Dyson baut Staubsauger, Haartrockner und Luftreiniger. Seit dem 1. September 2026 gehört plötzlich auch eine elektrische Zahnbürste zum Sortiment. Doch die neue CameraJet ist kein gewöhnlicher Versuch, einfach noch eine Premium-Zahnbürste auf den Markt zu bringen. Unterhalb ihres Bürstenkopfs sitzt eine kleine Kamera, die während des Putzens nach Zahnzwischenräumen sucht – und genau dort automatisch einen Flüssigkeitsstrahl auslösen kann, berichtet timestuff.de.
Das klingt zunächst nach einem Technik-Gimmick. Hinter der ungewöhnlichen Konstruktion steckt aber eine durchaus interessante Idee: Zähneputzen und die Reinigung der Zwischenräume sollen nicht mehr zwei vollständig getrennte Schritte sein.
In Deutschland startet die Dyson CameraJet für 479 Euro. Zum Marktstart am 1. September wird das System unter anderem mit zwei Bürstenköpfen, Reiseetui, Zahnpasta und Mundspülung angeboten, wie CHIP zum Deutschlandstart der CameraJet berichtet.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob die CameraJet technisch außergewöhnlich ist. Sondern ob all diese Technik die tägliche Zahnpflege tatsächlich einfacher macht.
Die Kamera sucht beim Putzen nach den Lücken zwischen den Zähnen
Das Herzstück nennt Dyson Gap Optical Targeting. Direkt unter dem Bürstenkopf befindet sich eine Makrokamera mit 100.000 Pixeln.
Sie analysiert laut Hersteller 28 Bilder pro Sekunde. Das System soll daraus erkennen, wann sich der Bürstenkopf über einem Zahnzwischenraum befindet. Genau diese technischen Daten nennt Dyson auf seiner offiziellen deutschen Seite zur CameraJet.
Wird ein Zwischenraum erkannt, passiert etwas, das bei einer normalen elektrischen Zahnbürste fehlt: Das Gerät kann einen gezielten, konisch geformten Flüssigkeitsstrahl abgeben.

Der Nutzer muss also nicht jeden Zahnzwischenraum separat mit einer klassischen Munddusche anvisieren – die CameraJet soll das Zielen während des Putzens übernehmen.
Dyson bezeichnet das Konzept als automatische Präzisionsreinigung zwischen den Zähnen. Auch TechRadar beschreibt nach einem einwöchigen Praxistest, dass die 100.000-Pixel-Makrokamera die Zwischenräume in Echtzeit erkennt und dadurch den Flüssigkeitsstrahl auslösen kann.
Im Griff steckt praktisch eine kleine Munddusche
Die CameraJet kombiniert mehrere Funktionen, die normalerweise auf unterschiedliche Geräte verteilt sind.
- eine elektrische Schallzahnbürste,
- eine gezielte Flüssigkeitsreinigung für Zahnzwischenräume,
- eine Intraoralkamera,
- Sensoren und Software zur Erkennung der Putzposition,
- eine Verbindung zur MyDyson-App.
Der entscheidende Unterschied zu einer klassischen Munddusche liegt dabei weniger im Wasserstrahl selbst als in dessen Steuerung. Eine normale Munddusche muss bewusst entlang der Zahnzwischenräume geführt werden. Dyson versucht dagegen, diesen Vorgang in das normale Putzen zu integrieren.
Man führt die Bürste über die Zähne – und die Technik soll erkennen, wann der nächste Zwischenraum erreicht ist.
Auf dem Smartphone sieht man plötzlich den eigenen Mund von innen
Die Kamera dient aber nicht nur der Erkennung der Zahnzwischenräume.
Über die MyDyson-App kann sie auch als eine Art kleines digitales Mundspiegel-System genutzt werden. Nutzer können ein Livebild sehen und dadurch Bereiche betrachten, die im normalen Badezimmerspiegel praktisch nicht sichtbar sind.
TechRadar konnte diese Funktion bereits praktisch ausprobieren und beschreibt die Kamera als eine Art „dental endoscope“, das sein Bild direkt an die Smartphone-App überträgt.
Zusätzlich soll die App dabei helfen zu erkennen, welche Bereiche gereinigt wurden und wo möglicherweise noch Lücken in der Putzroutine bestehen.
Das dürfte allerdings eine jener Funktionen sein, an denen sich die Geister scheiden.
Für Technikfans ist ein Livebild der eigenen Zähne vermutlich faszinierend. Andere könnten spätestens beim ersten hochauflösenden Blick auf die hinteren Zahnzwischenräume feststellen, dass nicht jede technische Möglichkeit automatisch angenehm anzusehen ist.
CameraJet macht aus dem Smartphone gewissermaßen einen zweiten Badezimmerspiegel – nur für Stellen, die man normalerweise selbst kaum sehen kann.
Warum normale Zahnpasta plötzlich zum technischen Problem werden kann
Eine Kamera im Mund hat einen ziemlich banalen Gegner: Zahnpastaschaum.
Ist die Linse von dichtem Schaum umgeben, wird es schwieriger, Zahnkonturen und Zwischenräume zuverlässig zu erkennen. Dyson hat deshalb passend zur CameraJet eine nicht schäumende Zahnpasta und eine schaumreduzierte Mundspülung entwickelt.
Diese Kombination bewirbt das Unternehmen ausdrücklich als Teil seines Dental Systems. Die Produkte und das Zubehör sind auf der offiziellen deutschen Dyson-Mundpflege-Seite aufgeführt.
Auch unabhängige Berichte greifen dieses ungewöhnliche Detail auf. Galaxus erklärt beim Blick auf die CameraJet, dass stark schäumende Zahnpasta die Sicht der Kamera behindern kann und Dyson deshalb eigene, darauf abgestimmte Pflegeprodukte entwickelt hat.
Damit wird aus einer simplen Frage wie „Welche Zahnpasta kaufe ich?“ plötzlich ein Teil des technischen Systems.
479 Euro – und der Kaufpreis ist nicht die einzige Ausgabe

Der deutsche Einstiegspreis von 479 Euro macht die CameraJet zu einem ausgesprochen teuren Mundpflegeprodukt.
Laut CHIP besteht das deutsche Startpaket aus der CameraJet, zwei Standard-Bürstenköpfen, Reisehülle sowie Dyson-Zahnpasta und Mundspülung.
| Merkmal | Dyson CameraJet |
|---|---|
| Deutschlandstart | 1. September 2026 |
| UVP in Deutschland | 479 Euro |
| Kamera | 100.000-Pixel-Makrokamera |
| Analyse | 28 Bilder pro Sekunde |
| Zwischenraumreinigung | automatisch ausgelöster konischer Flüssigkeitsstrahl |
| App | MyDyson |
| Konnektivität | WLAN und Bluetooth |
| Spezielle Pflegeprodukte | schaumfreie Zahnpasta und schaumreduzierte Mundspülung |
Und danach bleiben Verbrauchsmaterialien.
Die Bürstenköpfe müssen regelmäßig ersetzt werden. Hinzu kommen je nach Nutzung Zahnpasta und Mundspülung. Dyson bietet inzwischen eine eigene Zubehör- und Ersatzteilseite für die CameraJet an.
CHIP nennt zum Marktstart beispielsweise 30 Euro für zwei Ersatz-Bürstenköpfe. Die Dyson-Zahnpasta kostet dem Bericht zufolge je nach Variante etwa 10 bis 12 Euro, die Mundspülung beginnt bei rund 10 Euro.
Damit ist die entscheidende Preisfrage nicht nur:
„Ist mir eine Zahnbürste 479 Euro wert?“
Sondern eher:
„Ist mir dieses gesamte Mundpflege-System dauerhaft so viel wert?“
Wie gut funktioniert der Wasserstrahl im echten Badezimmer?
Auf einem Produktbild sieht eine automatisch zielende Munddusche ziemlich elegant aus. Vor einem echten Spiegel kommt allerdings noch ein Faktor dazu: Wasser spritzt.
TechRadar hat die CameraJet eine Woche lang im Alltag getestet und bewertet das Gerät insgesamt mit vier von fünf Punkten.
Die Testerin beschreibt die Reinigung als gründlich und die Technik als beeindruckend. Gleichzeitig nennt sie zwei praktische Nachteile: Die richtige Technik brauche etwas Eingewöhnung und der Jet-Modus könne beim Benutzen durchaus für Spritzer sorgen.
Das ist ein interessantes Detail, denn genau solche Kleinigkeiten entscheiden später oft darüber, ob Menschen eine neue Funktion jeden Morgen tatsächlich verwenden – oder nach zwei Wochen wieder abschalten.
Auch die Kamera erkennt offenbar nicht in jeder Situation sofort alles
Eine Kamera im Mund arbeitet unter deutlich schwierigeren Bedingungen als eine normale Smartphone-Kamera. Licht, Speichel, Bewegung, Zahnpasta und der Winkel des Bürstenkopfes ändern sich ständig.
Das zeigte sich auch bei einem frühen Praxiseindruck von Allure, dessen Redaktion die neue Dyson-Zahnbürste bereits vor dem Marktstart ausprobieren konnte.
Bei einer Testerin funktionierte die automatische Erkennung an den Innenseiten der unteren Zähne zeitweise nicht sofort. Nachdem sie ihre Mundhaltung verändert hatte und mehr Licht an die entsprechende Stelle kam, arbeitete das System wieder.
Das macht CameraJet nicht automatisch zu einem schlechten Produkt. Es zeigt aber einen wichtigen Unterschied zwischen Marketing und Alltag:
Eine Zahnbürste, die „sehen“ kann, braucht offenbar trotzdem Bedingungen, unter denen sie auch etwas zu sehen bekommt.
Kann die CameraJet Zahnseide wirklich ersetzen?

Das ist wahrscheinlich die wichtigste Frage rund um das neue Gerät – und genau hier sollte man vorsichtig werden.
Dyson kann klinische Untersuchungen für das eigene System vorweisen. Auf seiner deutschen Produktübersicht erklärt der Hersteller, dass bestimmte Ergebnisse nach vier Wochen und bei zweimal täglicher Anwendung untersucht wurden.
Der entscheidende Punkt steht allerdings im Kleingedruckten: Ein zentraler Vergleich erfolgte mit einer Handzahnbürste.
Das beantwortet noch nicht die spannendere Verbraucherfrage, wie die CameraJet gegen eine hochwertige elektrische Zahnbürste plus korrekt verwendete Zahnseide oder Interdentalbürsten abschneidet.
Genau auf diese Einschränkung weist auch Allure bei der Einordnung der bislang verfügbaren Daten hin. Die Redaktion hält fest, dass zum Marktstart noch nicht ausreichend Langzeitdaten vorliegen, um zu zeigen, dass die CameraJet einer wesentlich günstigeren elektrischen Zahnbürste zusammen mit klassischer Interdentalpflege dauerhaft überlegen ist.
Auch nach dem einwöchigen Test von TechRadar war die Autorin noch nicht bereit, ihre Zahnseide endgültig wegzulegen.
„CameraJet besitzt einen Wasserstrahl“ ist also eine Tatsache. „CameraJet macht Zahnseide überflüssig“ wäre derzeit eine deutlich zu starke Schlussfolgerung.
Was Zahnärzte weiterhin für die Zwischenräume empfehlen
Auch die aktuellen Empfehlungen in Deutschland sollte man bei einem fast 500 Euro teuren Gerät nicht ignorieren.
Die Bundeszahnärztekammer erklärt zur Reinigung der Zahnzwischenräume, dass Zahnseide, Interdentalbürsten und andere Hilfsmittel eine sinnvolle Ergänzung zum Zähneputzen darstellen.
Der Grund ist einfach: Eine normale Zahnbürste erreicht nicht alle Zahnflächen. Gleichzeitig können Karies und Parodontitis gerade in schlecht zugänglichen Zwischenräumen entstehen.
Bei engen Zahnzwischenräumen kann Zahnseide sinnvoll sein. Bei größeren beziehungsweise offenen Zwischenräumen werden häufig Interdentalbürsten empfohlen.
CameraJet sollte deshalb zum Marktstart eher als neue Form der unterstützten Zwischenraumreinigung betrachtet werden – nicht als bereits bewiesener universeller Ersatz für jede andere Methode.
Für wen könnten sich 479 Euro trotzdem lohnen?
Trotz des hohen Preises gibt es eine Zielgruppe, für die Dysons Konzept interessant sein könnte.
- Technikfans, die App-Funktionen und neue Sensorik tatsächlich benutzen.
- Menschen, denen eine klassische Munddusche zu umständlich ist.
- Nutzer, die beim Putzen häufig Bereiche vergessen und von visuellem Feedback profitieren.
- Käufer, die Zahnbürste und Flüssigkeitsreinigung möglichst in einem Gerät kombinieren möchten.
- Menschen, für die der hohe Kaufpreis und die späteren Verbrauchskosten keine entscheidende Rolle spielen.
Weniger überzeugend wirkt der Kauf für jemanden, der bereits mit einer guten elektrischen Zahnbürste, Interdentalbürsten oder Zahnseide zuverlässig zurechtkommt.
Denn für diesen Nutzer muss Dyson nicht beweisen, dass CameraJet interessant ist. Dyson muss beweisen, dass sie fast 500 Euro interessant ist.
Das eigentlich Spannende an CameraJet ist nicht einmal die Kamera
Eine Kamera in einer Zahnbürste liefert natürlich die bessere Schlagzeile. Langfristig könnte aber etwas anderes wichtiger sein.
Dyson versucht, einen Teil der Verantwortung beim Zähneputzen von der Person auf Sensoren und Software zu übertragen.
Bei einer herkömmlichen Routine muss der Nutzer selbst daran denken:
- alle Zahnflächen zu erreichen,
- nicht zu viel Druck auszuüben,
- die Zahnzwischenräume separat zu reinigen,
- die richtige Stelle mit Zahnseide oder Munddusche zu treffen.
CameraJet verfolgt eine andere Idee: Das Gerät beobachtet den Putzvorgang, erkennt einen Zwischenraum und reagiert darauf selbst.
Genau daran dürfte sich entscheiden, ob Dysons erster Ausflug in die Mundpflege nur ein spektakuläres Premium-Gadget bleibt – oder tatsächlich zeigt, wohin sich elektrische Zahnbürsten in den nächsten Jahren entwickeln.
Zum Verkaufsstart ist die CameraJet ohne Zweifel ungewöhnlich. Erste unabhängige Tests fallen insgesamt positiv aus, zeigen aber auch kleine Schwächen und vor allem eine offene Frage: Rechtfertigt der praktische Vorteil wirklich 479 Euro plus Folgekosten?
Die Kamera kann bereits sehen. Der Wasserstrahl kann bereits automatisch reagieren. Ob Verbraucher darin eine neue Normalität der Zahnpflege sehen oder nur Dysons bisher teuerste Antwort auf Zahnseide, muss sich erst noch zeigen.
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