Wenn eine alte Katastrophe plötzlich wieder ins Zentrum rückt, bleibt sie nicht bloß Kulisse für einen Kriminalfall, berichtet timestuff.de unter Berufung auf tagesspiegel.de. In „Tatort: Fackel“ wird die Aufarbeitung eines verheerenden Hochhausbrands zu einer dichten, unbequemen Geschichte über Straflosigkeit, politische Verbindungen und den Preis, den Menschen für fremde Entscheidungen zahlen.
Ein Brand, der bis heute nicht vorbei ist
Jahre nach dem verheerenden Feuer in einem Hochhaus, bei dem 13 Menschen ums Leben kamen, wird Kommissar Hamza Kulina, gespielt von Edin Hasanovic, erneut mit dem Fall konfrontiert. Bei einer Mahnwache trifft er auf seine ehemalige Freundin Almila, dargestellt von Seyneb Saleh. Für sie ist die Tragödie nie Vergangenheit geworden, denn sie verlor damals ihre Mutter und kämpft seitdem unermüdlich darum, dass die Verantwortlichen nicht ungeschoren davonkommen.
Das Wohnhaus mit Sozialwohnungen stand damals innerhalb weniger Minuten in Flammen. Als mögliche Ursache rückt billiges Dämmmaterial in den Fokus, das offenbar entgegen den Vorschriften verbaut worden sein könnte. Genau dieser Punkt macht den Fall so brisant, weil es nicht nur um ein Unglück geht, sondern um die mögliche Folge von Sparmaßnahmen auf Kosten von Sicherheit und Menschenleben.
Eine Ermittlung, die gegen Mauern läuft

Die Lage spitzt sich in dem Moment zu, als ein Untersuchungsausschuss, der eigentlich Klarheit bringen und Verantwortliche benennen sollte, erkennbar ins Leere zu laufen droht. Almila bittet Hamza um Hilfe, weil sie nicht mehr daran glaubt, dass das System den Fall aus eigener Kraft ehrlich zu Ende bringen wird. Mit dieser Bitte beginnt eine neue Dynamik, in der die Vergangenheit plötzlich wieder gefährlich nah rückt.
Zusätzliche Fragen wirft der Tod eines Prüfers der Materialstelle auf, der bereits vor Jahren starb. Damals wurde der Fall als Suizid abgelegt, doch Hamza Kulina und seine Kollegin Maryam Azadi, gespielt von Melika Foroutan, haben längst das Gefühl, dass dahinter mehr steckt. Gerade dieser alte Todesfall wird zu einem entscheidenden Baustein in einer Ermittlung, bei der jeder neue Hinweis die Verdachtsmomente weiter verschärft.
Die Spur führt in Wirtschaft und Politik
Nach und nach stoßen die Ermittler auf den Geschäftsführer eines Baustoffkonzerns, gespielt von Stephan Luca. Mit dieser Figur scheint das mutmaßlich gefährliche Dämmmaterial direkt verbunden zu sein, das für Fassaden ein erhebliches Brandrisiko bedeutet haben könnte. Dazu kommt eine auffallend selbstsichere, mondäne Frau, deren Rolle in diesem Geflecht alles andere als zufällig wirkt.
Noch beunruhigender ist, dass die Verbindungen offenbar bis in politische Kreise reichen. Dadurch ist „Tatort: Fackel“ weit mehr als ein klassischer Krimi über die Aufklärung eines alten Falls. Die Geschichte entwickelt sich zu einem düsteren Bild von Korruption, systematischer Abschirmung und einer Wahrheit, die über Jahre unter offiziellen Versionen begraben bleiben kann.
Der Druck wächst mit jeder neuen Erkenntnis
Je näher Kulina und Azadi der Wahrheit kommen, desto stärker wächst der Druck auf sie. Die Bedrohung kommt nicht nur von oben, sondern dringt auch aus dem eigenen Polizeiapparat an sie heran. Genau das verleiht dem Fall eine zusätzliche Schärfe, weil die Ermittler nicht nur gegen äußere Widerstände arbeiten, sondern auch in den eigenen Reihen vorsichtig sein müssen.
Für Hamza ist dieser Fall ohnehin nie eine rein sachliche Polizeiarbeit. Er ist persönlich hineingezogen, als ehemaliger Partner von Almila, als Mensch, der den Schmerz der Hinterbliebenen unmittelbar erlebt, und als jemand, der spürt, wie sehr sich Wut und Ohnmacht über Jahre festsetzen können. Deshalb wirkt seine innere Zerrissenheit hier stärker und unmittelbarer als in einem routinierten Fernsehkrimi.
Mehr als ein Kriminalfall: die Debatte um gefährliche Sanierung

Ein weiterer zentraler Aspekt des Films ist die Diskussion um klimaneutrale Gebäudesanierung. Vor diesem Hintergrund stellt „Tatort: Fackel“ die Frage, welche Risiken von bestimmten Dämmstoffen ausgehen können, wenn Sicherheit hinter Kosten oder politischen Zielen zurücksteht. Dadurch bekommt die Geschichte eine zusätzliche Nähe zur Realität, weil sie Themen aufgreift, die weit über den einzelnen Kriminalfall hinausweisen.
Drehbuchautor Tom Schilling und Regisseur Rick Ostermann erzählen die Handlung nicht nur als spannenden Ermittlungsfall, sondern auch als gesellschaftliches Drama über Verantwortung, Verdrängung und die Folgen für Angehörige. Die Episode bleibt nicht bei der Katastrophe selbst stehen, sondern zeigt auch, was danach kommt: bürokratische Kälte, verschobene Schuld, öffentliches Schweigen und Menschen, die mit ihren Fragen allein gelassen werden.
Eine harte Geschichte ohne tröstliche Antworten
Im Kern geht es in „Tatort: Fackel“ weniger um die einfache Frage, wer am Ende schuldig ist. Vielmehr stellt die Episode die unbequemere Frage, ob ein System überhaupt noch ehrlich ermitteln kann, wenn mächtige Akteure ein Interesse daran haben, dass bestimmte Dinge nie vollständig ans Licht kommen. Der Film zielt damit direkt auf das Vertrauen in Institutionen und darauf, wie viel Gerechtigkeit ein Rechtsstaat in solchen Konstellationen tatsächlich liefern kann.
Die dritte gemeinsame Ermittlung von Kulina und Azadi wirkt deshalb besonders düster und kompromisslos. Aus einem Bauskandal wird hier ein viel größeres Bild von Macht, Einfluss und den Grenzen offizieller Aufklärung. Gerade deshalb hinterlässt diese Folge einen schweren Nachhall, denn Frankfurt erscheint in dieser Geschichte als ein kalter Ort, an dem Wahrheit einen sehr hohen Preis haben kann.
Wo ist „Tatort: Fackel“ zu sehen?
Die neue Folge „Tatort: Fackel“ läuft am Sonntag um 20:15 Uhr in der ARD. Dort können Zuschauer diesen intensiven Krimi sehen, der Brandkatastrophe, Korruption und den Kampf um Gerechtigkeit zu einer ungewöhnlich dichten und beklemmenden Geschichte verbindet.
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