BioNTech stellt sich nach dem starken Rückgang der Nachfrage nach COVID-19-Impfstoffen neu auf, berichtet timestuff.de unter Berufung auf spiegel.de. Das Mainzer Unternehmen beendet die Impfstoffproduktion in Deutschland, überträgt die Herstellung an Pfizer und lenkt seine Mittel stärker in die Entwicklung von Krebsmedikamenten.
BioNTech beendet Impfstoffproduktion in Deutschland
BioNTech, das während der Pandemie mit seinem Corona-Impfstoff weltweit bekannt wurde, setzt nun auf einen harten Sparkurs. Das Unternehmen aus Mainz stellt die Produktion von Covid-Impfstoffen in Deutschland ein und schließt fast alle heimischen Produktionsstandorte. Von dem Umbau könnten bis zu 1860 Arbeitsplätze betroffen sein.
Während der Pandemie verdiente BioNTech Milliarden mit seinem Impfstoff gegen das Coronavirus. Nach dem Ende der akuten Krisenphase ist die Nachfrage nach solchen Präparaten jedoch deutlich gesunken. Deshalb richtet das Unternehmen seinen Fokus nun stärker auf Medikamente gegen Krebs und andere schwere Erkrankungen.
Dieser Kurswechsel kostet viel Geld und verändert die Struktur des Konzerns grundlegend. BioNTech reduziert Ausgaben dort, wo frühere Produktionskapazitäten nicht mehr gebraucht werden. Aus dem Impfstoff-Pionier der Pandemie soll Schritt für Schritt ein breiter aufgestelltes Pharmaunternehmen mit Schwerpunkt Onkologie werden.
Herstellung von Covid-Impfstoffen geht an Pfizer

Die Produktion von Impfstoffen gegen COVID-19 soll vollständig an den US-Partner Pfizer übergehen. Eine Sprecherin von BioNTech erklärte gegenüber Reuters, dass die letzten Impfstoffchargen in Deutschland noch im Laufe dieses Jahres hergestellt werden. Danach endet die Produktionsrolle der deutschen Standorte im Covid-Geschäft faktisch.
Im Rahmen der Restrukturierung schließt BioNTech die Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur. Auch Standorte des übernommenen Tübinger Konkurrenten CureVac sind von den Plänen betroffen. In Deutschland bleiben nach dem Umbau neben dem Hauptsitz in Mainz nur Berlin und München als reine Bürostandorte erhalten.
Für BioNTech ist das ein deutlicher Einschnitt, weil gerade die Impfstoffproduktion den Konzern während der Pandemie international sichtbar gemacht hatte. Nun zieht das Unternehmen die Konsequenzen aus einem Markt, der sich nach dem Corona-Boom stark verändert hat. Die frühere Sonderkonjunktur im Impfstoffgeschäft trägt die bisherigen Strukturen nicht mehr.
Schließungen sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein
Die Schließungen der betroffenen Standorte sollen bis Ende 2027 abgeschlossen werden. Für einige Werke prüft BioNTech Verkaufsoptionen, um die Folgen für Beschäftigte abzumildern und den direkten Stellenabbau zu begrenzen. Trotzdem bleibt der Schritt radikal, weil es nicht um eine kleine Anpassung, sondern um einen kompletten Rückzug aus zentralen Produktionsstrukturen geht.
Bereits zuvor hatte BioNTech angekündigt, innerhalb von zwei Jahren rund 950 bis 1350 Vollzeitstellen abzubauen. Wie viele Beschäftigte das Unternehmen inzwischen verlassen haben, ist offen. Mit den nun geplanten Standortschließungen steigt die Zahl der potenziell betroffenen Arbeitsplätze auf bis zu 1860.
Die Entscheidung zeigt, wie stark sich BioNTech vom Geschäftsmodell der Pandemiezeit entfernt. Die Produktion, die einst ein Symbol für den schnellen wissenschaftlichen Erfolg war, verliert im Konzern an Bedeutung. Stattdessen fließt die Aufmerksamkeit nun in Forschungsbereiche, die langfristig neue Einnahmequellen sichern sollen.
Einsparungen fließen in Krebsmedikamente
Nach Abschluss der Restrukturierung rechnet BioNTech ab 2029 mit jährlichen Einsparungen von rund 500 Millionen Euro. Dieses Geld soll vollständig in die Entwicklung von Krebsmedikamenten fließen. Bis 2030 will sich das Unternehmen zu einem führenden Anbieter im Bereich Onkologie entwickeln.
Der neue Schwerpunkt erklärt, warum BioNTech sein früheres Kerngeschäft so deutlich zurückfährt. Die Entwicklung von Krebsmedikamenten ist teuer, risikoreich und kann viele Jahre dauern. Gleichzeitig sieht das Unternehmen dort offenbar deutlich größere Zukunftschancen als im schrumpfenden Markt für Covid-Impfstoffe.
Die hohen Forschungskosten belasten BioNTech bereits spürbar. Das Unternehmen hatte das vergangene Jahr mit einem Milliardenverlust abgeschlossen und zuletzt sinkende Umsätze verzeichnet. Der Umbau soll deshalb nicht nur Kosten senken, sondern auch finanziellen Spielraum für die nächste strategische Phase schaffen.
Was BioNTech für 2026 erwartet

Für 2026 erwartet BioNTech Erlöse zwischen 2,0 und 2,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen rechnet sowohl in Europa als auch in den USA mit geringeren Einnahmen aus dem Geschäft mit Covid-Impfstoffen. Gleichzeitig wird für die Impfsaison 2026/27 die Entwicklung eines an neue Varianten angepassten Covid-19-Impfstoffs vorbereitet.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der angekündigte Abschied der Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci. Laut dem vorliegenden Material sollen sie BioNTech spätestens Ende dieses Jahres verlassen. Für das Unternehmen bedeutet das nicht nur eine finanzielle Neuordnung, sondern auch das Ende einer prägenden Ära.
BioNTech steht damit vor einem tiefen Wandel. Der Konzern, der während der Pandemie durch einen wissenschaftlichen Durchbruch groß wurde, versucht nun, sich dauerhaft als Pharmaunternehmen mit starkem Fokus auf Krebsmedizin zu positionieren. Ob dieser Schritt gelingt, wird sich nicht an den Einsparungen allein zeigen, sondern vor allem an den Erfolgen der neuen Medikamentenpipeline.
Mehr zu dramatischen Fällen im Ausland lesen Sie in unserem Beitrag über den Kajak-Unfall nahe Neapel, bei dem ein deutscher Tourist erst nach stundenlanger Suche entdeckt wurde.
