Manchmal lohnt es sich, sich neu zu erfinden – das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Veranstaltungen, berichtet timestuff.de unter Berufung auf faz.net. Beim Hahnenkamm-Wochenende dreht sich in diesem Jahr erstmals ein Riesenrad im Zentrum von Kitzbühel. Für zehn Euro kann man eine Runde auf dem – typisch Kitzbühelerisch selbstbewusst benannten – „Rad der Perfektion“ drehen. Vielleicht ist die Attraktion noch vom Weihnachtsmarkt übrig geblieben, aber zum Weltcup passt sie trotzdem: Auch die Ski-Szene entwickelt sich ständig weiter und bleibt nicht stehen.
Auch Strasser hat gewagt – raus aus der „Komfortzone“
Linus Strasser hat vor dieser Saison ebenfalls etwas ausprobiert, das alles andere als selbstverständlich ist. Der deutsche Slalom-Spezialist sei aus seiner „Komfortzone“ herausgegangen, wie er selbst erklärte. Trotz guter Ergebnisse in den vergangenen Jahren wechselte der 33-Jährige überraschend den Ausrüster für sein Ski-Material.
Er hoffte, dass ihm dieser Schritt im Herbst seiner Karriere noch einmal einen Schub gibt – räumte aber ein, dass es ein Risiko ist, gerade in einem Olympiawinter.
In Kitzbühel hat es endlich geklickt
Ausgerechnet in Kitzbühel zeigte Strasser erstmals in diesem Winter die Leistung, auf die er offenbar lange gewartet hatte. Dank eines starken zweiten Durchgangs arbeitete er sich von Platz zehn noch auf Rang drei nach vorne. Auf den Sieger, den Österreicher Manuel Feller, fehlten ihm 0,53 Sekunden. Zweiter wurde der Schweizer Loïc Meillard (+0,35).
„Ein Podium in Kitzbühel zu erreichen – das ist etwas Besonderes“, sagte Strasser nach dem Rennen strahlend.
„Ich wusste, dass der Lauf gar nicht so schlecht war“, ergänzte er.
Riesenrad-Blick auf den Ganslern-Hang
Vom hell leuchtenden blauen Riesenrad aus bot sich ein weiter Blick auf den Ganslern-Hang. Wer am Sonntag rechtzeitig in eine der Gondeln stieg, konnte Strasser durch den „Wald“ der Slalomstangen fahren sehen – und zumindest aus der Distanz erahnen, wie stabil und sauber der Deutsche diesmal unterwegs war.
Zuvor war die Saison zäh – die Ergebnisse eher mager

Dieses Podium war für Strasser ein Durchbruch im achten Weltcup-Slalom der Saison. Bis dahin war sein bestes Ergebnis ein achter Platz in Gurgl. Zuletzt war der Münchner Elfter in Wengen geworden. Davor standen Rang 14, 15 und 17 in Madonna di Campiglio, Levi und Alta Badia – zudem schied er zweimal aus.
In einem extrem umkämpften Slalom-Winter, der bereits sieben verschiedene Sieger hervorgebracht hat, wirkte das insgesamt etwas zu wenig – besonders für einen Fahrer, der 2025 WM-Bronze holte und 2024 Zweiter im Gesamtweltcup war.
„Nein“: Strasser bereute den Materialwechsel nicht
Trotz aller Anlaufschwierigkeiten blieb Strasser dabei, dass der Schritt aus der Komfortzone richtig war. Er räumte offen ein, dass die Anpassung – bei ihm selbst und beim Material – Zeit gekostet hat.
„Nein“, sagte er vor dem Slalom in Kitzbühel, als er gefragt wurde, ob er den Wechsel inzwischen bereue.
„Ich wusste, welches Risiko ich eingehe. Ich habe es mir nicht leichter gemacht, aber ich war entschlossen“, erklärte Strasser.
Olympia rückt näher – und Rennen sind nicht Training
Der Zeitpunkt für ein solches Signal war ohnehin wichtig: Die Saison steuert bereits auf ihren Höhepunkt zu – die Olympischen Spiele in Italien. Im Training laufe es schon seit einiger Zeit gut, sagte Strasser, das gebe ihm Selbstvertrauen. Aber Training und Wettkampf seien eben „zwei verschiedene Dinge“.
„…zwei verschiedene Dinge“, betonte er.
Zwischen den Zeilen war zu spüren, dass ihn dieser Prozess mehr gefordert hat, als er erwartet hatte. Sich neu aufzustellen ist selten leicht. Strasser hielt jedoch an der Hoffnung fest, dass er am Ende gestärkt daraus hervorgeht – eine Hoffnung, die er in Kitzbühel nun mit einem Ergebnis untermauert hat.
Übrigens, wenn du nicht nur den Sport verfolgst, haben wir auch einen eigenen Beitrag über Stephen Dürr im Dschungelcamp und seine Familie.
