Die deutsche Schauspielerin Collien Fernandes hat öffentlich erklärt, dass sie über Jahre hinweg Ziel gefälschter intimer Fotos und Sexvideos gewesen sei, die unter ihrem Namen im Internet verbreitet wurden, berichtet timestuff.de unter Berufung auf ndr.de. Ihren Angaben zufolge soll ihr Ex-Mann Christian Ulmen dahintergesteckt haben. Der Fall hat die Debatte über sexualisierte Deepfakes, digitale Gewalt und den schwachen rechtlichen Schutz von Betroffenen in Deutschland erneut verschärft.
Der Skandal um Collien Fernandes und Christian Ulmen hebt die Deepfake-Debatte auf eine neue Ebene
Collien Fernandes und Christian Ulmen galten lange als eines der bekanntesten Paare der deutschen Fernsehunterhaltung. Nach der Scheidung nahm die Geschichte jedoch eine schockierende Wendung. Die Schauspielerin erhob schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann und erklärte, er habe sie faktisch „virtuell vergewaltigt“. Mit diesen Worten beschreibt sie, was mit ihrem Bild und ihrer Identität im digitalen Raum geschehen sein soll.
Die öffentliche Wirkung des Falls wurde noch stärker, als die Details bekannt wurden. Es geht dabei nicht bloß um einen weiteren Internetskandal, sondern um einen Fall, der zeigt, wie schmerzhaft und zerstörerisch Deepfake-Material für einen Menschen sein kann. Wenn gefälschte Fotos und Videos nahezu echt wirken, verliert die betroffene Person nicht nur die Kontrolle über ihren Ruf, sondern oft auch ein Stück Sicherheit im eigenen Leben.
Was die Schauspielerin über Fake-Profile, Fotos und Videos berichtet hat

Auf ihrem Instagram-Profil schrieb Collien Fernandes, dass über Jahre hinweg Fake-Profile in ihrem Namen erstellt worden seien, die sich gezielt in ihr berufliches Umfeld eingebunden hätten. Über diese Accounts seien vor allem Männer kontaktiert worden, an die später manipulierte Nacktfotos und Sexvideos verschickt worden seien, die angeblich sie zeigen sollten. Lange Zeit ging sie davon aus, dass unbekannte Dritte hinter diesen Taten steckten.
Die Lage bekam eine neue Dimension, als ihr Ex-Mann Ulmen ihr laut ihrer Darstellung die Taten eingeräumt haben soll. Dadurch verschiebt sich der Fall von einer abstrakten digitalen Attacke in eine sehr persönliche Ebene, in der es um Vertrauensmissbrauch, Eingriffe in die Privatsphäre und psychische Gewalt geht. Genau deshalb hat dieser Vorgang so viele Menschen aufgeschreckt: Er zeigt, dass digitale Gewalt nicht immer von anonymen Tätern ausgehen muss, sondern auch aus dem engsten persönlichen Umfeld kommen kann.
Warum Deepfakes zu den gefährlichsten Formen digitaler Gewalt gehören
Die Juristin Josephine Ballon, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Organisation HateAid, die sich gegen digitale Gewalt einsetzt, beschreibt das Kernproblem sehr deutlich. Deepfakes zu erstellen, ist heute erschreckend einfach geworden. Häufig reicht schon ein gewöhnliches Foto von Instagram oder LinkedIn aus, das sich dann mit Apps oder browserbasierten Diensten in kürzester Zeit weiterverarbeiten lässt. Eine Technik, die vor nicht allzu langer Zeit noch kompliziert und teuer wirkte, ist damit praktisch für jedermann verfügbar.
Besonders kritisch wird es in dem Moment, in dem solche Inhalte online gestellt werden. Sobald ein gefälschtes intimes Bild oder Video im Netz auftaucht, verliert derjenige, der es hochgeladen hat, oft selbst die Kontrolle über die weitere Verbreitung, während das Opfer kaum noch eine reale Chance hat, die Vervielfältigung schnell zu stoppen. Genau deshalb werden sexualisierte Deepfakes heute nicht mehr als bloße Geschmacklosigkeit oder Randphänomen gesehen, sondern als schwerer Angriff auf sexuelle Selbstbestimmung, Würde und das Recht eines Menschen, über das eigene Bild zu verfügen.
Welche rechtlichen Mittel es in Deutschland gibt und warum sie oft nicht ausreichen
Rein formal bestehen zwar Möglichkeiten, sich zu wehren, doch in der Praxis greifen sie häufig zu kurz. Nach Ballons Einschätzung werden solche Fälle meist als Verletzung des Rechts am eigenen Bild eingeordnet. Bis es jedoch tatsächlich zu einer strafrechtlichen Verfolgung kommt, passiert oft wenig. Ermittlungen in diesem Bereich sind aufwendig, technisch anspruchsvoll und binden viele Ressourcen, weshalb Verfahren nicht selten schon in einer frühen Phase eingestellt werden.
Hinzu kommt, dass sexualisierte Deepfakes in Deutschland bislang keinen klar formulierten eigenen Straftatbestand haben. Dadurch landen selbst besonders belastende Fälle oft in einem Bereich, in dem die rechtliche Reaktion vergleichsweise schwach ausfällt, obwohl die Folgen für die Betroffenen gravierend und langanhaltend sein können. Genau hier zeigt sich die Lücke zwischen dem tatsächlichen Ausmaß des Schadens und der Art, wie das geltende Recht diesen Schaden bisher erfasst.
Was sich Opferverbände wünschen und was die neue Regierung ändern könnte
Im Koalitionsvertrag hat die neue Bundesregierung bereits festgehalten, dass dieses Thema neu bewertet und auf mögliche Strafbarkeitslücken geprüft werden soll. Für HateAid ist die Antwort darauf klar: Diese Lücken existieren, und sie müssen dringend geschlossen werden. Die Organisation hofft deshalb, dass das Bundesjustizministerium in absehbarer Zeit einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen wird.
Die entscheidende Frage geht allerdings noch weiter. Es geht nicht nur darum, ob die Verbreitung sexualisierter Deepfakes stärker bestraft wird, sondern auch darum, ob schon ihre Herstellung ohne Einwilligung künftig strafbar sein soll. Josephine Ballon macht deutlich, dass niemand, nicht einmal ein Ehemann oder Partner, das Recht haben darf, solches Material ohne Zustimmung der betroffenen Frau zu erzeugen. Genau an diesem Punkt könnte sich entscheiden, ob das Gesetz künftig nur auf Folgen reagiert oder endlich auch den eigentlichen digitalen Übergriff selbst erfasst.
Warum der Fall Fernandes teilweise mit der spanischen Justiz verbunden ist

Ballon weist außerdem darauf hin, dass Collien Fernandes in Spanien Anzeige wegen anderer Delikte erstattet hat, weil die dortigen Regelungen aus Sicht von Betroffenen günstiger sind und spezialisierte Staatsanwaltschaften existieren. Das ist eine wichtige Beobachtung, weil sie zeigt, dass der Umgang mit digitaler Gewalt innerhalb Europas bereits deutlich auseinandergeht. Für Opfer kann das bedeuten, dass ihre Chancen auf wirksamen Schutz zum Teil sogar davon abhängen, in welchem Land sie leben oder wo einzelne Tathandlungen stattgefunden haben.
Gleichzeitig ist dieser Weg längst nicht für alle offen. Im Fall Fernandes hing diese Möglichkeit damit zusammen, dass sie mit ihrem damaligen Ehemann in Spanien gelebt hatte und dadurch einen konkreten juristischen Bezug zu diesem Land besaß. Für die meisten Menschen, die in Deutschland von Deepfakes betroffen sind und dort ihren Lebensmittelpunkt haben, ist ein solcher Schritt kaum realistisch. Gerade deshalb wächst der Druck, die gesetzlichen Regeln innerhalb Deutschlands selbst zu ändern, statt auf bessere Lösungen im Ausland zu verweisen.
Wie andere Länder bereits auf sexualisierte Deepfakes reagieren
Nach Angaben von HateAid sind andere Staaten in dieser Frage bereits weiter. In Italien wurde sehr intensiv über das Thema diskutiert, in Großbritannien gab es Vorstöße, schon die Herstellung solcher Inhalte unter Strafe zu stellen, und in Australien ist der Opferschutz in diesem Bereich deutlich stärker ausgeprägt als in Deutschland. Das macht klar, dass das Problem längst kein lokales mehr ist. Viele Länder arbeiten bereits daran, ihre rechtlichen Antworten auf digitale Gewalt und KI-Manipulationen neu auszurichten.
Für Deutschland wächst damit das Risiko, genau in dem Moment zurückzufallen, in dem die Technik immer leichter zugänglich wird. Ging es früher noch um vereinzelte fragwürdige Plattformen oder Apps, ist der Markt inzwischen voll von KI-Bildgeneratoren und leicht nutzbaren Werkzeugen zur Manipulation von Fotos und Videos. Je länger das Recht hinter dieser Entwicklung zurückbleibt, desto mehr Menschen geraten in eine Lage, in der sie kaum wirksamen Schutz bekommen.
Warum der Gesetzgeber keine Zeit mehr verlieren darf
Josephine Ballon erinnert daran, dass zivilgesellschaftliche Organisationen seit Jahren auf dieses Thema aufmerksam machen. Gemeinsam mit anderen Initiativen und unter Beteiligung von Collien selbst wurde bereits vor längerer Zeit auf die Gefahren digitaler Bildmanipulation hingewiesen, unter anderem mit Petitionen an den damaligen Verkehrs- und Digitalminister Volker Wissing. Die Warnungen kamen also lange bevor generative KI die Entwicklung noch einmal massiv beschleunigte.
Heute ist die Lage noch dringlicher, weil sich Werkzeuge der künstlichen Intelligenz schneller weiterentwickeln als politische Entscheidungen. Wenn der Staat weiter zu langsam reagiert, wird er nicht mehr nur von einzelnen Skandalen eingeholt, sondern von einer ganzen Welle digitaler Gewalt, bei der Betroffene immer seltener schnelle und wirksame Hilfe bekommen. Der Fall Collien Fernandes steht deshalb längst nicht mehr nur für das Schicksal einer prominenten Frau, sondern für die größere Frage, wie das Recht im Zeitalter künstlicher Intelligenz neu gefasst werden muss.
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