Kraftstoff in Deutschland könnte sich wegen des Kriegs rund um den Iran deutlich verteuern, und die Benzinpreise könnten auf 2,50 Euro pro Liter steigen oder sogar noch darüber hinausgehen, berichtet timestuff.de unter Berufung auf deutschlandfunk.de. Vor diesem Hintergrund haben die G7-Staaten bereits über mögliche Reaktionen beraten, wollen ihre strategischen Ölreserven vorerst aber nicht antasten.
In Deutschland wird Benzin für 2,50 Euro pro Liter für möglich gehalten
TIV-Sprecher Rabl sagte der Rheinischen Post, dass Kraftstoff im Land auf 2,50 Euro pro Liter und darüber steigen könnte. Die Verantwortung für ein solches Szenario sieht er bei den Mineralölkonzernen, die den deutschen Markt seiner Einschätzung nach als Testfeld nutzen, um auszuloten, wie weit sie mit Preiserhöhungen gehen können. Besonders auffällig ist dabei, dass die Kraftstoffpreise in Deutschland in der vergangenen Woche stärker gestiegen sind als irgendwo sonst in Europa.
Rabl lenkte den Blick außerdem auf die Lage an den Tankstellen selbst. Nach seinen Worten profitieren Pächter und Betreiber der Tankstellen kaum von den hohen Gewinnen, über die derzeit viel gesprochen wird, bekommen aber als Erste den Ärger der Autofahrer ab. Damit trifft der Druck auf dem Markt nicht nur die Verbraucher, sondern auch jene, die täglich direkt mit den Kunden zu tun haben.
Experten rechnen mit weiter steigenden Öl- und Gaspreisen
Auch der Energieexperte Frank Umbach geht wegen des Kriegs mit Iran von weiter steigenden Öl- und Gaspreisen aus. Der Politologe von der Universität Bonn erklärte im Deutschlandfunk, dass die angespannte Lage in der Straße von Hormus, die für den Transport von Energierohstoffen eine zentrale Rolle spielt, den Schiffsverkehr massiv einschränkt. Nach seiner Darstellung könnten derzeit nur einzelne chinesische Tanker diese Passage noch passieren, weshalb die Risiken für den globalen Energiemarkt weiter wachsen.
Umbach zufolge stauen sich in der Region derzeit rund tausend Schiffe mit Öl und Flüssiggas. Schon dieser Engpass setzt die Lieferketten erheblich unter Druck, und jede weitere Verzögerung schlägt sich fast sofort an den Börsen und später auch an den Zapfsäulen nieder. Für den europäischen Markt bedeutet das eine neue Welle der Unsicherheit, die am Ende direkt bei den Verbrauchern ankommt.
Umbach kritisiert Trumps Einschätzung zur Lage im Iran
Frank Umbach stellte auch die Einschätzungen von US-Präsident Donald Trump infrage. Aus seiner Sicht war Trump mit der Annahme auf dem falschen Weg, dass es nach den amerikanischen und israelischen Angriffen im Iran schnell zu einem Regimewechsel kommen würde. Der Experte hält dieses Szenario für zu simpel und meint, dass es die tatsächliche Dynamik der Lage nicht ausreichend berücksichtigt habe.
Umbach sagte, Trump habe offenbar auf ein Modell gesetzt, das an frühere Entwicklungen in Venezuela erinnere. Trotz Warnungen der Geheimdienste sei es dennoch zu dem Angriff auf Iran gekommen. Solche politischen Fehleinschätzungen treffen in der Praxis nicht nur die Diplomatie, sondern auch den weltweiten Energiemarkt, der auf neue Eskalationen sofort mit steigenden Preisen reagiert.
G7 wollen strategische Ölreserven vorerst nicht öffnen
Die Lage auf dem Ölmarkt war heute auch Thema bei den Beratungen der G7-Staaten. Trotzdem planen die Länder der Gruppe der Sieben derzeit nicht, auf ihre nationalen strategischen Ölreserven zurückzugreifen. Das machte Bundesfinanzminister Klingbeil deutlich und signalisierte damit, dass die Regierungen für einen solchen Schritt noch keinen Anlass sehen.
Er erklärte, dass der Zeitpunkt für die Aktivierung dieses Instruments noch nicht gekommen sei, auch wenn die Option weiter auf dem Tisch liege. Das zeigt, dass die G7 die Situation zunächst ohne direkten Eingriff in die Reserven unter Kontrolle halten wollen, zugleich aber ein weiteres Aufflammen der Krise einkalkulieren. Für den Markt ist das ein klares Zeichen, dass die Nervosität bleibt und steigende Kraftstoffpreise in Europa in nächster Zeit ein zentrales Thema bleiben dürften.
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