Beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest ging es diesmal längst nicht nur um Musik, berichtet timestuff.de unter Berufung auf merkur.de. Neben Barbara Schöneberger stand plötzlich Hazel Brugger im Studio – und wurde innerhalb kürzester Zeit zum Hauptthema in den sozialen Netzwerken.
Moderations-Duo mit „frischem Nerv“
In Berlin führte am Samstagabend, 28. Februar, nicht wie so oft allein Barbara Schöneberger (51) durch die Show ESC-Vorentscheid. Seit dem Comeback von Stefan Raab hat sich das Format spürbar verändert – und Schöneberger bekam Unterstützung: Hazel Brugger (32), Comedienne, die Reaktionen nicht nur aushält, sondern sie oft bewusst herausfordert.
Ihr Einsatz wirkte wie eine klare Entscheidung der Produktion: mehr Tempo, mehr Ironie, ein Hauch Provokation. Das zeigte sich in einzelnen pointierten Sprüchen, in einem Einspielfilm und sogar darin, wie sie sich im Bild bewegte und die Bühne „besetzte“. Und dann waren da noch Details, die das Publikum sofort aufgriff.
Platinblond, das mehr Kommentare bekam als nötig

Eine eigene Welle an Diskussionen löste Bruggers Look aus. Sie erschien mit platinblonder Frisur, die sofort Memes, Seitenhiebe und Debatten anstieß – und am nächsten Tag legte die Moderatorin selbst nach.
Auf Instagram machte sie sich über die Reaktionen lustig und schrieb sinngemäß: „Was soll das heißen: Ich muss jetzt ein halbes Jahr mit dieser Frisur rumlaufen?“. Der Ton war typisch Hazel: selbstironisch, frech und mit einem kleinen Stupser Richtung aller, die aus ihrer Haarfarbe Thema Nummer eins gemacht hatten. Der eigentliche Auslöser für den Streit lag jedoch nicht im Styling.
Gendergerechte Sprache im TV – und der Klang, den alle hörten
Während der Moderation nutzte Brugger mehrfach gendergerechte Sprache, und das fiel besonders durch die Aussprache auf. Viele hörten den Glottisschlag – diese kurze, klare Sprechpause, die entsteht, wenn Begriffe wie „…“ und „…innen“ getrennt werden.
In den Online-Diskussionen tauchte immer wieder auf, dass ein solcher Moment bereits nach rund sieben Minuten zu hören gewesen sei. Als Brugger erklärte, wer noch fehle, setzte sie eine deutliche Pause zwischen „Hauptdarsteller“ und „innen“. Für manche war das ganz normale, zeitgemäße Sprache im öffentlichen Raum, andere empfanden es als betonten „Akzent“, der vom eigentlichen Wettbewerb ablenkt.
Reaktionen auf X: zwischen Zuspruch und Genervtheit
Auf X (ehemals Twitter) wurde ihr Sprachstil schnell zum Zitat-Thema. Ein Zuschauer schrieb sinngemäß: „Mich nervt, dass Hazel ständig gendert“, und bekam fast sofort Gegenwind nach dem Motto: Wer Hazel kennt, weiß, dass das zu ihr gehört – und dass es niemandem weh tut.
Gleichzeitig meldeten sich Nutzerinnen und Nutzer, die fanden, Formulierungen wie „Künstlerinnen und Künstler“ klängen „eleganter“ und bräuchten keine zusätzlichen Pausen. Das Gendern war nicht das einzige Gesprächsthema rund um Brugger, aber es tauchte immer wieder auf und hielt sich hartnäckig im Thread.
Einige reagierten spöttisch: „Gibt’s ein Fleißsternchen fürs brave Gendern?“. Andere blieben bei knappen Kommentaren wie: „Jetzt gendert die auch noch“. Und es gab Kritik an der Konsequenz: Entweder solle man einen Text komplett durchgendern – oder es eben lassen.
Die Debatte schwappt zu Instagram über
Auch unter Bruggers Instagram-Posts blieb es nicht ruhig. Ein Nutzer kam sichtbar mit einer Mission und erklärte, diese Art zu gendern sei unprofessionell und „nicht mehr zeitgemäß“. Darauf folgten gemischte Reaktionen: Einige nickten kurz ab, andere widersprachen deutlich und teils sehr scharf.
Mehrere Stimmen betonten, ihnen habe die Moderation gerade deshalb gefallen, weil sie inklusiv wirkte. Außerdem fiel der Satz, Inklusivität sei keine Mode für eine Saison und sicher nichts, das „aus der Zeit gefallen“ sei. Am Ende wurde eine sprachliche Nuance plötzlich zu einer Art Stresstest – für die Kommentarspalten und für die Toleranz vieler Zuschauerinnen und Zuschauer.
Hazel Brugger spielt seit Jahren mit dem Thema – und es passt zu ihr
Für Hazel Brugger sind solche Kontroversen nichts Neues. Sie hat das Thema gendergerechte Sprache schon früher aufgegriffen und scheint mit Zustimmung genauso gut leben zu können wie mit Gegenwind – beides sorgt für Wirkung, und genau diese Wirkung gehört zu ihrem Markenzeichen.
Als Beispiel wird ein Instagram-Video genannt, das ZDF vor einigen Monaten veröffentlichte. Darin erklärt Brugger, warum Gendern für sie wichtig ist, und räumt zugleich ironisch ein, dass sie die heftigen Reaktionen mancher Menschen auf Pausen, Sternchen oder Doppelpunkte auch als Steilvorlage für Humor sieht. Das passt zu ihrem öffentlichen Bild: jemand, der heikle Themen nicht umschifft, sondern sie auf die Bühne und in den Live-Moment holt.
Während auf X parallel auch andere Aspekte der Show diskutiert wurden – darunter der Auftritt einer „Schlager-Legende“ beim Vorentscheid – schaffte es Brugger an diesem Abend, dass die Debatte über den ESC-Vorentscheid weit über Musik hinausging.
Wer am Ende gewonnen hat und warum die Show als Quotenrekord gilt, erklären wir in unserem Artikel über Sarah Engels.
