Der Saisonstart in der Formel 1 ist für Aston Martin deutlich schlimmer ausgefallen als nur ein missglücktes Debüt des neuen Wagens, berichtet timestuff.de unter Berufung auf n-tv.de. Das Team kämpft mit technischen Problemen in einem Ausmaß, bei dem es längst nicht mehr nur um fehlendes Tempo geht, sondern auch um mögliche gesundheitliche Folgen für die Fahrer.
Die Probleme von Aston Martin gehen weit über eine normale technische Panne hinaus
Im Lager von Aston Martin ist nach den ersten Trainings zum Saisonauftakt der Formel 1 in Australien die Anspannung deutlich spürbar. Der neue Wagen erwies sich als so problematisch, dass sich im Team derzeit kaum jemand mit reiner Performance beschäftigt, sondern vor allem mit der Frage, wie sich das Auto überhaupt stabilisieren lässt. Zusätzlichen Druck erzeugt der Umstand, dass die Ursache offenbar mit der Power Unit von Honda zusammenhängt, weshalb Aston Martin das Problem nicht allein und schon gar nicht kurzfristig lösen kann.
Teamchef Adrian Newey machte offen klar, dass er nicht an eine schnelle Wende glaubt. Seinen Worten nach arbeitet Honda bereits an konkreten Maßnahmen, um die starken Vibrationen aus der Antriebseinheit zu verringern, doch mit einem sofortigen Ergebnis rechnet intern niemand. Genau das bringt Aston Martin in eine unangenehme Lage, weil die Ursache bekannt ist, eine rasche und wirksame Lösung aber noch nicht in Sicht scheint.
Die Vibrationen des Motors wurden nicht nur sportlich, sondern auch körperlich zum Risiko

Die größte Sorge im Team betrifft inzwischen nicht einmal mehr allein den Rückstand auf die Konkurrenz, sondern die möglichen Folgen für die Fahrer. Schon am Donnerstag hatte Aston Martin offen eingeräumt, dass es erhebliche Probleme mit der Power Unit gibt, und dass die starken Vibrationen nach interner Einschätzung sogar Nervenschäden in den Händen der Piloten verursachen könnten. In einer Sportart wie der Formel 1, in der jede kleine Bewegung am Lenkrad zählt, ist das kein bloßes Komfortproblem, sondern eine ernsthafte Sicherheitsfrage.
Damit nicht genug, denn bereits zuvor waren einzelne Teile vom Auto abgefallen, darunter auch der Rückspiegel. Solche Zwischenfälle verstärken den Eindruck, dass es sich nicht um ein isoliertes Detailproblem handelt, sondern um eine ganze Kette technischer Schwächen. Wenn so etwas schon vor dem eigentlichen Renntempo passiert, erschüttert das nicht nur das Vertrauen in die Technik, sondern auch die innere Stabilität des gesamten Teams.
Aston Martin ist schon am ersten Rennwochenende klar ins Hintertreffen geraten
Am Freitag verschärfte sich die Lage für den britischen Rennstall weiter. Aston Martin beendete die Sessions als abgeschlagenes Schlusslicht, der Rückstand lag bei rund fünf Sekunden, was in der modernen Formel 1 nahezu einem Desaster gleichkommt. Unter solchen Bedingungen geht es plötzlich nicht mehr um Punkte oder Platzierungen, sondern schon um die Frage, ob die Fahrer überhaupt konkurrenzfähige Zeiten für eine reguläre Rennteilnahme erreichen können.
Gerade mit Blick auf die Erwartungen, mit denen das Team in diese neue Phase gestartet war, wirkt dieses Bild besonders bitter. Statt über Fortschritte, Set-up-Arbeit und den Anschluss an die Spitze zu sprechen, muss Aston Martin direkt zum Saisonbeginn einen akuten Technikbrand löschen. Solange sich alles darum dreht, die Vibrationen in den Griff zu bekommen, bleibt kaum Raum, um überhaupt ernsthaft über das wahre Potenzial des Autos zu sprechen.
Fernando Alonso erlebt diese Phase besonders intensiv

Die Probleme des Teams bleiben natürlich auch bei den Fahrern nicht ohne Wirkung, vor allem nicht bei Fernando Alonso und Lance Stroll. Newey sprach dabei besonders über den Spanier und machte deutlich, wie hoch er dessen Klasse einschätzt. Aus seiner Sicht gehört Alonso zu den größten Fahrern der Formel-1-Geschichte, und seine Fähigkeiten, sein Talent und sein Rennverständnis hätten eigentlich mehr als nur zwei Weltmeistertitel verdient.
Gerade deshalb trifft ihn die aktuelle Situation offenbar besonders hart. Newey betonte, dass Alonso weiterhin extrem schnell, hochbegabt und außergewöhnlich scharfsinnig sei, sich derzeit mental aber in einer sehr schwierigen Lage befinde. Wenn ein Fahrer dieses Formats sein Können wegen massiver technischer Probleme nicht ausspielen kann, belastet das nicht nur ihn selbst, sondern auch die Stimmung und Dynamik im gesamten Team.
Die Realität bei Aston Martin entfernt sich erneut deutlich von den großen Zielen der Besitzer
Die aktuellen Schwierigkeiten schreiben ein weiteres auffälliges Kapitel in der ohnehin schon wechselhaften Geschichte des modernen Aston-Martin-Projekts in der Formel 1. Die traditionsreiche Marke mit ihrem James-Bond-Image wurde von Milliardär Lawrence Stroll mit großem finanziellen Aufwand in der Königsklasse positioniert, die Infrastruktur wurde modernisiert und ambitioniert ausgebaut. Mit Fernando Alonso kam 2023 ein Topfahrer ins Team, und die Verpflichtung von Adrian Newey sollte nun das letzte fehlende Puzzlestück für den ganz großen Angriff sein.
Umso härter wirkt der Kontrast zur Realität. Vor fünf Jahren hatte Stroll einen Fünfjahresplan formuliert, nach dem Aston Martin inzwischen um Siege und womöglich sogar um Titel kämpfen sollte. Stattdessen erlebt das Team beim Saisonstart in Australien das genaue Gegenteil, denn es ist nicht näher an die Spitze herangerückt, sondern ringt mit Problemen, die Tempo, Zuverlässigkeit und sogar den körperlichen Zustand der Fahrer infrage stellen.
Mehr über einen anderen schweren persönlichen Einschnitt lesen Sie auch im bewegenden Bericht von Lisa Straube.
