Schokolade wird teurer, Verbraucher kaufen vorsichtiger ein — und gleichzeitig wächst die Frage, welche Hersteller beim Kakao wirklich verantwortungsvoll arbeiten. Die neue Chocolate Scorecard 2026 liefert dafür eine klare Orientierung, berichtet timestuff.de unter Berufung auf focus.de. Bewertet wurden Unternehmen nach Kriterien wie Transparenz, Einkommen der Kakaobauern, Kinderarbeit, Entwaldung, Pestizideinsatz, Klima und Geschlechtergerechtigkeit. Die Scorecard wird von Be Slavery Free gemeinsam mit NGOs, Wissenschaftlern und weiteren Fachpartnern koordiniert.
Schweizer Hersteller Halba führt das Nachhaltigkeitsranking an
Ganz vorne steht in diesem Jahr Halba. Der Schweizer Schokoladenhersteller belegte bei den mittleren und großen Produzenten den ersten Platz und erhielt den „Good Egg Award“. Halba verweist dabei unter anderem auf langjährige Nachhaltigkeitsprojekte in Kakaoanbauländern, Agroforstwirtschaft und Programme für bessere Lebensbedingungen von Bauernfamilien.
Das Ranking zeigt deutlich: Nachhaltigkeit bei Schokolade ist längst kein nettes Zusatzargument mehr, sondern wird zu einem echten Wettbewerbsfaktor.
Die Top-Gruppe der mittleren und großen Hersteller sieht laut Auswertung so aus:
| Platz | Hersteller | Nachhaltigkeitswert |
|---|---|---|
| 1 | Halba | 85 % |
| 2 | Tony’s Chocolonely | 83 % |
| 3 | Ritter Sport | 71 % |
| 4 | Cémoi | 69 % |
| 5 | Mars Wrigley | 64 % |
Tony’s Chocolonely und Ritter Sport bleiben stark
Der niederländische Hersteller Tony’s Chocolonely, der im Vorjahr noch ganz oben stand, landet diesmal auf Rang zwei. Das Unternehmen gehört laut eigener Mitteilung zu nur zwei Marken mit einer grünen Gesamtbewertung und wurde zusätzlich für Fortschritte bei der Geschlechtergerechtigkeit ausgezeichnet.
Auch Ritter Sport schneidet im Ranking vergleichsweise gut ab. Die Marke betont, seit 2018 vollständig zertifizierten Kakao zu beziehen und einen großen Teil des Kakaos über langfristige Programme mit Produzentenorganisationen zu beziehen.
Trotzdem ist ein guter Gesamtwert nicht automatisch ein Freifahrtschein. Gerade beim Thema existenzsicherndes Einkommen für Kakaobauern bleiben in der Branche große Lücken. Die Scorecard bewertet deshalb nicht nur Absichtserklärungen, sondern auch messbare Fortschritte und konkrete Umsetzung.
Milka-Mutter Mondelez und Starbucks erhalten Negativpreis

Besonders hart fällt die Kritik an Unternehmen aus, die den Fragebogen der Chocolate Scorecard nicht beantwortet haben. Mondelēz International, der Mutterkonzern von Milka, Toblerone, Cadbury und weiteren Marken, sowie Starbucks wurden mit dem Negativpreis „Bad Egg Award“ bedacht. Die Begründung: kein Fragebogen, keine Belege, keine aktive Beteiligung.
„Schweigen ist eine Haltung“ — mit diesem Satz fasst die Scorecard die Kritik an nicht teilnehmenden Unternehmen zusammen.
Für Verbraucher ist das relevant, weil viele Probleme in der Kakaolieferkette von außen kaum erkennbar sind. Auf der Verpackung steht meist nicht, ob Bauern fair bezahlt wurden, ob Kakao bis zur Farm rückverfolgbar ist oder ob Wälder für den Anbau gerodet wurden.
Was die Chocolate Scorecard wirklich bewertet
Die Chocolate Scorecard ist kein offizielles staatliches Gütesiegel, sondern eine unabhängige jährliche Bewertung. Sie soll zeigen, wie Schokoladenhersteller und Händler bei zentralen sozialen und ökologischen Fragen abschneiden.
Bewertet werden unter anderem:
- Rückverfolgbarkeit und Transparenz in der Lieferkette
- existenzsicherndes Einkommen für Kakaobauern
- Maßnahmen gegen Kinderarbeit und Zwangsarbeit
- Schutz vor Entwaldung
- Umgang mit Pestiziden
- Fortschritte bei Agroforstwirtschaft und Klima
- Geschlechtergerechtigkeit und Gesundheit der Farmer
Die Methodik der 7. Ausgabe nennt 49 teilnehmende Unternehmen, darunter große und mittlere Hersteller, kleine Anbieter sowie Händler. Die Auswertung umfasst damit einen großen Teil des globalen Kakaomarkts.
Warum nachhaltige Schokolade für Käufer wichtiger wird
Für viele Verbraucher zählt beim Schokoladenkauf nicht mehr nur der Preis. Herkunft, faire Bezahlung und Umweltfolgen rücken stärker in den Vordergrund. Gleichzeitig ist die Lage kompliziert: Selbst bekannte Marken mit guten Nachhaltigkeitsprogrammen haben Schwachstellen, besonders bei der Frage, ob Kakaobauern tatsächlich genug verdienen, um ihre Familien zu versorgen.
Wer nachhaltiger einkaufen will, sollte nicht nur auf Werbeslogans achten, sondern auf nachvollziehbare Daten, unabhängige Bewertungen und transparente Lieferketten.
Praktisch bedeutet das: Marken mit guten Bewertungen können eine bessere Orientierung bieten. Trotzdem lohnt sich ein kritischer Blick, denn ein hoher Gesamtwert kann einzelne Schwächen verdecken.
Schokolade bleibt deutlich teurer

Die Nachhaltigkeitsdebatte trifft auf ein weiteres Problem: Schokolade ist für Verbraucher spürbar teurer geworden. Laut „Wirtschaftswoche“ war eine Tafel Schokolade im März 2026 im Schnitt 71 Prozent teurer als 2020. Als Gründe gelten unter anderem Ernteausfälle, Pflanzenkrankheiten, Extremwetter und hohe Rohstoffkosten.
Die höheren Preise verändern das Kaufverhalten. Eine YouGov-Umfrage zeigte, dass 52 Prozent der Verbraucher weniger Schokolade kaufen als vor zwei Jahren. Nach NIQ-Angaben sank die Zahl der verkauften Packungen bei Schokoladenwaren 2025 um 5,8 Prozent, bei Weihnachtsschokolade sogar um 12 Prozent.
Was Verbraucher jetzt beachten sollten
Wer beim Einkauf bewusster entscheiden will, kann auf drei einfache Punkte achten:
- Transparenz prüfen: Gibt die Marke an, woher der Kakao kommt?
- Bewertungen vergleichen: Rankings wie die Chocolate Scorecard können Orientierung geben.
- Nicht nur dem Preis folgen: Sehr günstige Schokolade kann soziale und ökologische Kosten verschleiern.
Am Ende zeigt das Ranking vor allem eines: Die Schokoladenbranche bewegt sich, aber nicht schnell genug. Halba, Tony’s Chocolonely und Ritter Sport zeigen, dass Fortschritt möglich ist. Der Negativpreis für Mondelez und Starbucks macht zugleich deutlich, dass große Namen allein keine Garantie für Transparenz sind.
Auch andere bekannte Marken geraten wirtschaftlich unter Druck, wie der Fall Marc Aurel zeigt, wo nun Filialen, Mitarbeiter und der Online-Shop im Fokus stehen.
