Stiftung Warentest hat wieder Olivenöle unter die Lupe genommen, die in den Läden besonders häufig im Einkaufswagen landen, berichtet timestuff.de unter Berufung auf sol.de. Das Ergebnis fällt eher ernüchternd aus: Von 25 Proben wurden nur vier als wirklich empfehlenswert eingestuft, acht fielen mit der Bewertung „mangelhaft“ durch. Der Rest landet überwiegend im Mittelfeld – solide, aber ohne echte Stärken bei Geschmack und Aroma.
Olivenöl ist eben nicht nur „Fett für den Salat“: Geruch und Geschmack verraten die Qualität oft schneller als jedes Preisschild.
Das Wichtigste aus dem Test auf einen Blick
- 25 Olivenöle im Test: große Marken und günstige Supermarkt-Eigenmarken
- Rund ein Drittel erhielt „mangelhaft“ (das sind 8 Proben)
- Nur 4 Öle in der höchsten Kategorie „nativ extra“ wurden vom Magazin klar empfohlen
- Preise (Stand: November 2025): Keines der empfohlenen Öle war unter 10 € pro Liter zu bekommen
„Für viele klingt ‘extra nativ’ wie eine Garantie. Der Test zeigt aber: Das Etikett ist nicht das Ziel – sondern erst der Start der Prüfung.“
Wer ist die Nummer 1? Der Testsieger von Alnatura

Platz eins im Ranking ging an Alnatura. Das Bio-Olivenöl erhielt die Gesamtnote 2,3 („gut“)
und überzeugte besonders bei:
- Sensorik (Geschmack und Geruch)
- Handhabung der Verpackung (Nutzung, Dosierung)
Bei Schadstoffen und Deklaration kam das Öl dagegen nur auf „befriedigend“. Der ungefähre Ladenpreis lag bei 6,99 € pro Flasche.
Wichtig dabei: Selbst der Testsieger war nicht in allen Punkten „perfekt“.
„Bertolli Originale“ ebenfalls unter den „Guten“
Unter den empfohlenen Ölen findet sich auch der bekannte Bestseller „Bertolli Originale“ mit der Note 2,5 („gut“)
Besonders positiv fielen auf:
- chemische Qualität
- Verpackung
- Sensorik
Supermarkt-Eigenmarken: meist nur solides Mittelfeld
Viele Eigenmarken (u. a. von Edeka, dm, Rewe) waren im Test vertreten. Die meisten blieben jedoch bei „befriedigend“ hängen – ohne klare Vorteile.
Der Hauptkritikpunkt ist simpel: Geruch und Geschmack erreichten nicht das Niveau, das man sich von einem wirklich guten Olivenöl wünscht.
„Geschmack macht die Hälfte der Note aus. Wirkt ein Öl ‘flach’ oder zeigt sensorische Fehler, verliert es selbst dann, wenn es im Labor keine großen Ausreißer gibt.“
„Mangelhaft“: Welche Probleme bei den Durchfallern auffielen

Acht Öle bekamen „mangelhaft“. Genannt wurden darunter zwei Olivenöle von Aldi sowie Eigenprodukte von Netto und Rossmann.
Was konkret negativ auffiel:
- bei einigen Proben deutliche sensorische Mängel: scharf, „muffig“, ranzig oder sogar schimmelig wirkend
- in drei Fällen wurden Mineralölbestandteile festgestellt (MOSH/MOAH-ähnliche Komponenten)
- in einem Fall fand man einen Weichmacher (plastifizierende Substanz)
Für Verbraucher heißt das: Selbst wenn eine Flasche „normal“ wirkt, kann der Inhalt unangenehm überraschen.
„Nativ extra“ und „nativ“: Was diese Klassen wirklich bedeuten
Im Test entsprachen 24 von 25 Ölen der Klasse „nativ extra“, eines lag bei „nativ“.
- Nativ extra (extra virgin): darf keine Fehler bei Geruch und Geschmack haben
- Nativ (virgin): leichte sensorische Mängel sind erlaubt
Zusatz: 11 Proben trugen ein Bio-Siegel – aber „bio“ allein garantiert nicht automatisch Top-Sensorik.
So wurde bewertet: Gewichtung der Kriterien
Den größten Einfluss hatte die Sensorik – sie macht die Hälfte der Gesamtnote aus.
| Kriterium | Anteil an der Gesamtnote |
|---|---|
| Sensorik (Geschmack/Geruch) | 50% |
| Schadstoffe | 20% |
| Deklaration/Kennzeichnung | 15% |
| Chemische Qualität | 10% |
| Verpackung/Handhabung | 5% |
Darum kann ein Öl chemisch „okay“ sein – und trotzdem wegen Aroma und Nachgeschmack verlieren.
Praktischer Guide: So findest du ein gutes Olivenöl – ohne „Durchschnittsgriff“

1) Auf Flasche & Lagerung achten
- besser dunkles Glas oder Metall
- nicht im Laden direkt unter Licht/Hitze wählen
- nach dem Öffnen: fest verschließen und weg vom Herd lagern
2) Nach „Frische“ schauen – nicht nur nach „extra nativ“
Hilfreich auf dem Etikett:
- Abfülldatum / Chargennummer
- Herkunftsland (oder ein transparenter Mix)
- klare Angaben zum Hersteller/Importeur
3) Geschmack ist der beste Schnelltest
Gutes extra virgin hat oft:
- eine leichte Bitterkeit
- ein kurzes Kratzen/Pfeffrigkeit im Hals (Hinweis auf Polyphenole)
- Aromen wie Kräuter, Grün, Mandel oder Tomate (je nach Sorte)
Kommentar eines Verkosters (sinngemäß): „Schmeckt ein Öl nach ‘nichts’ oder erinnert an alte Nüsse, haben Frische oder Lagerung wahrscheinlich gelitten.“
4) Preis als Hinweis – aber ohne Dogma
Der Test zeigt eine Tendenz: Die empfohlenen Öle lagen nicht im Billigsegment (umgerechnet pro Liter). Trotzdem gilt: Teuer ist nicht automatisch gut – entscheidend sind Produzent, Charge und Lagerung.
Passend dazu lohnt sich auch ein Blick auf unseren Artikel zur Wormland-Insolvenz, bei der rund 250 Jobs betroffen sind.
