Reinhard Mey steht wieder ganz oben – und diesmal ist der erste Platz mehr als nur ein weiterer Erfolg in einer außergewöhnlich langen Karriere. Mit seinem neuen Album „Schatzhauser“ ist der Liedermacher auf Platz 1 der deutschen Albumcharts eingestiegen. Mit 83 Jahren ist Mey damit der älteste nationale Künstler, der jemals die Spitze dieser Hitliste erreicht hat, berichtet timestuff.de.
Bemerkenswert ist dabei nicht nur sein Alter. „Schatzhauser“ ist Meys 30. Studioalbum und zugleich ein ungewöhnlich reduziertes Werk: Er hat es erstmals vollständig allein im Studio aufgenommen – nur mit seiner Stimme und seiner Gitarre. Über den neuen Rekord berichtete unter anderem der Deutschlandfunk.
Fast sechs Jahrzehnte nach seinem ersten Album führt Reinhard Mey die Charts mit einer Platte an, die musikalisch näher an einem Soloabend als an einer modernen Großproduktion liegt.
Welchen Chartrekord hat Reinhard Mey genau aufgestellt?
„Schatzhauser“ ist direkt auf Platz 1 der Offiziellen Deutschen Albumcharts eingestiegen. Entscheidend für den Rekord ist Meys Alter: Zum Zeitpunkt des Erfolgs ist der Berliner Musiker 83 Jahre alt. Kein älterer nationaler Interpret hatte zuvor die Spitze der deutschen Albumcharts erreicht.
Das bedeutet allerdings nicht, dass „Schatzhauser“ Reinhard Meys erstes Nummer-eins-Album wäre. Er stand im Laufe seiner Karriere bereits mehrfach an der Spitze. Neu ist diesmal die Kombination aus Platz 1 und seinem Alter.
Der eigentliche Rekord lautet also nicht: Reinhard Mey schafft erstmals die Nummer 1. Sondern: Er schafft sie noch einmal – mit 83 Jahren.
Auch die Konkurrenz in der Veröffentlichungswoche macht den Einstieg auffällig. Hinter Mey landeten unter anderem neue Veröffentlichungen von Till Lindemann, Wolfgang Petry, Kuko und Linkin Park; auch Taylor Swift lag mit ihrem Album in dieser Woche hinter „Schatzhauser“.
„Schatzhauser“: die wichtigsten Fakten zum Album
| Fakt | „Schatzhauser“ |
|---|---|
| Interpret | Reinhard Mey |
| Veröffentlichung | 25. September 2026 |
| Studioalbum | 30. Studiowerk |
| Chartplatzierung | Platz 1 in Deutschland |
| Aufnahme | Reinhard Mey allein mit Stimme und Gitarre |
| Anzahl der Titel | 13 |
| Besonderheit | Erstes Studioalbum seiner Karriere, das er komplett allein eingespielt hat |
Die Schlichtheit ist kein zufälliges Detail. Mey hat während seiner langen Laufbahn mit unterschiedlichsten musikalischen Arrangements gearbeitet. Für „Schatzhauser“ reduziert er die Stücke dagegen konsequent auf das, womit viele Menschen ihn seit Jahrzehnten verbinden: Text, Stimme und akustische Gitarre.
Das macht den Erfolg in den Charts besonders interessant. Das Nummer-eins-Album versucht nicht, einen aktuellen Pop-Sound nachzuahmen oder Mey musikalisch neu zu erfinden. Es setzt vielmehr auf eine Form, die bei ihm beinahe zum Ausgangspunkt zurückführt.
Warum hat „Schatzhauser“ 13 statt zwölf Lieder?
Auch bei der Trackliste steckt ein kleines Detail, das leicht übersehen wird. Reinhard Mey plante nach eigener Erklärung zwölf Lieder – und legte noch ein dreizehntes dazu. Damit umfasst das Album schließlich diese 13 Titel:
- Wunderarzenei
- ’s isch guet gsi
- D-ELVJ
- Tristan
- Mimi la moustache
- Mit dir an meiner Seite
- Zwei Köfferchen
- Mein Wald
- In meinem Garten
- Abendlied
- Alter Ego
- Wo sind all meine Freunde hin
- Kinderlied
Gerade „In meinem Garten“ verbindet das neue Album mit einem zweiten, noch sehr jungen Kapitel in Meys Chartgeschichte.
Schon 2025 schrieb „In meinem Garten“ Chartgeschichte
Dass Reinhard Mey innerhalb kurzer Zeit gleich mehrfach mit ungewöhnlichen Chartrekorden auffällt, ist kein Zufall der Statistik. Im November 2025 schaffte es sein bereits 1970 veröffentlichtes Lied „In meinem Garten“ erstmals in die deutschen Singlecharts.
Zwischen Erstveröffentlichung und Chartdebüt lagen damit rund 55 Jahre. Laut GfK war das der größte Abstand, den bis dahin ein deutschsprachiger Titel zwischen Veröffentlichung und seinem ersten Einstieg in die Hitliste erreicht hatte.
Das Lied stieg damals bis auf Platz 15 ein und wurde damit zugleich Meys höchstplatzierter Single-Hit. Aufmerksamkeit bekam das Stück durch die Netflix-Dokumentation über den Rapper Haftbefehl, in der „In meinem Garten“ in einer persönlichen Szene eine zentrale Rolle spielt. Auch Deutschlandfunk ordnet diesen ungewöhnlichen Zusammenhang ausführlich ein.
Ein Lied von 1970 erreicht 2025 erstmals die Charts – und ein Jahr später steht sein Interpret mit einem neuen Album auf Platz 1. Gerade dieser zeitliche Bogen macht die aktuelle Geschichte ungewöhnlich.
Warum der Erfolg von „Schatzhauser“ mehr als eine Altersmeldung ist
Man könnte den Erfolg auf die einfache Schlagzeile reduzieren: „83-Jähriger stellt Chartrekord auf“. Damit würde allerdings ein wichtiger Teil der Geschichte verloren gehen.
Denn mehrere Dinge kommen gleichzeitig zusammen:
- eine Karriere von fast sechs Jahrzehnten,
- ein neues Album statt einer reinen Best-of-Veröffentlichung,
- eine extrem reduzierte Produktion ohne Bandarrangement,
- Platz 1 in einer Woche mit zahlreichen prominenten Neuerscheinungen,
- und ein Publikum, das Mey offenbar nicht nur aus Nostalgie wiederentdeckt.
Gerade „In meinem Garten“ zeigte bereits 2025, dass ältere Werke plötzlich in einem völlig neuen kulturellen Zusammenhang auftauchen können. Menschen, die Meys Musik bei ihrer Veröffentlichung noch gar nicht kannten, kamen über eine aktuelle Dokumentation mit einem mehr als fünf Jahrzehnte alten Lied in Berührung.
Der Erfolg von „Schatzhauser“ lässt sich deshalb nicht sauber in „Comeback“ oder „Nostalgie“ einsortieren. Reinhard Mey war nie wirklich verschwunden. Bemerkenswert ist vielmehr, dass sein bestehendes Publikum und neue Aufmerksamkeit gleichzeitig reichen, um ein neues Studioalbum an die Spitze zu bringen.
Was bedeutet Platz 1 der deutschen Albumcharts eigentlich?
Die deutschen Albumcharts beruhen nicht auf einer einzelnen Verkaufsplattform. Berücksichtigt werden Daten aus dem stationären Handel, dem Onlinehandel, Downloads und Streamingangeboten. Die Hitliste soll damit einen breiten Teil des deutschen Musikmarkts abbilden.
Für „Schatzhauser“ bedeutet die Nummer 1 daher nicht einfach, dass die CD in einem einzelnen Shop besonders häufig verkauft wurde. Das Album setzte sich in der offiziellen Wochenwertung gegen die übrigen Veröffentlichungen durch.
Dass ausgerechnet ein Album mit Stimme und Gitarre eine stark besetzte Veröffentlichungswoche gewinnt, ist vielleicht die passendste Pointe dieser Geschichte.
Reinhard Meys zweiter außergewöhnlicher Chartmoment innerhalb eines Jahres
Innerhalb von weniger als zwölf Monaten lassen sich nun zwei sehr unterschiedliche Rekorde mit seinem Namen verbinden.
2025 war es ein 55 Jahre altes Lied, das erstmals in die Singlecharts kam. 2026 ist es ein brandneues Studioalbum, mit dem Mey als 83-Jähriger die Albumcharts anführt.
Beide Erfolge haben deshalb eine interessante Gemeinsamkeit: Sie funktionieren gegen die übliche Logik schnelllebiger Popcharts. Im ersten Fall wird ein jahrzehntealtes Lied plötzlich aktuell. Im zweiten Fall landet ein Musiker nach fast 60 Jahren Veröffentlichungsgeschichte noch einmal mit neuem Material auf Platz 1.
Auch TZ berichtet über den neuen Nummer-eins-Erfolg und den Altersrekord.
Und genau deshalb ist „Schatzhauser“ mehr als eine weitere Nummer 1 in einer langen Diskografie. Der Rekord erzählt vor allem etwas über die ungewöhnliche Langlebigkeit von Reinhard Meys Musik.
