Einen Tag nach den groß angelegten Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen hat Lufthansa einen harten Einschnitt angekündigt, berichtet timestuff.de unter Berufung auf web.de. Der Konzern reagiert damit auf hohe Kerosinpreise und steigende Kosten, die sich durch anhaltende Arbeitskonflikte und Streiks des fliegenden Personals zusätzlich verschärft haben.
Lufthansa nimmt die ersten Flugzeuge aus dem Betrieb
Besonders stark treffen die Entscheidungen die Airlines Lufthansa und Lufthansa Cityline, die in dieser Woche im Zentrum umfangreicher Streiks des Cockpit- und Kabinenpersonals standen. Nach Angaben des Konzerns sollen die ersten Flugzeuge bereits ab diesem Samstag am Boden bleiben. Lufthansa verbindet diesen Schritt direkt mit den hohen Treibstoffkosten und dem wirtschaftlichen Druck, der durch die anhaltenden Tarifauseinandersetzungen weiter zugenommen hat.
Im ersten Schritt will der Konzern 27 ältere Regionaljets der Cityline vom Typ Canadair CRJ stilllegen. Bei Lufthansa heißt es, diese Maschinen stünden technisch ohnehin kurz vor dem Ende ihrer Einsatzfähigkeit und verursachten im Betrieb vergleichsweise hohe Kosten. Genau deshalb zieht der Konzern die Konsequenzen nun vor und versucht, die Verluste der defizitären Tochter schneller zu begrenzen.
Cityline soll vollständig geschlossen werden
Damit endet der Umbau nicht, denn Lufthansa Cityline soll nach den aktuellen Plänen komplett geschlossen werden. Für die Gruppe ist das keine kleine Flottenanpassung, sondern die Aufgabe eines ganzen Geschäftszweigs. Vor dem Hintergrund der Streiks und der steigenden Kosten wirkt dieser Schritt wie der Versuch, besonders teure und wenig effiziente Strukturen möglichst schnell aus dem System zu nehmen.
Das Unternehmen erklärt, allen Beschäftigtengruppen der Cityline bereits Anschlussbeschäftigungen angeboten zu haben. Gleichzeitig bewerteten die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und Ufo die angebotenen Konditionen für das fliegende Personal als unzureichend. Lufthansa bereitet sich nun auf Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern der Cityline vor, bei denen es um einen Interessenausgleich und einen Sozialplan gehen soll.
Nach den Regionaljets geraten auch Langstreckenflugzeuge unter Druck

Ende Oktober will der Konzern in die nächste Phase des Sparkurses gehen. Dann sollen sechs Langstreckenflugzeuge der Kernmarke Lufthansa vorübergehend aus dem Betrieb genommen werden. Konkret geht es um vier Airbus A340-600 sowie zwei Boeing 747-400, die über die kommende Wintersaison hinweg nicht mehr eingesetzt werden sollen.
Für die Boeing 747-400 ist das allerdings weit mehr als nur eine Pause. Innerhalb des Konzerns gilt dieser Schritt bereits als Beginn des endgültigen Abschieds von diesem Flugzeugtyp, dessen komplette Ausflottung für das kommende Jahr vorgesehen ist. Darüber hinaus plant Lufthansa, zusätzlich rund fünf Mittelstreckenflugzeuge aus der Flotte zu nehmen, sodass sich der Abbau nicht nur auf Langstreckenverbindungen beschränkt.
Hohe Kerosinpreise und Streikkosten treiben den Konzern zum Handeln
Lufthansa begründet die Maßnahmen mit dem starken Anstieg der Kerosinpreise und den finanziellen Belastungen durch die laufenden Arbeitskämpfe. Nach Darstellung des Unternehmens sollen vor allem besonders ineffiziente Flugzeuge vorzeitig aus dem Verkehr gezogen werden, damit weniger Treibstoff am freien Markt zugekauft werden muss. Zugleich betont der Konzern, dass der Kerosinverbrauch der Passagier-Airlines der Lufthansa Group auf Basis des Rohölpreises zu rund 80 Prozent überdurchschnittlich abgesichert sei.
Finanzvorstand Till Streichert bezeichnete die Schritte als unumgänglich. Seinen Worten nach waren Teile dieser Einschnitte ohnehin geplant, die aktuelle Krise habe Lufthansa jedoch dazu gezwungen, die Maßnahmen früher umzusetzen. Damit verlässt der Konzern den vorsichtigen Kurs der schrittweisen Optimierung und setzt auf einen deutlich härteren Umbau von Flotte und Kostenstruktur, um weitere finanzielle Verluste schneller zu begrenzen.
Auch bei Erich Jaeger richtet sich der Blick nun auf die Frage wie es für den Zulieferer aus Hessen und 1.000 Beschäftigte weitergeht.
