Hollywood hat eine seiner letzten großen Schauspielerinnen aus der klassischen Ära verloren. Eva Marie Saint ist im Alter von 102 Jahren gestorben. Die Oscar-Preisträgerin, die mit Marlon Brando in „Die Faust im Nacken“ und mit Cary Grant in Alfred Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ Filmgeschichte schrieb, starb am Dienstag, dem 6. Oktober 2026, in ihrem Haus in Los Angeles, berichtet timestuff.de.
Ihr Familienvertreter Jeff Sanderson bestätigte den Tod der Schauspielerin. Nach Angaben ihres Sprechers starb Saint eines natürlichen Todes und war dabei von ihrer Familie und Menschen, die ihr nahestanden, umgeben. Darüber berichten unter anderem die Associated Press und die deutsche Tagesschau.
Eva Marie Saint gehörte zu jener Generation von Hollywoodstars, deren berühmteste Rollen längst Filmgeschichte waren, während sie selbst noch immer öffentlich auftrat und über ihre Arbeit sprach.
Woran ist Eva Marie Saint gestorben?
Nach Angaben ihres Vertreters starb Eva Marie Saint eines natürlichen Todes. Eine Erkrankung oder ein Unfall als Todesursache wurden nicht genannt. Die Schauspielerin befand sich zum Zeitpunkt ihres Todes in ihrem Zuhause in Los Angeles.
- Name: Eva Marie Saint
- Geboren: 4. Juli 1924 in Newark, New Jersey
- Gestorben: 6. Oktober 2026 in Los Angeles
- Alter: 102 Jahre
- Todesursache: natürliche Ursachen
- Bekannt für: „Die Faust im Nacken“, „Der unsichtbare Dritte“, „Exodus“, „Superman Returns“
Saint hatte ihren 100. Geburtstag erst im Juli 2024 gefeiert. Ihre Karriere erstreckte sich über mehrere Generationen von Kino und Fernsehen – von der großen Hollywood-Ära der 1950er-Jahre bis zu modernen Produktionen des 21. Jahrhunderts.
Mit ihrem ersten Kinofilm gewann sie sofort einen Oscar

Bemerkenswert ist vor allem, wie ungewöhnlich ihre Filmkarriere begann. Eva Marie Saint hatte bereits fürs Fernsehen und am Theater gearbeitet, als Regisseur Elia Kazan sie für „On the Waterfront“ verpflichtete. In Deutschland ist der Film unter dem Titel „Die Faust im Nacken“ bekannt.
Saint spielte Edie Doyle, die Schwester eines ermordeten Hafenarbeiters. Ihr Filmpartner war Marlon Brando als Terry Malloy. Es war Saints erster Kinofilm – und die Rolle brachte ihr unmittelbar einen Oscar ein.
Bei den Academy Awards 1955 wurde Eva Marie Saint als beste Nebendarstellerin für „On the Waterfront“ ausgezeichnet.
Die Auszeichnung ist im offiziellen Archiv der Academy of Motion Picture Arts and Sciences dokumentiert. Der Film selbst gewann insgesamt acht Oscars, darunter auch die Preise für Marlon Brando und Regisseur Elia Kazan.
Ein Oscar für das Kinodebüt ist selbst in Hollywood eine Ausnahme – bei Eva Marie Saint wurde er zum Ausgangspunkt einer mehr als sechs Jahrzehnte langen Leinwandkarriere.
„Der unsichtbare Dritte“ machte Eva Marie Saint zur Hitchcock-Ikone
Für viele Zuschauer bleibt Eva Marie Saint jedoch vor allem mit einem anderen Klassiker verbunden: Alfred Hitchcocks „North by Northwest“ von 1959, der in Deutschland als „Der unsichtbare Dritte“ bekannt ist.
Saint spielte Eve Kendall, eine geheimnisvolle Frau, der Cary Grants Figur Roger Thornhill während einer Zugfahrt begegnet. Aus dem scheinbar zufälligen Treffen entwickelt sich eine der zentralen Beziehungen des Thrillers.
Die Rolle unterschied sich deutlich von Saints zurückhaltender Figur in „Die Faust im Nacken“. Hitchcock inszenierte sie bewusst eleganter, kühler und schwerer durchschaubar. Damit entstand eine der bekanntesten Frauenfiguren seiner Filme.
„Der unsichtbare Dritte“ gehört bis heute zu den Werken, mit denen Saints Name am stärksten verbunden wird. Ihre Karriere beschränkte sich allerdings keineswegs auf diese beiden Klassiker.
Diese Filme und Serien prägten ihre Karriere
Nach ihren frühen Erfolgen arbeitete Eva Marie Saint mit zahlreichen bekannten Regisseuren und Schauspielern. Zu ihren wichtigsten Produktionen gehören:
- „Die Faust im Nacken“ (1954) mit Marlon Brando
- „A Hatful of Rain“ (1957)
- „Der unsichtbare Dritte“ (1959) mit Cary Grant
- „Exodus“ (1960) mit Paul Newman
- „36 Hours“ (1964)
- „Grand Prix“ (1966)
- „Nothing in Common“ (1986)
- „Superman Returns“ (2006)
- „Winter’s Tale“ (2014)
Gerade „Superman Returns“ brachte Saint noch einmal einem Publikum näher, das ihre Hollywoodfilme aus den 1950er- und 1960er-Jahren möglicherweise gar nicht kannte. Sie übernahm darin die Rolle von Martha Kent, Supermans Adoptivmutter.
Zu diesem Zeitpunkt war Eva Marie Saint bereits über 80 Jahre alt.
Auch im Fernsehen war Eva Marie Saint erfolgreich
Neben dem Kino spielte das Fernsehen während ihrer gesamten Laufbahn eine wichtige Rolle. Saint stand bereits in der Frühphase des US-Fernsehens vor der Kamera und kehrte später regelmäßig zu TV-Produktionen zurück.
1990 erhielt sie für die Miniserie „People Like Us“ einen Emmy als beste Nebendarstellerin in einer Miniserie oder einem Special. Laut der offiziellen Datenbank der Television Academy kam Saint im Laufe ihrer Karriere auf fünf Emmy-Nominierungen und einen Sieg.
Damit gelang ihr etwas, das bei Stars der klassischen Hollywood-Generation keineswegs selbstverständlich war: Sie blieb nicht auf ihre großen Kinorollen der 1950er-Jahre festgelegt.
Für ihre Familie verzichtete sie bewusst auf manche Hollywood-Chance
Ihre Karriere hätte nach dem Oscar-Gewinn wahrscheinlich noch deutlich schneller verlaufen können. Saint traf jedoch Entscheidungen, die für das damalige Hollywood ungewöhnlich waren. Sie wollte sich nicht vollständig den klassischen Verpflichtungen eines Studios unterordnen und räumte ihrem Privatleben einen hohen Stellenwert ein.
Seit 1951 war sie mit dem Regisseur und Produzenten Jeffrey Hayden verheiratet. Die Ehe hielt 65 Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 2016. Das Paar hatte zwei Kinder.
Saint lehnte deshalb Rollen ab oder reduzierte zeitweise ihre Arbeit vor der Kamera. Die Associated Press beschreibt, wie bewusst sie ihre Karriere immer wieder mit ihrem Familienleben in Einklang brachte.
Saint musste nicht in jedem großen Film ihrer Zeit auftreten, um zu einer der unverwechselbaren Schauspielerinnen ihrer Generation zu werden.
Warum Eva Marie Saint bis heute in Erinnerung bleibt
Ihr Vermächtnis lässt sich nicht allein an der Länge ihrer Karriere messen. Eva Marie Saint war mit mehreren entscheidenden Epochen der amerikanischen Filmgeschichte unmittelbar verbunden.
Sie spielte neben Marlon Brando, Cary Grant und Paul Newman, arbeitete mit Regisseuren wie Elia Kazan, Alfred Hitchcock und Otto Preminger und wechselte später selbstverständlich zwischen Kino und Fernsehen.
Ihr vielleicht größter Erfolg liegt jedoch in zwei Rollen, die auch mehr als 65 Jahre nach ihrer Entstehung noch gezeigt und diskutiert werden. Edie Doyle in „Die Faust im Nacken“ und Eve Kendall in „Der unsichtbare Dritte“ könnten kaum unterschiedlicher sein – gerade deshalb zeigen sie, welche Bandbreite Saint schon am Beginn ihrer Filmkarriere hatte.
Mit Eva Marie Saint ist nicht nur eine 102-jährige Schauspielerin gestorben. Mit ihr verschwindet eine der letzten direkten Verbindungen zu einer Hollywood-Generation, deren Filme längst zu Klassikern geworden sind.
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