Für viele Autofahrer in Deutschland ist die Hauptuntersuchung ein Pflichttermin, den man lieber schnell hinter sich bringt, berichtet timestuff.de unter Berufung auf merkur.de. Alle zwei Jahre geht es zur Prüfstelle, im Alltag meist einfach „TÜV“ genannt — auch wenn die HU längst nicht nur vom TÜV, sondern auch von anderen Prüfstellen durchgeführt wird.
Jetzt kommt Bewegung in das Thema: Der Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments hat neue Regeln für die technische Fahrzeugprüfung auf den Weg gebracht. Wichtig ist aber: Das ist noch kein fertiges Gesetz. Die Vorschläge müssen nun weiter im EU-Parlament und mit den Mitgliedstaaten verhandelt werden. Das Plenum soll Mitte Mai 2026 grünes Licht für die Verhandlungen geben.
Für Autofahrer bedeutet das: Noch ändert sich nicht morgen die HU-Praxis, aber die Richtung ist klar — die Prüfung soll digitaler, technischer und strenger werden.
Warum die HU überhaupt reformiert werden soll
Die EU-Kommission hatte bereits 2025 eine umfassende Reform der sogenannten Roadworthiness-Regeln vorgeschlagen. Ziel ist es, die technische Prüfung an moderne Fahrzeuge anzupassen: mehr Elektroautos, mehr Software, mehr Assistenzsysteme und zugleich mehr Kampf gegen Tachomanipulation und hohe Emissionen.
Bisher prüft die HU vor allem klassische Punkte wie Bremsen, Licht, Reifen, Fahrwerk, Lenkung und Abgaswerte. Moderne Systeme wie automatische Notbremsassistenten, Airbags oder elektrische Antriebskomponenten spielen aber noch nicht in dem Umfang eine Rolle, wie es ihrer Bedeutung im Straßenverkehr entspricht.
Wer heute ein modernes Auto fährt, fährt nicht nur mit Motor und Bremsen — sondern mit Sensoren, Software und Sicherheitssystemen.
Die wichtigsten geplanten TÜV-Änderungen im Überblick
| Bereich | Was sich ändern soll | Wen es betrifft |
|---|---|---|
| Offene Rückrufe | Pflicht-Rückrufe sollen HU-relevant werden | Halter mit nicht erledigten Rückrufaktionen |
| Assistenzsysteme | Airbags und Notbremsassistenten sollen geprüft werden | Vor allem moderne Fahrzeuge |
| Elektro- und Hybridautos | Neue fahrzeugspezifische Prüfpunkte | E-Autos und Plug-in-Hybride |
| Tachobetrug | Kilometerstände sollen dokumentiert werden | Gebrauchtwagenmarkt, Werkstätten |
| Abgasprüfung | NOx- und Partikelmessungen sollen möglich werden | Diesel, Benziner, nationale Umsetzung |
| Ausland-HU | Vorläufiges EU-Zertifikat für sechs Monate | Autofahrer im EU-Ausland |
| Prüfintervall | Keine jährliche HU für Autos über zehn Jahre | Besitzer älterer Fahrzeuge |
Offener Rückruf kann künftig die Plakette kosten

Airbags, Notbremsassistent und Software rücken in den Fokus
Auch moderne Sicherheitssysteme sollen stärker Teil der HU werden. Der Verkehrsausschuss nennt ausdrücklich Systeme wie Airbags und automatische Notbremsassistenten. Diese Technik ist für die Unfallvermeidung und den Insassenschutz zentral, wird bisher aber nicht so umfassend geprüft, wie es bei modernen Fahrzeugen sinnvoll wäre.
Dazu passt, dass ab Juli 2026 ohnehin weitere Assistenzsysteme bei neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen verpflichtend werden. Dazu gehören laut TÜV-Verband unter anderem ein hochentwickeltes Notbremssystem, ein intelligenter Geschwindigkeitsassistent und ein Warnsystem bei nachlassender Konzentration.
Was Autofahrer daraus mitnehmen sollten
- Warnleuchten im Cockpit nicht ignorieren.
- Fehler bei Airbag, ABS, ESP oder Assistenzsystemen vor der HU prüfen lassen.
- Software-Updates des Herstellers ernst nehmen.
- Bei Gebrauchtwagen gezielt nach Störungen elektronischer Systeme fragen.
Ein Auto kann äußerlich gepflegt wirken und trotzdem bei der Elektronik sicherheitsrelevante Schwächen haben.
Neue Prüfpunkte für Elektroautos und Hybride
Elektro- und Hybridfahrzeuge bekommen ebenfalls mehr Aufmerksamkeit. Die EU will neue Prüfpunkte aufnehmen, die besser zu elektrifizierten Fahrzeugen passen. Dabei geht es nicht darum, E-Autos pauschal schlechterzustellen, sondern die HU an andere technische Risiken anzupassen.
Mögliche Bereiche sind Hochvoltkomponenten, elektrische Sicherheit, Batterieumfeld, Ladeanschluss oder spezielle Warnsysteme. Die genauen Prüfpunkte müssen aber noch konkret festgelegt werden.
Für Halter bedeutet das: Ein E-Auto bleibt nicht automatisch „pflegeleicht“, nur weil es keinen klassischen Verbrennungsmotor hat. Auch elektrische Fahrzeuge brauchen technische Kontrolle — nur eben an anderen Stellen.
Tachobetrug: Kilometerstände sollen besser nachvollziehbar werden
Ein weiterer großer Punkt ist der Kampf gegen manipulierte Kilometerstände. Besonders auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist Tachobetrug ein Problem, weil ein niedriger Kilometerstand den Preis deutlich erhöhen kann.
Die EU-Abgeordneten unterstützen deshalb eine Pflicht, nach der Werkstätten bei Reparaturen von mehr als einer Stunde den Kilometerstand dokumentieren sollen. Bei vernetzten Fahrzeugen sollen Hersteller entsprechende Daten in nationale Datenbanken eintragen.
Das Ziel: Die Historie eines Fahrzeugs soll besser nachvollziehbar werden. Für Käufer wäre das ein Vorteil, weil auffällige Sprünge oder Unstimmigkeiten beim Kilometerstand leichter erkennbar wären.
Gerade beim Gebrauchtwagenkauf könnte eine saubere Kilometerhistorie künftig wichtiger werden als ein schön poliertes Inserat.
Kommen strengere Abgasmessungen?
Auch bei der Abgasprüfung könnte sich etwas ändern. Der Verkehrsausschuss unterstützt zusätzliche Messungen von Partikelanzahl und Stickoxiden. Diese Prüfungen sollen aber nicht automatisch EU-weit verpflichtend werden. Die Mitgliedstaaten sollen selbst entscheiden können, ob und in welchem Umfang sie solche Messungen einführen.
Für Deutschland heißt das: Es wäre möglich, dass zusätzliche Messverfahren kommen — sicher ist es aber noch nicht. Besonders relevant wäre das für Fahrzeuge mit auffälligen Emissionen, manipulierten Abgassystemen oder älteren Diesel- und Benzinmotoren.
Mehr Straßenkontrollen für Transporter
Bisher stehen bei technischen Straßenkontrollen vor allem Lkw und Busse im Fokus. Künftig sollen auch Transporter stärker einbezogen werden. Das kann Handwerksbetriebe, Lieferdienste, Kurierfahrer und gewerblich genutzte Fahrzeuge treffen.
Der Verkehrsausschuss will außerdem, dass Fahrzeuge bei Straßenkontrollen gezielt auf auffällige Emissionen überprüft werden können. Bei Verdacht auf hohe Schadstoffwerte könnten weitere technische Prüfungen folgen.
Für kleine Betriebe ist das ein sensibles Thema. Positiv aus ihrer Sicht: Zusätzliche reguläre Prüfpflichten für leichte Nutzfahrzeuge sollen nach dem aktuellen Stand nicht kommen.
Gute Nachricht: Keine jährliche HU für ältere Autos
Der wohl wichtigste Punkt für viele Autofahrer: Autos und Transporter, die älter als zehn Jahre sind, sollen nicht automatisch jedes Jahr zur HU müssen.
Die EU-Kommission hatte ursprünglich vorgeschlagen, das Prüfintervall für ältere Fahrzeuge von zwei Jahren auf ein Jahr zu verkürzen. Der Verkehrsausschuss lehnte das aber ab, weil die Maßnahme aus Sicht der Abgeordneten nicht verhältnismäßig genug und nicht ausreichend durch Belege für weniger Unfälle gestützt sei.
Damit bleibt es nach aktuellem Stand bei der bekannten Regel: In Deutschland müssen viele Pkw nach der ersten HU in der Regel alle zwei Jahre zur Prüfung. Für 2026 weist der TÜV-Verband außerdem darauf hin, dass Fahrzeuge mit bestandener HU eine braune Plakette mit Laufzeit bis 2028 erhalten, sofern sie dem zweijährigen Prüfintervall unterliegen.
HU im EU-Ausland: Neue Lösung für längere Aufenthalte
Interessant ist auch eine geplante Erleichterung für Menschen, die sich vorübergehend in einem anderen EU-Land aufhalten. Künftig soll es möglich sein, ein Fahrzeug in einem anderen EU-Staat technisch prüfen zu lassen.
Dafür ist ein vorläufiges europäisches Prüfzertifikat vorgesehen, das sechs Monate gelten soll. Die nächste reguläre HU müsste danach aber wieder im Zulassungsland stattfinden.
Das kann für Wohnmobilfahrer, Pendler, Auswanderer auf Zeit oder Menschen mit längerem Auslandsaufenthalt praktisch sein. Es ersetzt aber nicht dauerhaft die Hauptuntersuchung im Land der Zulassung.
Was Autofahrer jetzt tun sollten
Noch sind die neuen Regeln nicht endgültig beschlossen. Trotzdem lohnt es sich, vorbereitet zu sein.
Sinnvolle Schritte vor der nächsten HU
- Offene Rückrufaktionen beim Hersteller oder über offizielle Kanäle prüfen.
- Warnmeldungen im Fahrzeug nicht bis zum HU-Termin aufschieben.
- Assistenzsysteme und Sensoren bei Problemen frühzeitig kontrollieren lassen.
- Bei Gebrauchtwagen auf lückenlose Kilometerhistorie achten.
- Werkstattrechnungen und Prüfberichte aufbewahren.
- Bei E-Autos und Hybriden besonders auf Ladeprobleme, Fehlermeldungen und Hochvolt-Warnungen achten.
Die HU der Zukunft wird weniger mechanisch und stärker digital. Wer sein Auto nur nach Reifenprofil und Lichtanlage beurteilt, übersieht künftig wichtige Prüfpunkte.
Auch abseits der neuen TÜV-Regeln sorgen aktuelle Ereignisse in Deutschland für Aufmerksamkeit, etwa die Geiselnahme in Sinzig, bei der inzwischen mehr über die Volksbank, den Geldtransporter und den mutmaßlichen Täter bekannt ist.
