Am Abend des 31. März hat die Polizei in der Hamburger Innenstadt einen Wolf eingefangen, der zuvor eine Frau im Stadtteil Altona angegriffen hatte, berichtet timestuff.de unter Berufung auf ndr.de. Nach Angaben deutscher Umweltbehörden handelt es sich um den ersten bestätigten Wolfsangriff auf einen Menschen in Deutschland seit der Rückkehr der Tiere in die freie Wildbahn im Jahr 1998.
Angriff in der Einkaufsstraße von Altona
Der Vorfall ereignete sich in der Großen Bergstraße in Altona. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei wollte die Frau das verängstigte Tier aus dem Einkaufsbereich hinausführen, weil sie es zunächst offenbar für einen Hund hielt. In diesem Moment biss der Wolf, der desorientiert wirkte und mehrmals gegen eine Glasscheibe gelaufen war, plötzlich in ihr Gesicht.
Sanitäter versorgten die Verletzte noch vor Ort und brachten sie anschließend in ein Krankenhaus. Dort musste die Wunde genäht werden. Später konnte die Frau das Krankenhaus wieder verlassen, sodass der Vorfall trotz der Verletzung und des Schocks glimpflich endete.
Augenzeugen berichten, dass sich die Situation innerhalb weniger Sekunden zuspitzte. Vieles deutet darauf hin, dass die starke Verunsicherung des Tieres ein zentraler Auslöser für den Angriff gewesen sein könnte.
Zeuge hielt das Tier zunächst für einen großen Hund
Beobachtet wurde die Szene unter anderem vom Musicaldarsteller Lionel von Lawrence-Oehlen, der mit seiner zweijährigen Tochter einkaufen war. Er schilderte, dass er zunächst nur hörte, wie eine Frau zu Boden ging, und dann ein großes Tier sah, das er im ersten Moment für einen Hund hielt. Erst als er Blut bemerkte und die Größe des Tieres richtig einordnen konnte, erkannte er, dass es sich um einen Wolf handelte.
Seinen Angaben zufolge war die verletzte Frau ansprechbar und konnte erklären, was passiert war. Sie habe versucht, den vermeintlichen Hund nach draußen zu bringen, als das Tier plötzlich zuschnappte. Der Wolf sei so verängstigt gewesen, dass er instinktiv reagierte und offenbar nur aus der für ihn völlig ungewohnten Situation entkommen wollte.
Der Zeuge half der Frau unmittelbar nach dem Angriff und gab ihr ein Taschentuch für die Gesichtsverletzung. Der Vorfall zeigt erneut, wie riskant ein direkter Kontakt mit Wildtieren sein kann, selbst wenn Menschen keine Bedrohung darstellen und helfen wollen.
Erster bestätigter Wolfsangriff in Deutschland seit der Wiederansiedlung
Die zuständigen Umweltbehörden bestätigten, dass es sich um den ersten registrierten Angriff eines Wolfs auf einen Menschen in Deutschland seit der Wiederansiedlung des Tieres handelt. Eine Sprecherin des Bundesamts für Naturschutz erklärte, dass es seit 1998 keinen vergleichbaren Fall gegeben habe. Entsprechend wird der Vorfall in Hamburg bereits als außergewöhnlich eingestuft.
Der Wolfs-Experte Klaus Hackländer von der Deutschen Wildtierstiftung erklärte, die Wahrscheinlichkeit, dass Wölfe in Siedlungen oder sogar in Städte gelangen, sei aufgrund des gewachsenen Bestands deutlich gestiegen. Je höher die Zahl der Tiere, desto häufiger müssten junge oder verdrängte Wölfe neue Reviere suchen. Auf diesen Wegen könnten sie auch weit in menschlich geprägte Räume vordringen.
Damit rückt erneut die Frage in den Mittelpunkt, wie das Zusammenleben von Mensch und großen Raubtieren in Deutschland organisiert werden soll. Die Rückkehr des Wolfs galt lange als Erfolg des Naturschutzes, zugleich wächst aber die Debatte über Sicherheit und den Umgang mit solchen Ausnahmesituationen.
Wolf wurde auf St. Pauli, an den Messehallen und in der Alster gesehen

Nach dem Angriff auf die Frau wurde der Wolf in mehreren Teilen Hamburgs gesichtet. Beobachtungen gab es auf St. Pauli, an der Feldstraße und in der Nähe der Messehallen. Später entdeckten Polizeikräfte das Tier in der Binnenalster, wo es durch das Wasser schwamm.
Dort begann ein besonders heikler Teil des Einsatzes. Mit einer Schlinge gelang es den Beamten, den Wolf aus der Alster zu ziehen. Anschließend gelangte das Tier in den Bereich der Baustelle des ehemaligen Lokals „Alex“, wo es sich trotz seiner Erschöpfung weiter zur Wehr setzte.
Polizistinnen und Polizisten mit Schilden hielten den Wolf dort mehr als eine Stunde lang unter Kontrolle, bis Spezialkräfte und Fachleute die Lage sichern konnten. Die Situation galt als angespannt, weil das Tier unter erheblichem Stress stand und jede weitere Eskalation vermieden werden musste.
Tier wurde in den Wildpark gebracht und soll später wieder ausgewildert werden
Nach dem Zugriff wurde der Wolf dem Leiter der Stadtjäger-Abteilung des Bezirksamts Altona sowie einem Tierarzt übergeben. Nach deren Einschätzung ist der körperliche Zustand des Tieres grundsätzlich gut, allerdings war es stark aufgeregt und musste zunächst beruhigt werden. Deshalb wurde der Wolf nicht sofort wieder freigelassen.
Noch am selben Abend brachten Fachleute das Tier mit einem Wildtiertransporter in den Wildpark Klövensteen. Dort soll es sich vom Stress erholen, untersucht und vorübergehend betreut werden. Eine endgültige Entscheidung über die Auswilderung steht bislang noch aus.
Christian Erdmann vom Wildtier- und Artenschutzzentrum erklärte, dass der Wolf später möglichst in ein dünn besiedeltes Gebiet gebracht werden sollte. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass der Tierarzt den Gesundheitszustand des Tieres eindeutig als gut bewerte. Wann und wo genau eine Freilassung erfolgen könnte, ist bisher offen.
Wolf war schon zuvor im Westen Hamburgs gesichtet worden
Erste Hinweise auf das Tier gab es bereits am Sonnabend, als der Wolf im Hamburger Westen beobachtet wurde. Die Tierpflegerin Josefine Hartung aus dem Wildpark Schwarze Berge vermutet, dass der Wolf sein Rudel verlassen musste oder verdrängt wurde und deshalb auf der Suche nach einem neuen Revier war. Gerade solche Tiere tauchen besonders häufig an ungewöhnlichen Orten auf und verhalten sich oft unberechenbar.
Nach ihrer Einschätzung ist die Wolfsdichte in Niedersachsen besonders hoch. Von dort aus bewegen sich einzelne Tiere immer wieder entlang der Elbe, was das Auftauchen eines Wolfs in Hamburg zumindest teilweise erklären könnte. Für die Hansestadt ist der Kontakt mit Wölfen nicht völlig neu, doch dieser Fall hat eine ganz andere Dimension erreicht.
Laut Umweltbehörde wurden in Hamburg seit 2013 insgesamt 21 Wolfsnachweise bestätigt. Zuletzt war Mitte März ein toter Wolf nach einem Wildunfall auf der A25 in Höhe der Auffahrt Curslack gefunden worden. Das zeigt, dass Wölfe in der Region längst keine absolute Ausnahme mehr sind, ein Angriff auf einen Menschen in der Stadt aber dennoch eine neue Qualität hat.
Wie der Wolf nach Deutschland zurückkehrte
Fast 150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Erst nach dem Fall der Berliner Mauer kamen mehrere Tiere über Polen wieder ins Land, seitdem breitete sich die Art Schritt für Schritt erneut aus. Inzwischen leben Wölfe in den Wäldern zahlreicher Bundesländer und gehören wieder zur heimischen Fauna.
Mit dem wachsenden Bestand nehmen jedoch auch die Herausforderungen für Städte, Vororte und dicht besiedelte Regionen zu. Je weiter sich die Tiere ausbreiten, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit zufälliger Begegnungen mit Menschen. Der Fall in Hamburg könnte deshalb zu einem wichtigen Bezugspunkt in der Debatte über Sicherheitskonzepte und den praktischen Umgang mit Wildtieren in urbanen Räumen werden.
Besonders brisant ist in diesem Fall, dass es nicht nur um die Sichtung eines Wolfs in einer Großstadt geht, sondern um einen bestätigten Angriff mit Verletzungsfolge. Genau deshalb hat der Vorfall die lokale Ebene bereits verlassen und eine breitere Diskussion über Naturschutz, Sicherheit und Krisenreaktion ausgelöst.
Mehr dazu lesen Sie auch im Fall des Buckelwals bei Timmendorfer Strand, der nach der Rettung in der Wismarbucht erneut feststeckte.
