Inzwischen hat sich das Bild verschoben. In vielen Familien landen die Kinder nachts im Elternbett – geplant oder ungeplant –, und eine wachsende Zahl von Eltern richtet den Schlafplatz von vornherein für die ganze Familie ein. Das Familienbett ist vom Tabu zum Trend geworden.
Was steckt hinter dem gemeinsamen Schlafen, was sagt die Forschung dazu, und welche Regeln sollten Familien kennen, bevor sie die Matratzen zusammenschieben? Ein Überblick.
| Das Wichtigste in Kürze Familienbett heißt: Eltern und Kinder schlafen auf einer durchgehenden Liegefläche – nicht zu verwechseln mit dem Beistellbett.Die Forschungslage zu langfristigen Vorteilen ist uneinheitlich; verlässlich belegt ist vor allem, was den Babyschlaf sicher macht.Im ersten Lebensjahr empfehlen Fachstellen das eigene Bettchen im Elternschlafzimmer.Bei größeren Kindern entscheidet vor allem der Platz: Faustregel 90 cm Breite pro Erwachsenem, 60 cm pro Kind. |
Was ein Familienbett ist – und was nicht
Der Begriff wird oft unscharf verwendet. Gemeint ist eine gemeinsame, durchgehende Liegefläche, auf der Eltern und ein oder mehrere Kinder schlafen – entweder ein extra breites Bett oder zwei fest verbundene Betten auf gleicher Höhe. Davon zu unterscheiden ist das Beistellbett: ein Babybett mit offener Seite, das am Elternbett befestigt wird. Das Baby liegt dort auf seiner eigenen Matratze, ist aber in Reichweite.
| Co-SleepingSammelbegriff für das Schlafen von Eltern und Kind in unmittelbarer Nähe. Er umfasst sowohl das gemeinsame Bett (Familienbett) als auch das getrennte Bett im selben Raum, etwa ein Beistellbett. |
Spezialisierte Familienbetten werden in Breiten von etwa 200 bis 360 Zentimetern gefertigt und mit einer durchgehenden Matratze oder Auflage geliefert, damit keine Ritze entsteht. Wer kein neues Möbelstück anschaffen möchte, verbindet ein Einzelbett fest mit dem Doppelbett – wichtig ist in beiden Fällen, dass nichts verrutschen kann und die Liegefläche eben bleibt.
Warum Familien sich dafür entscheiden
Fragt man Eltern nach ihren Gründen, fallen meist dieselben Stichworte: Nähe, weniger Aufstehen, entspanntere Nächte. Wer stillt, muss nicht mehr durch die Wohnung laufen. Wer ein Kind hat, das nachts häufig aufwacht, kann es beruhigen, ohne selbst ganz wach zu werden. Viele Familien berichten, dass sie im Familienbett insgesamt mehr Schlaf bekommen als mit nächtlichen Wanderungen zwischen den Zimmern – auch wenn er häufiger unterbrochen wird.
Dazu kommt ein kultureller Aspekt. In weiten Teilen der Welt ist das gemeinsame Schlafen von Eltern und Kleinkindern der Normalfall; die Vorstellung, ein Säugling müsse möglichst früh allein im eigenen Zimmer schlafen, ist historisch jung und vor allem in westlichen Industrieländern verbreitet. Für manche Eltern ist das Familienbett deshalb weniger eine Methode als eine Rückkehr zu etwas Selbstverständlichem.
Was die Forschung sagt – und was nicht
Im Netz kursieren viele Behauptungen über die Vorteile des gemeinsamen Schlafens: bessere Bindung, mehr Selbstbewusstsein, weniger Ängste im späteren Leben. Die wissenschaftliche Lage ist deutlich nüchterner. Es gibt Beobachtungsstudien, die solche Zusammenhänge beschreiben, aber sie können nicht sauber trennen, ob das gemeinsame Bett die Ursache ist oder ob Familien, die sich dafür entscheiden, ohnehin anders mit ihren Kindern umgehen. Ebenso wenig belegt ist die Gegenthese, dass Kinder im Familienbett unselbstständig würden.
Klar belegt ist dagegen, welche Faktoren das Risiko im Babyschlaf erhöhen – und genau daraus leiten Fachgesellschaften ihre Empfehlungen ab. Wer sich fürs Familienbett interessiert, sollte deshalb weniger auf versprochene Langzeiteffekte schauen als auf die Frage, wie die Schlafumgebung sicher wird.
Sicherheit: Die Regeln fürs erste Lebensjahr
| Wichtig bei BabysFür Babys im ersten Lebensjahr empfehlen Fachstellen wie das Elternportal kindergesundheit-info.de das eigene Bettchen im Schlafzimmer der Eltern – in Rückenlage, im Schlafsack, ohne Kissen, Nestchen und Kuscheltiere. Für Frühgeborene und Babys mit niedrigem Geburtsgewicht gilt das besonders. Ein Beistellbett verbindet diese Empfehlung mit der gewünschten Nähe. |
Landet das Baby dennoch im großen Bett, gelten klare Bedingungen: Die Matratze muss fest und eben sein, zwischen Matratzen, Wand und Kopfteil darf keine Ritze bleiben, die Bettdecken der Erwachsenen bleiben deutlich unterhalb des Babys. Das Kind liegt neben einem Elternteil, nicht zwischen Geschwistern oder in der Nähe von Haustieren. Wasserbetten, Sofas und sehr weiche Matratzen sind als Schlafplatz für Säuglinge ungeeignet.
- Rauchfreie Wohnung – in der Schwangerschaft und danach.
- Kein gemeinsames Bett nach Alkohol, müde machenden Medikamenten oder bei starker Übermüdung.
- Schlafzimmertemperatur etwa 16 bis 18 Grad, keine Mützen oder Wärmflaschen im Bett.
- Rausfallschutz an offenen Bettseiten, sobald das Kind mobil wird.
Bei größeren Kindern entscheidet der Platz
Mit Kleinkindern und Schulkindern verschiebt sich die Frage von der Sicherheit zur Logistik. Ein normales Doppelbett mit 180 Zentimetern Breite ist für zwei Erwachsene gebaut; liegt ein Kind quer dazwischen, schläft am Ende niemand gut. Als Faustregel nennt der Hersteller FAMBED etwa 90 Zentimeter Breite pro Erwachsenem und 60 Zentimeter pro Kind. Für zwei Erwachsene und ein Kind reicht demnach ein Familienbett von 240 mal 200 Zentimetern; mit zwei Kindern werden 300 Zentimeter oder mehr sinnvoll.
Praktisch heißt das: Vor der Anschaffung Zimmer ausmessen, Türbreiten prüfen und überlegen, wie das Bett später wieder verkleinert werden kann. Modelle, die sich in Einzelbetten zerlegen lassen, sind im Vorteil, wenn die Kinder irgendwann ausziehen – aus dem Bett, nicht aus der Wohnung.
Und wann zieht das Kind aus?
Ein festes Alter gibt es nicht. Manche Kinder wünschen sich mit drei Jahren ein eigenes Reich, andere bleiben bis ins Grundschulalter. Erfahrene Eltern raten, das eigene Bett früh anzubieten, ohne Druck zu machen – als gemütlichen Ort, der da ist, wenn das Kind so weit ist. Für die Paarbeziehung gilt Ähnliches: Wer gemeinsame Zeit vor dem Zubettgehen fest einplant oder abends erst später ins Familienbett wechselt, umgeht die meisten Konflikte.
Und nicht jede Familie schläft gemeinsam am besten. Manche Eltern liegen wach, weil das Kind strampelt; manche Kinder schlafen allein ruhiger. Richtig ist die Lösung, mit der bei Ihnen alle ausgeruht aufwachen.
Fazit
Das Familienbett ist kein Erziehungswunder, aber auch keine Verirrung – es ist eine Schlafvariante, die für viele Familien gut funktioniert. Wer im ersten Lebensjahr die Sicherheitsempfehlungen ernst nimmt, später auf ausreichend Platz und eine durchgehende Liegefläche achtet und ehrlich prüft, ob wirklich alle davon profitieren, kann aus dem gemeinsamen Schlafen ein Stück Familienalltag machen, an das sich später alle gern erinnern.
