PayPal beginnt das Jahr 2026 mit mehreren Problemen zugleich: ein schwaches Quartal, gerissene Jahresziele und ein überraschend schneller Wechsel an der Spitze, berichtet timestuff.de unter Berufung auf handelsblatt.com. An der Börse kam das nicht gut an – die PayPal-Aktie rutschte direkt zu Handelsbeginn deutlich ab.
CEO-Wechsel bei PayPal nach enttäuschendem Jahresende
Der US-Zahlungsdienst PayPal zieht Konsequenzen aus den jüngsten Zahlen und dem vorsichtigen Ausblick. CEO Alex Chriss, der das Unternehmen seit September 2023 führt, wird abgelöst. Ab März übernimmt Enrique Lores, derzeit noch CEO von HP.
Bis Lores startet, führt Finanzchefin Jamie Miller das Unternehmen übergangsweise. Für PayPal ist das ein klarer Einschnitt, denn so ein Wechsel mitten in einer Umbruchphase passiert nicht ohne Druck von oben. Für viele Beobachter ist es auch ein Signal, dass die Geduld im Aufsichtsrat begrenzt ist.
„Tempo des Wandels“ als Hauptgrund

Der neue Verwaltungsratschef David Dorman begründete den Schritt mit der Geschwindigkeit der Transformation. In den vergangenen zwei Jahren habe es zwar Fortschritte gegeben, doch die Umsetzung sei langsamer gewesen als erwartet. Für den Markt klingt das wie ein Hinweis, dass interne Reformen nicht schnell genug greifen – gerade in einem Umfeld, in dem digitale Zahlungsanbieter aggressiv um Marktanteile kämpfen.
In einfachen Worten: PayPal will schneller werden, und der Verwaltungsrat glaubt, dass dafür ein anderer Kopf an der Spitze nötig ist. Der Wechsel wirkt deshalb weniger wie Kosmetik und mehr wie ein Versuch, die Entwicklung wieder straffer zu steuern. Gleichzeitig steigt damit auch der Erwartungsdruck auf die neue Führung.
Börse reagiert hart: PayPal-Aktie fällt um rund 17 Prozent
Die Anleger reagierten sofort – und deutlich. Im frühen US-Handel verlor die PayPal-Aktie rund 17%. Für ein großes, börsennotiertes Fintech ist das ein sehr heftiger Ausschlag in kurzer Zeit.
Auch HP bekam den Effekt zu spüren: Die HP-Aktie fiel um mehr als 4%. Der Markt preist damit Risiken ein, die mit einem Führungswechsel verbunden sind, und rechnet mit einem stärkeren Fokuswechsel bei HP. Solche Reaktionen zeigen, wie sensibel Investoren auf Management-Entscheidungen in unsicheren Phasen reagieren.
Schwaches viertes Quartal und weniger Schwung bei Online-Checkouts

Die Zahlen für das vierte Quartal blieben unter den Erwartungen der Analysten. Sowohl Gewinn als auch Umsatz lagen unter den Prognosen, und PayPal nennt dafür zwei Hauptgründe: eine schwächere US-Einzelhandelsnachfrage und Belastungen im internationalen Geschäft. Konkret lag der Gewinn je Aktie bei 1,23 US-Dollar, der Umsatz bei 8,68 Milliarden US-Dollar (rund 7,35 Milliarden Euro).
Besonders auffällig ist der Rückgang beim Wachstum der Online-Checkouts, einem wichtigen Wachstumstreiber. Das Plus verlangsamte sich auf 1%, nachdem dieses Segment im Vorjahr noch um 6% gewachsen war. Das ist relevant, weil genau diese Online-Zahlungen den Rhythmus für spätere Einnahmen und Margen mitbestimmen.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick:
- Gewinn je Aktie (Q4): 1,23 US-Dollar
- Umsatz (Q4): 8,68 Mrd. US-Dollar (≈ 7,35 Mrd. Euro)
- Wachstum Online-Checkouts: +1% (Vorjahr: +6%)
- Kursreaktion PayPal: -17%
- Kursreaktion HP: -4%
Vorsichtiger Ausblick für 2026 – und ein verfehltes Ziel trotz Erhöhungen
Auch der Blick nach vorn sorgt nicht für Entspannung. PayPal erklärte in einer Präsentation, dass der Betrag, den das Unternehmen nach Kosten für die Transaktionsabwicklung verdient, im Gesamtjahr 2026 voraussichtlich leicht sinken wird. Schon im Oktober hatte Interimschefin Jamie Miller vor Risiken durch das makroökonomische Umfeld gewarnt – jetzt passt diese Warnung ziemlich genau zum vorsichtigen Ton der Prognose.
Zusätzlich verfehlte PayPal den eigenen Jahreswert beim Gewinn je Aktie. Gemeldet wurden 5,31 US-Dollar, obwohl das Unternehmen im Oktober noch 5,35 bis 5,39 US-Dollar in Aussicht gestellt hatte. Besonders heikel: PayPal hatte den Jahresausblick zweimal angehoben, zuerst im Juli und dann erneut im Oktober, und lag am Ende trotzdem darunter.
„Es gab Fortschritte, aber Tempo des Wandels und Umsetzung entsprachen nicht den Erwartungen.“ – David Dorman
Banklizenz in den USA: Fokus auf Kredite für kleine Unternehmen

Parallel zu den Turbulenzen arbeitet PayPal an einem strategischen Schritt in den USA. Das Unternehmen hat bei der Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC) sowie beim Utah Department of Financial Institutions einen Antrag auf eine Banklizenz eingereicht. Ziel ist es, das Kreditgeschäft auszubauen – vor allem für kleine Unternehmen, die oft schnelle Finanzierung und flexible Lösungen brauchen.
In Europa verfügt PayPal bereits über eine Banklizenz, daher wirkt der US-Antrag wie ein Versuch, die regulatorische Basis in einem Kernmarkt zu stärken. Wenn das klappt, könnte PayPal zusätzliche Einnahmequellen erschließen und weniger abhängig von der Entwicklung im Online-Checkout-Geschäft werden. Kurzfristig zählt an der Börse jedoch vor allem eins: Zahlen und Ausblick müssen wieder überzeugen.
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