Nach Monaten voller Spannung, Prognosen und Debatten ist die Oscar-Saison endlich zu Ende gegangen – und ihr größter Name war Paul Thomas Anderson. Bei der 98, berichtet timestuff.de unter Berufung auf theringer.com. Verleihung der Academy Awards gewann der Regisseur, der jahrelang ohne Statue geblieben war, gleich drei Auszeichnungen mit One Battle After Another, dem Film, der am Ende als bester Film des Jahres triumphierte.
Paul Thomas Anderson erlebt nach Jahren der Niederlagen endlich seinen Moment
Als Paul Thomas Anderson seinen ersten Oscar für die beste Regie in den Händen hielt, war in seinem Gesicht nicht nur Freude zu sehen, sondern auch ehrliches Staunen. Er lächelte, wirkte aber gleichzeitig so, als würde er selbst erst begreifen, dass dieser Moment nach all den Jahren des Wartens nun wirklich gekommen war. Sein Satz, dass man für so eine Auszeichnung ziemlich hart arbeiten müsse, klang wie eine knappe Zusammenfassung seines gesamten Weges bis zu diesem Abend.
Bis zum Sonntagabend stand für Anderson eine bittere Bilanz zu Buche: null Siege bei elf Nominierungen aus sechs früheren Oscar-Anläufen. In verschiedenen Jahren mussten sich Boogie Nights, There Will Be Blood und Phantom Thread Filmen wie Good Will Hunting, No Country for Old Men und The Shape of Water geschlagen geben. Genau deshalb wirkte sein Durchbruch bei den 98th Academy Awards nicht einfach wie ein weiterer Erfolg des Abends, sondern wie die große Auflösung einer Geschichte, die sich über Jahrzehnte gezogen hatte.
One Battle After Another bringt dem Regisseur gleich drei Oscars

Andersons Triumph beschränkte sich nicht nur auf die Regie-Kategorie. Bei der Verleihung erhielt er drei Oscars als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent von One Battle After Another, der schließlich auch den Hauptpreis als Best Picture gewann. Für einen Filmemacher, dessen Karriere lange als Beispiel für unterschätzte Autorenkunst galt, war dieser Abend weit mehr als nur ein Erfolg – er wurde zu einem echten Wendepunkt.
Besonders emotional wirkte das alles auch deshalb, weil sich in den vergangenen Jahren das Bild eines Regisseurs verfestigt hatte, den die Academy hartnäckig übergeht. Nachdem Kenneth Branaghs Belfast 2022 in der Kategorie Best Original Screenplay gegen Licorice Pizza gewonnen hatte, waren viele überzeugt, dass Anderson eine seiner besten Chancen auf einen Oscar bereits verpasst hatte. Umso menschlicher und ehrlicher wirkte nun seine Reaktion auf der Bühne – nicht geschniegelt und feierlich, sondern fast so, als könne er selbst kaum glauben, dass dieser Abend endlich ihm gehörte.
Seine Reden waren an diesem Abend fast so wichtig wie die Trophäen selbst
Anderson stand an diesem Abend nicht nur einmal auf der Bühne, sondern gleich dreimal, und mit jeder weiteren Rede wurde er offener. Nachdem die erste Welle der formellen Danksagungen vorbei war, sprach er freier und persönlicher, und genau das gab seinen Siegen zusätzliches Gewicht. Solche Momente entstehen oft, wenn Gewinner mehrfach nach vorn gerufen werden, und darin erinnerte sein Abend ein wenig an Sean Bakers vier Oscars im vergangenen Jahr.
In seinen Reden erklärte Anderson, dass er One Battle After Another gedreht habe, um sich mit der Welt auseinanderzusetzen, die Erwachsene ihren Kindern hinterlassen. Außerdem erinnerte er ausdrücklich an seinen langjährigen Koproduzenten Adam Somner, der ein Jahr vor dem Kinostart des Films gestorben war. In seiner letzten Ansprache verwies der Regisseur sogar auf das legendär starke Best-Picture-Feld der Oscars von 1976, also genau fünfzig Jahre zuvor, und zeigte damit erneut, dass er nicht nur Filme macht, sondern das Kino und die Oscar-Geschichte bis ins Detail lebt.
Das war kein Trost-Oscar, sondern eine Auszeichnung für den Film des Jahres

So schön die Dramaturgie seines späten Triumphs auch war – Andersons Siege wirkten nicht wie ein Mitleidsbonus oder wie eine Ehrung für das Lebenswerk. One Battle After Another galt schon vor der Verleihung als einer der wichtigsten Filme seiner Karriere, für manche Kritiker sogar als der prägende Film des Jahres 2025. Auch ohne den Hintergrund seiner früheren Oscar-Enttäuschungen hatte dieses Projekt also alle Argumente auf seiner Seite, um ganz oben zu landen.
Zusätzliche Bedeutung bekam der Film auch durch seinen wirtschaftlichen Erfolg. Die Produktion wurde zum erfolgreichsten Film Andersons an den Kinokassen überhaupt, was für einen Regisseur seines Formats ebenfalls ein starkes Signal ist. Seine erste Zusammenarbeit mit Leonardo DiCaprio erwies sich als Volltreffer, und der Schauspieler erhielt für eine der stärksten Leistungen seiner Laufbahn eine Nominierung als Best Actor.
Ein starkes Ensemble machte den Erfolg des Films noch größer
Neben DiCaprio rückten auch andere Namen des Ensembles deutlich in den Fokus. Teyana Taylor, Benicio del Toro und Sean Penn spielten in den Diskussionen über die umkämpften Nebendarsteller-Kategorien eine wichtige Rolle. Am Ende gewann Penn die Trophäe, was die große Nacht von One Battle After Another zusätzlich absicherte.
Dieser Erfolg fiel nicht plötzlich vom Himmel. Der Film hatte während der gesamten Awards-Saison fast alle wichtigen Vorläuferpreise eingesammelt, die als Maßstab für Best Picture gelten. Nimmt man die Niederlage bei Best Ensemble bei den Actor Awards – früher SAG Award – aus, ließ die Produktion der Konkurrenz über weite Strecken kaum eine echte Chance, das Momentum zu drehen.
Das Rennen um Best Picture blieb bis zum Schluss spannend

Der große Abend von One Battle After Another setzte zugleich den Schlusspunkt unter eines der härtesten Best-Picture-Rennen der letzten Jahre. Monatelang drehte sich die zentrale Debatte um zwei Titel: Andersons Film und Ryan Cooglers Vampir-Blockbuster Sinners. Obwohl One Battle seit seiner Premiere meist als Favorit galt, brachte die Schlussphase der Kampagne dennoch viele dazu, an eine mögliche Sensation zu glauben.
Auslöser war die späte Niederlage bei den SAG Awards, nach der plötzlich über einen historischen Umschwung gesprochen wurde. Bis dahin hatte der Film eine nahezu makellose Awards-Saison hingelegt, und ein solches Profil war in der Vergangenheit nie in einer Niederlage bei Best Picture geendet. Deshalb wurden selbst kleinere Verschiebungen in den technischen Kategorien zu Beginn der Zeremonie als Hinweise gelesen, dass dieses Rennen noch nicht entschieden war.
Technische Kategorien verschoben das Gefühl für den Favoriten mehrmals
Zunächst gewann One Battle After Another den ersten Oscar der Geschichte in der Kategorie Best Casting, obwohl lange Zeit ausgerechnet Sinners dort als aussichtsreichster Kandidat galt. Danach sah es kurz so aus, als hätte Cooglers Film seine Chance auf den ganz großen Durchbruch des Abends fast verloren. Doch wenig später schlug das Pendel wieder in die andere Richtung aus, als Sinners-Kamerafrau Autumn Durald Arkapaw als erste Frau überhaupt den Oscar für Best Cinematography gewann – ausgerechnet in einer Kategorie, die zuvor eher Andersons Film zugeschrieben worden war.
Die Spannung stieg weiter, als Michael B. Jordan seinen späten Schub in der Awards-Saison vollendete und für Sinners den Preis als Best Actor holte. In diesem Moment schien die Dynamik des Abends noch einmal kippen zu können. Doch nur wenig später gewann Anderson den Oscar für Best Director, und damit wurde das Gesamtbild plötzlich sehr klar: Der Hauptpreis würde mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls an One Battle After Another gehen.
Nicht alle Kategorien verliefen chaotisch, auch wenn die Saison oft so wirkte
Trotz der nervösen Atmosphäre in der Schlussphase erwiesen sich viele Gewinner in den großen Kategorien am Ende als vergleichsweise erwartbar. Einige hatten zwar spekuliert, dass der brasilianische Film The Secret Agent noch einmal überraschend anziehen könnte, doch den Oscar für Best International Feature gewann schließlich der norwegische Titel Sentimental Value. Dessen Regisseur Joachim Trier war nebenbei auch der einzige internationale Filmemacher, der es ins Best-Director-Feld geschafft hatte.
Ähnlich verlief es in der Kategorie der Nebendarstellerinnen. Amy Madigan aus Weapons hatte sich nach ihrem Sieg bei den Actor Awards für ihre Rolle als Tante Gladys überraschend in die Favoritenposition geschoben und verteidigte diese auch bei den Oscars. Ihre Konkurrentinnen Teyana Taylor und Wunmi Mosaku aus Sinners konnten daran im Finale nichts mehr ändern.
Sean Penn gewinnt seinen dritten Oscar – obwohl er gar nicht da war

Auch Sean Penns Sieg als Best Supporting Actor hatte seine eigene kleine Dramaturgie. Als One Battle After Another herauskam, wirkte Penn zunächst wie der klare Favorit, doch im Lauf der Saison bekam praktisch jeder seiner Mitnominierten irgendwann Rückenwind. Dadurch entstand vor der Zeremonie durchaus die Frage, ob die Academy Penn tatsächlich schon den dritten Oscar geben würde, bevor jemand wie Stellan Skarsgård aus Sentimental Value überhaupt einmal ausgezeichnet wurde.
Am Ende entschied sich die Academy trotzdem für Penn. Der Schauspieler selbst erschien jedoch nicht zur Verleihung, was sofort für Gesprächsstoff sorgte. Moderator Kieran Culkin scherzte auf der Bühne, Penn habe einfach „keine Lust“ gehabt zu kommen, während andere Berichte nahelegten, dass er sich zu einem nicht näher erklärten Anlass in der Ukraine aufgehalten habe.
Best Actor blieb bis zuletzt die unsicherste Kategorie
Die meisten Fragezeichen vor Beginn der Show gab es rund um das Rennen um Best Actor. Lange galt Timothée Chalamet für Marty Supreme als aussichtsreichster Kandidat, doch seine Kampagne verlor irgendwann abrupt an Boden – und zwar so deutlich, dass das Rennen praktisch neu begann. Danach übernahm Michael B. Jordan durch seinen überraschenden Sieg bei den Actor Awards die Führung.
Trotzdem blieb offen, ob ein einziger großer Vorläufererfolg für den endgültigen Durchbruch reichen würde. Hinzu kam, dass zuvor noch niemand Best Actor gewonnen hatte, dessen einziger großer Vorläufergewinn ein SAG Award gewesen war. Gerade deshalb hielt sich das Gefühl, dass am Ende vielleicht noch ein dritter Name aus dem starken Feld auftauchen könnte – doch dazu kam es nicht, und Jordans Oscar-Sieg bestätigte, dass sein Aufschwung real und nicht bloß ein kurzer Effekt gewesen war.
Das Finale wirkte am Ende berechenbarer als der Weg dorthin
Wer nur auf die Ergebnisse des Abends schaut, konnte die Zeremonie durchaus etwas weniger explosiv empfinden als den langen Weg dorthin. In den wichtigsten Kategorien gewannen am Ende doch jene Namen, die zu Beginn der TV-Übertragung meist als Favoriten galten. Dadurch konnte der Eindruck entstehen, dass der ganze Lärm rund um dieses Rennen letztlich nur im Triumph desselben Films mündete, der ohnehin fast die gesamte Saison dominiert hatte.
Trotzdem schmälert das nicht die Größe des Duells zwischen One Battle After Another und Sinners. Beide Filme waren echte Ereignisse, beide funktionierten nicht nur bei Kritikern, sondern auch bei einem breiteren Publikum – und genau das ist in Oscar-Rennen keineswegs selbstverständlich. Auch wenn die Zeremonie selbst die Aufregung der Vormonate nicht in jeder Minute spiegelte, wirkte ihr Ende dennoch stimmig: Die Saison mündete in die längst fällige Krönung von Paul Thomas Anderson, der seit 1997, dem Jahr von Boogie Nights, auf genau diese Form der Academy-Anerkennung hingearbeitet hatte.
Für Anderson ist das ein Schlusspunkt – für Coogler eher eine Zwischenstation
In dieser Geschichte gibt es noch einen zweiten wichtigen Aspekt: Ryan Cooglers Weg ist mit dieser Niederlage keineswegs beendet. Er ist 39 Jahre alt, und selbst nach dem verpassten Hauptpreis wirkt seine Stellung in Hollywood ausgesprochen stark. Coogler hat bereits gesagt, dass sein nächster Film Black Panther 3 sein wird, und der Erfolg von Sinners könnte ihm später auch dabei helfen, noch ein weiteres originelles Projekt durchzusetzen.
Gerade deshalb wirkt dieses Ergebnis weniger wie die totale Niederlage des einen und der vollständige Triumph des anderen, sondern eher wie ein Moment der Verschiebung. Für Anderson ist es die lang erwartete Krönung, die endlich einen alten offenen Punkt in seiner Oscar-Geschichte schließt. Für Coogler ist es der Beweis, dass er schon jetzt in der Lage ist, einen großen originellen Film mitten ins Zentrum der Oscar-Debatte zu bringen – und genau deshalb dürfte seine Rückkehr in dieses Rennen nur eine Frage der Zeit sein.
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