/Trigger | Wichtige Zahlen |
|---|---|---|
| adidas | RBC senkt Kursziel und Rating | 190 → 160 Euro; Outperform → Sector Perform |
| adidas | Kursrutsch am Freitag | Tief 142,55 Euro; -6,5%; XETRA -5,94% auf 143,40 Euro |
| adidas | RBC-Erwartung operatives Ergebnis | 2,4–2,6 Mrd. Euro (≈ 10% unter Konsens) |
| Puma | Übernahmegerüchte verlieren an Substanz | -11,65% auf 19,03 Euro |
| Puma | potenzieller Käufer in den Gerüchten | Anta Sports (Marken: Fila, Jack Wolfskin) |
| Puma | Anteil der Pinault-Familie | knapp unter 30% |
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung.
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