Den Mangel an Streusalz spüren in diesem Winter nicht nur einzelne Fernstraßen, sondern auch viele deutsche Städte und Gemeinden, berichtet timestuff.de unter Berufung auf bild.de. Anhaltender Frost „frisst“ die Vorräte schneller auf, als sie wieder aufgefüllt werden können – und etliche Kommunen schlagen bereits Alarm.
In Burbach hätten die Reserven für einen „normalen“ Winter gereicht – aber nicht für diesen
In Burbach im Siegerland (Nordrhein-Westfalen) hat die Stadtverwaltung frühzeitig 250 Tonnen Streusalz eingelagert. Für eine Kommune mit rund 15.000 Einwohnern gilt das als üblicher Vorrat für eine durchschnittliche Wintersaison. Doch schon nach den ersten zwei Tagen intensiven Streueinsatzes wurde klar: Dieser Winter wird deutlich härter als erwartet, erklärte ein Stadtsprecher.
Das Problem ist nicht, dass „zu wenig“ Salz beschafft wurde, sondern dass das Wetter jede Sicherheitsreserve schnell aufzehrt. Hält der Frost über längere Zeit an, sind die Fahrzeuge häufiger unterwegs, und Straßen wie Gehwege müssen intensiver behandelt werden. Am Ende leeren sich die Silos schneller, als die Lieferlogistik der Anbieter nachkommt.
Salz wird landesweit gesucht – und viele Anfragen kommen „für gestern“

Burbach ist nur ein Beispiel, denn der Streusalz-Mangel wird in vielen Kommunen registriert. Wilhelm Hartmann, Leiter des Winterdienstzentrums Snowbeaker in Osthessen (Team: 100 Beschäftigte), sagt es offen: In einigen Gemeinden sind die Bestände bereits aufgebraucht. Manche Städte gehen so weit, ihre Streufahrzeuge direkt zum Lager des Servicezentrums zu schicken – damit die Arbeiten nicht stillstehen.
Hartmann warnt: Bleiben die strengen Fröste und entspannt sich die Versorgung nicht, wird das für zahlreiche Kommunen zu einer ernsten organisatorischen Belastungsprobe. Es geht dabei nicht nur um Bequemlichkeit, sondern um rutschige Straßen, ein höheres Unfallrisiko und Diskussionen über die Qualität des Winterdienstes. Unter solchen Bedingungen müssen Städte priorisieren, wo zuerst gestreut wird – und das trifft fast immer Nebenstraßen besonders hart.
„Höchstens zwei Wochen“: Anbieter sehen eine kritische Grenze
Marcel Mondorf, Geschäftsführer des Winterdienstunternehmens Streusalzritter aus Bad Zwischenahn (Niedersachsen), beschreibt die Lage als angespannt. Seiner Einschätzung nach kommen derzeit 50 Prozent der Anfragen direkt aus Kommunen, teils mit extrem kurzem Vorlauf. Er kann weiterhin Mengen sowohl im Inland als auch im Ausland beschaffen, räumt aber ein: Bleibt das Verbrauchstempo so hoch, reichen die Vorräte höchstens noch zwei Wochen.
Erschwerend kommt hinzu, wie die Streumittel gelagert und angeliefert werden. Viele Städte lagern Streusalz in Silos – in Spitzenzeiten kann die Versorgung dann nicht nur an der Verfügbarkeit der Ware scheitern, sondern auch an der Transporttechnik. Fachleute weisen darauf hin: Spezialisierte Fahrzeuge zum Einblasen von Streumaterial sind begrenzt, während eine Schüttgut-Lieferung in Lagerstätten meist einfacher zu organisieren ist.
Wie viel Salz zum Saisonstart da ist – und wie viel im Winter verbraucht wird

Die größten Salz-Mengen gehen traditionell auf Autobahnen. In Deutschland sind für den Winterdienst auf den Autobahnen dauerhaft rund 6.300 Beschäftigte im Einsatz, unterstützt von 1.450 Spezialfahrzeugen. Nach Angaben der Autobahn GmbH des Bundes lagen zu Beginn der Saison bundesweit knapp 350.000 Tonnen Salz in 310 Salzlagern, 112 Salzsilos sowie 377 Sole-Behältern.
Zum Vergleich: Im vergangenen Winter wurden 219.000 Tonnen auf die Straßen ausgebracht. Diese Zahl zeigt, wie schnell ein Vorrat schrumpfen kann, wenn Kälte über Wochen anhält. Bleiben die Temperaturen lange im Minus, steigen die Verbräuche Richtung Spitzenwerte – und die Lieferketten halten nicht immer Schritt.
Warum die Regeln von Ort zu Ort anders sind – und was das für Anwohner heißt
Dass in manchen Städten Straßen fast bis auf den Asphalt frei sind, während anderswo vor allem Hauptachsen Priorität haben, hat einen einfachen Grund: Es gibt keine bundesweit einheitliche Regelung. Der Winterdienst wird in Deutschland über lokale Vorschriften und Satzungen organisiert, die sich von Gemeinde zu Gemeinde deutlich unterscheiden können. Deshalb raten Kommunen den Bürgerinnen und Bürgern, in die örtlichen Regelungen zu schauen – damit klar ist, wo die Stadt zuständig ist und wo Pflichten bei Eigentümern oder Mietern liegen.
In einem Winter mit Streusalz-Knappheit treten diese Unterschiede noch stärker zutage. Kommunen setzen häufiger auf strikte Prioritäten: zentrale Straßen, Zufahrten zu Krankenhäusern, Routen des öffentlichen Nahverkehrs. Gehwege und Wohnstraßen werden dagegen mancherorts seltener oder mit anderen Materialien behandelt.
Salz wirkt am besten – hat aber seinen Preis für Autos und Umwelt

In den meisten Städten wird gegen Glätte weiterhin Salz eingesetzt – klassisches Natriumchlorid. Es gilt als besonders wirksam, hat jedoch Nebenwirkungen, die Autofahrer und Tierhalter kennen. Salz beschleunigt Korrosion am Fahrzeug, reizt Hundepfoten, belastet Straßenbäume, Gewässer und sogar Betonflächen.
Genau deshalb empfiehlt der Naturschutzbund NABU privaten Haushalten streusalzfreie Mittel, die die Rutschgefahr senken: Granulat, Splitt, Sand oder Kies. In Deutschland gibt es zudem das Umweltzeichen „Blauer Engel“, das das Umweltbundesamt umweltfreundlichen Alternativen verleiht – entscheidend ist dabei, dass sie kein Salz enthalten.
Während viele Kommunen noch mit Salzknappheit kämpfen, sorgt Glatteis andernorts bereits für akute Verkehrsprobleme wie aktuell auf der A44 bei Paderborn.
