„Deutschland sucht den Superstar“ steht erneut unter Druck: Die RTL-Castingshow hat am Dienstagabend den bislang schwächsten Zuschauerwert des Jahres eingefahren, berichtet timestuff.de unter Berufung auf dwdl.de. Besonders bitter ist der Rückgang in der klassischen Zielgruppe, in der DSDS früher einmal zu den stärksten TV-Marken Deutschlands gehörte.
Schon in den vergangenen Wochen wurde deutlich, dass der frühere Glanz der Show deutlich verblasst ist. Die aktuelle Staffel läuft in einer kompakteren Form, doch nicht nur das Format wirkt verschlankt — auch die Reichweite fällt inzwischen spürbar kleiner aus.
Für RTL kommt der Rückgang zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Gerade die Liveshows gelten traditionell als besonders kritische Phase, weil sie oft weniger Publikum anziehen als die aufgezeichneten Castings.
DSDS erreicht nur noch 1,30 Millionen Zuschauer
Die jüngste Ausgabe von DSDS kam insgesamt auf 1,30 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer. Damit lief es für die Show so schwach wie noch nie in diesem Jahr.
Noch deutlicher wird das Problem beim Blick auf die werberelevante Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Dort schalteten lediglich 220.000 Menschen ein. Der Marktanteil lag bei 7,9 Prozent — ein Wert, der für eine große RTL-Primetime-Show klar enttäuschend ist.
„DSDS lebt noch immer von seinem bekannten Namen, aber der Automatismus früherer Jahre funktioniert nicht mehr“, ordnet ein Medienbeobachter die Entwicklung ein. „Das Publikum entscheidet heute schneller, ob ein Format wirklich noch relevant wirkt.“
Champions League als starker Konkurrent am Dienstagabend

Ganz ohne Erklärung kommt der Rückgang allerdings nicht. DSDS musste am Dienstagabend gegen die Champions-League-Übertragung bei Prime Video antreten. Gerade Fußballspiele mit internationaler Beteiligung können dem klassischen TV spürbar Publikum entziehen.
Trotzdem bleibt der Befund für RTL unangenehm: Selbst mit starker Konkurrenz hätte eine etablierte Marke wie DSDS früher deutlich stabilere Werte geliefert.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
| Format | Zuschauer gesamt | Zielgruppe 14–49 | Marktanteil 14–49 |
|---|---|---|---|
| DSDS | 1,30 Mio. | 220.000 | 7,9 % |
| Sing meinen Song | 1,16 Mio. | — | 12,0 % |
| TV Total | 880.000 | — | 9,2 % |
| Experte für alles | 330.000 | — | 5,2 % |
Erweiterte Zielgruppe zeigt ebenfalls Rückgang
RTL richtet den Blick inzwischen stärker auf die erweiterte Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen. Doch auch dort musste DSDS Verluste hinnehmen. In dieser Altersgruppe sahen 520.000 Zuschauerinnen und Zuschauer zu — rund 200.000 weniger als in der Vorwoche.
Der Marktanteil lag bei 9,3 Prozent und damit nur knapp unter dem vorherigen Wert von 9,9 Prozent. Das klingt auf den ersten Blick stabiler, ändert aber nichts daran, dass die absolute Reichweite klar zurückging.
Genau dieser Punkt dürfte RTL besonders beschäftigen: Ein Marktanteil kann solide aussehen, während die tatsächliche Zahl der erreichten Menschen sinkt.
Vox schlägt RTL mit „Sing meinen Song“

Während DSDS schwächelte, konnte Vox mit „Sing meinen Song“ erneut zeigen, dass Musikshows im Fernsehen durchaus noch funktionieren können. Das Format erreichte insgesamt 1,16 Millionen Menschen und lag in der klassischen Zielgruppe bei starken 12,0 Prozent Marktanteil.
Damit war „Sing meinen Song“ bei den Privatsendern die erfolgreichere Musikshow des Abends. Auch in der erweiterten Zielgruppe überzeugte Vox mit 9,2 Prozent Marktanteil.
„Das Problem ist nicht das Genre Musikshow an sich“, heißt es aus Branchenkreisen. „Vox wirkt mit seinem Format emotionaler, moderner und weniger abhängig von Nostalgie. DSDS dagegen kämpft stärker mit seinem eigenen Erbe.“
Warum DSDS an Strahlkraft verliert
Der Rückgang der Quoten ist kein Zufall, sondern Teil einer längeren Entwicklung. DSDS war jahrelang eines der wichtigsten Unterhaltungsformate im deutschen Fernsehen. Inzwischen hat sich der Markt jedoch deutlich verändert.
Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle:
- Streaming-Konkurrenz: Viele Zuschauer verbringen den Abend inzwischen bei Netflix, Prime Video, Disney+ oder YouTube.
- Formatmüdigkeit: Castingshows haben ihren Überraschungseffekt weitgehend verloren.
- Jüngeres Publikum wandert ab: Gerade die für RTL wichtige junge Zielgruppe schaut immer seltener lineares Fernsehen.
- Starke Konkurrenz am Abend: Sport, Serien und Shows verteilen das Publikum auf mehr Plattformen.
- Imageproblem: DSDS wird von vielen noch immer mit früheren TV-Jahren verbunden, wirkt aber nicht mehr automatisch wie ein Pflichttermin.
Zuschauer reagieren gemischt auf die Entwicklung

Auch unter TV-Fans wird die aktuelle Stärke von DSDS unterschiedlich bewertet. Einige bleiben der Sendung aus Gewohnheit treu, andere sehen die Show nur noch gelegentlich oder gar nicht mehr.
„Früher war DSDS ein Ereignis, über das am nächsten Tag alle gesprochen haben. Heute bekommt man oft nur noch nebenbei mit, wer überhaupt dabei ist“, kommentiert ein langjähriger Zuschauer die Entwicklung.
Gerade dieser Verlust an Gesprächswert ist für ein Format wie DSDS gefährlich. Castingshows leben nicht nur von den TV-Quoten, sondern auch von Social-Media-Diskussionen, viralen Momenten und klar wiedererkennbaren Kandidaten.
ProSieben mit schwächerem „TV Total“, aber solider Lage
Auch ProSieben erwischte keinen perfekten Abend. „TV Total“ kam mit Sebastian Pufpaff auf 880.000 Zuschauerinnen und Zuschauer. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erreichte die Sendung 9,2 Prozent Marktanteil.
Das ist für „TV Total“ eher unterdurchschnittlich, aber noch kein ernstes Problem. Die Show liegt normalerweise häufiger im zweistelligen Bereich, bleibt für ProSieben aber weiterhin ein stabiles Format.
Schwächer sah es danach aus: „Experte für alles“ fiel im Anschluss auf nur noch 330.000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Der Marktanteil in der klassischen Zielgruppe betrug 5,2 Prozent.
Was die DSDS-Quoten für RTL bedeuten
Für RTL ist der aktuelle Rückgang mehr als nur eine schlechte Tagesform. DSDS ist weiterhin eine bekannte Marke, doch die Zahlen zeigen, dass Bekanntheit allein nicht mehr reicht.
Die zentrale Frage lautet nun: Kann RTL das Format noch einmal so modernisieren, dass es wieder stärkeres Publikum erreicht? Oder bleibt DSDS vor allem ein nostalgischer Name, der zwar noch Aufmerksamkeit bekommt, aber nicht mehr die frühere Marktmacht besitzt?
„RTL muss entscheiden, ob DSDS weiter als große Eventshow erzählt werden kann oder ob das Format künftig kleiner gedacht werden muss“, sagt ein TV-Analyst. „Die aktuellen Zahlen sprechen eher für eine schwierige Übergangsphase.“
Auch Serienfans finden bei uns den passenden Überblick, etwa zu „The Boys“ Staffel 5 Folge 5 mit Release, Uhrzeit und Streaming-Infos.
