Der Tod der Künstlerin Henrike Naumann wenige Wochen vor dem Start der Kunstbiennale in Venedig hat die Kunstszene erschüttert, berichtet timestuff.de unter Berufung auf sueddeutsche.de. Dennoch betont das Team des Deutschen Pavillons: Der Beitrag soll so realisiert werden, wie Naumann ihn konzipiert hat.
Das Pavillon-Team will Naumanns Konzept bis zur Eröffnung umsetzen
Trotz des Verlusts soll der Deutsche Pavillon bei der Biennale in Venedig konsequent der künstlerischen Idee von Henrike Naumann folgen. Die Kuratorin des Deutschen Pavillons, Kathleen Reinhardt, erklärte im Namen des Teams, die Teilnahme an der Biennale sei für Naumann seit Langem ein großer Traum gewesen – und man wolle diesen Traum nun für sie verwirklichen. Für die Arbeit am Projekt heißt das vor allem: Der Kurs bleibt, die Umsetzung orientiert sich am ursprünglichen Konzept.
Nach Angaben des Teams entwickelte Naumann die Ausstellung in den vergangenen Monaten konzeptuell und brachte die Arbeit in den letzten Wochen praktisch zum Abschluss. Bereits im Mai des vergangenen Jahres war sie gemeinsam mit der vietnamesisch-deutschen Künstlerin Sung Tieu ausgewählt worden, den deutschen Beitrag zur internationalen Kunstausstellung zu gestalten. Umso wichtiger ist nun, die Handschrift der Künstlerin zu bewahren und den Pavillon nicht in ein kompromisshaftes „Gedenkprojekt“ zu verwandeln, sondern die geplante Ausstellung zeitgenössischer Kunst konsequent zu realisieren.
Naumann starb zwölf Wochen vor dem Start – die Teilnahme bleibt bestehen

Rund zwölf Wochen vor der Eröffnung starb Henrike Naumann im Alter von 41 Jahren in Berlin. Ihre Familie machte dies am Sonntag öffentlich und nannte als Ursache eine Krebserkrankung, die viel zu spät diagnostiziert worden sei. Für die Biennale ist das ein tragischer Zeitpunkt, weil in dieser Phase üblicherweise die letzten Produktionsentscheidungen fallen und die finale Umsetzung in die entscheidende Runde geht.
Trotzdem sollen die Arbeiten von Henrike Naumann und Sung Tieu wie geplant zur Eröffnung im Mai präsentiert werden. Was das Publikum konkret sehen wird, bleibt bislang offen – Details zur Ausstellung werden derzeit nicht bekanntgegeben. Gleichzeitig deutet der Stand der Vorbereitung darauf hin, dass das Konzept bereits steht und sich das Team nun auf die Realisierung konzentriert, statt das Projekt neu aufzusetzen.
Ihre Installationen waren international präsent – von New York bis Kyjiw
Henrike Naumann wurde im sächsischen Zwickau geboren und lebte und arbeitete in Berlin. Sie galt als außergewöhnliche Position der Gegenwartskunst, weil sie Alltagsgegenstände in präzise künstlerische Aussagen über Zeit, Umfeld und Erinnerung verwandeln konnte. In ihren Installationen kombinierte sie häufig Möbelstücke und Objekte, arbeitete aber ebenso mit Video- und Soundelementen – eine Mischung, die ihre Projekte in der zeitgenössischen Kunst besonders markant machte.
Ihre Werke wurden längst nicht nur in Deutschland gezeigt. Zu den Orten, an denen Ausstellungen ihrer Arbeiten stattfanden, zählen unter anderem New York, Harvard, Warschau, Luxemburg und Kyjiw. Diese internationale Präsenz unterstreicht die Bedeutung ihrer Arbeit – und erklärt, warum die Nachricht von ihrem Tod weltweit so stark nachhallt.
„Schmerzliche Lücke“: Reaktionen von Institutionen und aus dem privaten Umfeld
Das Institut für Auslandsbeziehungen, das für den Deutschen Pavillon zuständig ist, sprach von einer „schmerzhaften Lücke“. Dort betonte man, mit Naumann verliere die deutsche Kunst nicht nur eine wichtige Vertreterin der zeitgenössischen Szene, sondern auch eine warmherzige, wache und hoch engagierte Persönlichkeit. Für die Institution bedeutet das zugleich eine heikle Aufgabe: Das Niveau und die Klarheit des Projekts zu halten, ohne die ursprüngliche Idee zu verwässern.
Naumanns Lebenspartner Clemens Villinger veröffentlichte auf ihrer Website einen „letzten Gruß“. Darin schrieb er, sie habe es geliebt, Kunst zu machen, Ausstellungen aufzubauen und Kunstgeschichte zu studieren und zu schreiben – und sie habe vor Ideen gesprüht. Besonders persönlich klingt die Passage, in der er von ihren Plänen spricht: Naumann habe noch viele Menschen kennenlernen wollen und ihre Tochter aufwachsen sehen.
Die Biennale Venedig läuft vom 9. Mai bis 22. November
Villinger hob außerdem hervor, dass Naumann bis zuletzt Objekte arrangiert habe, um ihr Herzensprojekt – den Deutschen Pavillon in Venedig – zu verwirklichen. Er beschrieb die kommende Ausstellung als Gemeinschaftswerk, das von ihrer künstlerischen Vision angeleitet werde: ein Teamprozess, aber mit einem klaren autorischen Kern. Genau das erklärt auch, warum das Pavillon-Team so entschieden an der Umsetzung festhält – es geht nicht um Routine, sondern um die Vollendung eines Konzepts, das Naumann noch selbst maßgeblich geprägt hat.
Die Kunstbiennale in Venedig zählt zu den wichtigsten internationalen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und findet in diesem Jahr vom 9. Mai bis 22. November statt. Den Deutschen Pavillon gestalteten in der Vergangenheit unter anderem Gerhard Richter, Joseph Beuys, Nam June Paik, Martin Kippenberger und Isa Genzken. Vor diesem Hintergrund wirkte Naumanns Auswahl als konsequenter Schritt – und ihre Geschichte erhält durch ihren frühen Tod eine zusätzliche, schmerzhafte Bedeutung.
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