Ein Tastenhandy mit 4 MB RAM klingt im Jahr 2026 zunächst eher nach Retro-Gadget als nach spannendem Technikprodukt. Beim Nokia 300 Charge steckt die eigentliche Überraschung jedoch im Akku: HMD kombiniert ein klassisches Mobiltelefon mit einer kleinen Powerbank. Das Gerät soll bis zu 40 Tage im Standby durchhalten und kann über Reverse Charging sogar andere Geräte mit Strom versorgen, berichtet timestuff.de.
Das Nokia 300 Charge will nicht mit Smartphones konkurrieren – es macht ausgerechnet deren größten Schwachpunkt, den Stromverbrauch, zu seinem Verkaufsargument.
Für Interessenten in Deutschland gibt es allerdings gleich zwei wichtige Einschränkungen: Einen offiziellen deutschen Verkaufsstart hat HMD bislang nicht angekündigt. Und technisch arbeitet das Nokia 300 Charge ausschließlich im 2G-Netz, dessen Tage in Deutschland bereits gezählt sind.
3700-mAh-Akku macht das Nokia zum Mini-Powerbank-Handy
HMD bezeichnet den 3700-mAh-Akku als den bislang größten Akku, den das Unternehmen in einem Nokia-Feature-Phone verbaut hat. Nach den offiziellen technischen Daten von HMD sind bis zu 40 Tage Standby und bis zu 37,9 Stunden Gesprächszeit möglich.
Entscheidender ist jedoch eine Funktion, die man bei einem simplen Tastenhandy kaum erwartet: Das Nokia 300 Charge unterstützt 10-Watt-Reverse-Charging. Damit lässt sich die gespeicherte Energie an kompatible Smartphones, Kopfhörer oder andere USB-Geräte weitergeben.
- 3700 mAh großer, herausnehmbarer Akku
- bis zu 40 Tage Standby-Zeit
- bis zu 37,9 Stunden Gesprächszeit
- 10 W Reverse Charging für andere Geräte
- USB-C-Anschluss
- 3,5-mm-Kopfhöreranschluss
- MicroSD-Unterstützung bis 32 GB
- integrierte Hochleistungs-LED-Taschenlampe

Laut Hypebeast besitzt das Telefon dafür sogar eine separate „Out“-Taste, mit der der Powerbank-Modus aktiviert wird. Ein mitgeliefertes Adapterkabel soll verschiedene Anschlüsse abdecken.
Aus einem Gerät, das eigentlich möglichst wenig können soll, wird dadurch ausgerechnet ein Notfall-Gadget für andere, wesentlich leistungsfähigere Geräte.
Warum das Konzept gerade 2026 ungewöhnlich interessant ist
Technisch ist das Nokia 300 Charge bewusst minimalistisch. Es besitzt ein 2,4-Zoll-QVGA-Display, einen Unisoc-SC6531E-Prozessor sowie lediglich 4 MB RAM und 4 MB internen Speicher. Auch die rückseitige Kamera arbeitet nur mit QVGA-Auflösung.
Für einen Smartphone-Nutzer wirken diese Zahlen beinahe absurd. Genau darin liegt aber der Reiz des Konzepts. Das Nokia 300 Charge ist weniger ein günstiges Smartphone als vielmehr eine Mischung aus Telefon, Digital-Detox-Gerät, Taschenlampe und Notfall-Powerbank.
| Merkmal | Nokia 300 Charge |
|---|---|
| Display | 2,4 Zoll, QVGA |
| Akku | 3700 mAh, herausnehmbar |
| Standby | bis zu 40 Tage |
| Gesprächszeit | bis zu 37,9 Stunden |
| Reverse Charging | bis zu 10 Watt |
| RAM | 4 MB |
| Speicher | 4 MB, MicroSD bis 32 GB |
| Mobilfunk | 2G / GSM 900 und 1800 MHz |
| Anschlüsse | USB-C, 3,5-mm-Klinke |
| Gewicht | 138 Gramm |
Hinzu kommt eine eingebaute LED-Taschenlampe. HMD gibt an, dass sie bis zu viermal heller leuchten soll als die Taschenlampe des Nokia 105. Gerade als Zweithandy für Reisen, Festivals, Camping oder den Notfall wirkt die Kombination auf den ersten Blick erstaunlich sinnvoll.
Kommt das Nokia 300 Charge nach Deutschland?
Hier wird es komplizierter. Auf der internationalen HMD-Webseite wird das Gerät bereits offiziell präsentiert. Einen konkreten Verkaufsstart für Deutschland und einen deutschen Preis nennt HMD derzeit jedoch nicht.
Interessant ist trotzdem ein Detail: Auf der deutschen HMD-Seite mit den Konformitätserklärungen taucht das Nokia 300 Charge mit der Modellnummer TA-1773 bereits auf.
Das ist ein relevantes Indiz, aber keine Verkaufsankündigung. Eine EU-Konformitätserklärung zeigt, dass ein entsprechendes Modell regulatorisch dokumentiert wurde. Daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass das Gerät im deutschen HMD-Shop oder bei deutschen Händlern erscheinen wird.
Wer aus dem deutschen HMD-Eintrag bereits einen bestätigten Deutschland-Release ableitet, geht deshalb einen Schritt zu weit.
Was kostet das Nokia 300 Charge?
Auch beim Preis sollte man derzeit vorsichtig sein. CHIP berichtet, dass das Nokia 300 Charge auf den Philippinen bereits ab 1.990 philippinischen Pesos angeboten werde, was zum Zeitpunkt des Berichts ungefähr 27 Euro entsprach.
Ein möglicher deutscher Preis von rund 30 Euro lässt sich daraus jedoch nicht zuverlässig ableiten. Steuern, Vertrieb, Ausstattung der Verkaufspackung und regionale Preisstrategien können sich unterscheiden.
Ein Preis aus einem anderen Markt ist keine deutsche Preisankündigung – selbst dann nicht, wenn die Umrechnung verlockend günstig aussieht.
Der eigentliche Haken für Deutschland ist 2G
Noch wichtiger als die ungeklärte Verfügbarkeit ist eine technische Einschränkung: Laut HMD unterstützt das Nokia 300 Charge ausschließlich GSM 900/1800 und damit 2G. LTE beziehungsweise 4G wird in den offiziellen Spezifikationen nicht aufgeführt.
2026 kann ein solches Telefon in Deutschland zwar noch verwendet werden. Als langfristiges Backup-Handy ist die Sache aber deutlich weniger attraktiv, denn die deutschen Netzbetreiber bereiten bereits das Ende von 2G vor.
Die Bundesnetzagentur nennt dafür konkrete Zeiträume:
- Deutsche Telekom: Abschaltung bis Ende Juni 2028 geplant
- Vodafone: reguläre 2G-Dienste sollen bis Ende September 2028 abgeschaltet werden
- Telefónica/O2: Abschaltung im Laufe beziehungsweise bis Ende 2028
Vodafone will 2G für bestimmte kritische IoT-Anwendungen noch länger bereitstellen, das bedeutet jedoch nicht, dass normale Mobiltelefone davon dauerhaft profitieren.
Damit entsteht eine ungewöhnliche Situation: HMD bringt 2026 ein neues Telefon auf den Markt, dessen vielleicht attraktivste Einsatzmöglichkeiten – Notfallhandy, Zweitgerät und langlebiges Reise-Gadget – in Deutschland wegen des nahenden 2G-Endes eine zeitliche Grenze haben.
Für wen könnte das Nokia 300 Charge trotzdem interessant sein?
Als Smartphone-Ersatz ist das Gerät kaum gedacht. Interessanter wird es für Nutzer, die bewusst möglichst wenig Funktionen benötigen oder ein robustes Zusatzgerät suchen.
Denkbare Einsatzbereiche sind beispielsweise:
- als einfaches Zweithandy für Telefonate und SMS,
- für Festivals oder Camping-Trips, bei denen lange Akkulaufzeit wichtiger als Apps ist,
- als Digital-Detox-Handy für einzelne Tage oder Wochenenden,
- als zusätzliche Stromreserve für Kopfhörer oder ein Smartphone,
- als Taschenlampen- und Kommunikationsgerät für unterwegs.
Gerade die herausnehmbare Batterie ist dabei bemerkenswert. Während sie bei modernen Smartphones fast vollständig verschwunden ist, kann der Akku beim Nokia 300 Charge laut HMD gewechselt werden.
Retro-Handy mit cleverer Idee – aber nicht automatisch ein guter Kauf
Das Nokia 300 Charge gehört zu den ungewöhnlicheren Mobiltelefonen des Jahres 2026. HMD versucht nicht, ein Smartphone für wenig Geld nachzubauen, sondern kombiniert die Einfachheit eines klassischen Tastenhandys mit einem ungewöhnlich großen Akku und einer praktischen Reverse-Charging-Funktion.
Die Idee hat Charme: Ein Telefon, das wochenlang in Bereitschaft bleiben und im entscheidenden Moment sogar dem eigentlichen Smartphone Strom geben kann.
Für Deutschland sollte man die Euphorie trotzdem bremsen. Die deutsche Konformitätsseite von HMD bestätigt zwar die Existenz des Modells TA-1773, einen Marktstart oder Verkaufspreis bestätigt sie nicht. Gleichzeitig macht die Beschränkung auf 2G das Gerät hierzulande langfristig weniger zukunftssicher.
Wer das Nokia 300 Charge interessant findet, sollte deshalb vor einem Import zwei Dinge prüfen: ob das Gerät tatsächlich für den deutschen Markt angeboten wird und wie lange es im eigenen Mobilfunknetz noch sinnvoll nutzbar sein wird.
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