Der deutsche Ketchup-Markt zeigt erneut, dass eine auffällige Verpackung, ein bekannter Markenname oder Werbesprüche wie „weniger Zucker“ noch lange keine Garantie für besseren Geschmack oder eine bessere Zusammensetzung sind. In einem aktuellen Test hat Stiftung Warentest 23 Tomatenketchups untersucht, darunter auch Bio-Produkte und speziell für Kinder vermarktete Varianten, berichtet timestuff.de unter Berufung auf test.de. Das Ergebnis ist aufschlussreich: Kein einziges Produkt erhielt in der Gesamtwertung die Note „sehr gut“. Geschmacklich konnte sich jedoch ein Ketchup klar vom Rest absetzen und sogar die seltene Traumnote 1,0 erzielen.
Für Verbraucher ist das ein wichtiges Signal. Ketchup wird heute nicht mehr nur danach beurteilt, wie gut er zu Pommes, Würstchen oder Grillfleisch passt. Die Tester achten inzwischen auf deutlich mehr Punkte: den Zuckergehalt, den Einsatz von Süßstoffen, mögliche Schadstoffe, die Verpackung und deren Umweltbilanz sowie die Transparenz bei der Kennzeichnung.
Der ideale Ketchup im Jahr 2026 ist nicht einfach nur lecker, sondern lecker ohne unnötige Kompromisse.
Ein guter Ketchup sollte fruchtig nach reifen Tomaten schmecken, angenehm würzig sein, leicht süß, aber nicht überzuckert, dazu fein säuerlich und belebend – jedoch keinesfalls stechend essigsauer oder künstlich süß. Genau an diesem Gleichgewicht scheiterten viele Produkte im Test.
Wer wurde Testsieger im Ketchup-Test?

Das deutlichste Ergebnis des Vergleichs betrifft Born Tomatenketchup. Nach Angaben von Stiftung Warentest war er unter allen 23 getesteten Produkten der einzige Ketchup, der im Geschmackstest die Bestnote 1,0 erhielt. Der Preis liegt bei 1,99 Euro für 450 Milliliter, also bei 0,44 Euro pro 100 Milliliter.
Trotz dieses starken Ergebnisses ist das Gesamtbild nicht ganz so eindeutig, wie es auf den ersten Blick wirkt. Denn auch der geschmackliche Sieger schaffte es in der Gesamtwertung nicht zu einem „sehr gut“. Der Grund dafür ist einfach: Die Prüfer bewerteten nicht nur den Geschmack, sondern auch Zutaten, Konsistenz, Schadstoffe, Verpackung und Deklaration.
Die wichtigsten Ergebnisse des Tests im Überblick
| Kriterium | Ergebnis |
|---|---|
| Anzahl der getesteten Produkte | 23 Tomatenketchups |
| Kinderprodukte im Test | 5 |
| Bester Geschmack | Born Tomatenketchup |
| Geschmacksnote | 1,0 |
| Produkte mit Gesamturteil „gut“ | 12 |
| Preisspanne im Test | 0,26 bis 1,33 Euro pro 100 ml |
| Schwächste Gesamtnote | „mangelhaft“ |
Günstig muss nicht schlecht sein
Eine der interessantesten Erkenntnisse des Tests ist, dass nicht nur teure Marken überzeugen konnten. Im Gegenteil: Zu den günstigsten Produkten unter den besten Ketchups zählen Edeka Gut & Günstig und Lidl Kania Classic. Beide kosten 1,29 Euro für 500 Milliliter, also nur 0,26 Euro pro 100 Milliliter.
Das widerlegt den verbreiteten Eindruck, man müsse für einen ordentlichen Ketchup automatisch deutlich mehr bezahlen. Im Test schnitten sowohl Handelsmarken als auch einige Bio-Produkte und einzelne Kinderketchups gut ab. Als bester Kinderketchup wurde Byodo genannt. Der Preis liegt hier bei 3,99 Euro für 300 Milliliter, also bei 1,33 Euro pro 100 Milliliter.
Manchmal zahlt der Verbraucher nicht für bessere Qualität, sondern vor allem für Gewohnheit und Markenvertrauen.
Warum viele Ketchups nicht vollständig überzeugen konnten

Wer das Gesamtergebnis betrachtet, sieht ein gemischtes Bild. Neben zwölf Produkten mit der Bewertung „gut“ bekamen sieben Ketchups nur ein „befriedigend“, drei ein „ausreichend“ und ein Produkt fiel sogar mit „mangelhaft“ durch.
Die Gründe für Punktabzüge waren unterschiedlich. In einigen Fällen waren es geschmackliche Schwächen, in anderen problematische Rezepturen. Bei manchen Produkten spielten jedoch auch potenziell unerwünschte Stoffe eine Rolle. Genau dieser Punkt machte den Test besonders relevant, weil es eben nicht nur um Geschmack, sondern auch um Produktsicherheit geht.
Schimmeltoxine im Ketchup: Was Experten besonders kritisch sehen
Der heikelste Teil des Tests betrifft sogenannte Alternaria-Toxine. Solche Stoffe können entstehen, wenn Tomaten spät geerntet oder zu feucht gelagert werden. Dann zeigen sich dunkle Stellen, die auf Schimmelpilze zurückgehen. In drei Ketchups wurden Richtwerte für diese Toxine überschritten.
Stiftung Warentest weist darauf hin, dass diese Stoffe strukturell Substanzen ähneln, die als erbgutschädigend oder krebserregend gelten. Ob sie für Menschen tatsächlich in gleichem Maß kritisch sind, ist bislang nicht endgültig geklärt. Aus Vorsorgegründen empfehlen die Tester dennoch, die Aufnahme möglichst gering zu halten. Zudem wurde berichtet, dass vier Produkte im Bereich Schadstoffe schwach abschnitten und eines dadurch sogar auf „mangelhaft“ abrutschte.
Das ist genau der Fall, in dem ein niedriger Preis oder ein vertrauter Geschmack nicht das einzige Kaufkriterium sein sollten.
Ist Ketchup wirklich eine Zuckerfalle?
Über Zucker im Ketchup wird seit Jahren diskutiert. Der Test zeigt jedoch, dass die Lage etwas differenzierter ist, als viele vermuten. Bei den meisten Produkten fiel der Zuckergehalt nicht so extrem aus wie befürchtet. Die Werte lagen zwischen 3,6 und 19,3 Gramm pro 100 Milliliter, im Durchschnitt bei rund 16 Gramm. Zwei deutliche Ausreißer lagen allerdings bei 26,6 und 21 Gramm pro 100 Milliliter.
Das bedeutet nicht, dass Zucker im Ketchup kein Thema mehr ist. Vielmehr zeigt sich, dass ein geringerer Zuckergehalt nicht automatisch ein besseres Produkt bedeutet. Teilweise wurde Zucker durch Süßstoffe ersetzt – und genau das brachte neue Probleme mit sich.
Worauf man auf dem Etikett achten sollte
- Zuckergehalt pro 100 Milliliter
- enthaltene Süßstoffe
- Art der Verpackung
- Preis pro 100 Milliliter statt nur pro Flasche
- Werbeaussagen, die besser klingen, als sie im Produkt am Ende wirklich sind
Weniger Zucker klingt gut – aber nicht immer

Besonders aufmerksam schauten sich die Tester Produkte mit Aussagen wie „weniger Zucker“ an. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Vorteil. Der Test zeigte jedoch, dass einige zuckerreduzierte Ketchups stattdessen mit Süßstoffen gesüßt wurden. Das sparte zwar Kalorien, führte aber oft zu sensorischen Schwächen: künstliche Süße, fremde Nebennoten oder ein insgesamt unausgewogenes Geschmacksbild. Dadurch rutschten manche Produkte geschmacklich auf „befriedigend“ ab.
Hinzu kommt: Ein Ketchup kam sogar komplett ohne zugesetzten Zucker und ohne Süßstoffe aus und erreichte trotzdem ein „gut“. Die Erklärung ist einfach: Tomaten enthalten von Natur aus bereits Zucker. In diesem Fall waren es 5,6 Gramm pro 100 Milliliter. Das zeigt, dass Hersteller nicht zwangsläufig mit Zusatztricks arbeiten müssen, damit ein Ketchup angenehm schmeckt.
Weniger Zucker auf dem Etikett bedeutet also nicht automatisch weniger Kritik am Produkt.
Warum Stiftung Warentest Sucralose kritisch sieht
Die Kritik an Süßstoffen beschränkt sich im Test nicht nur auf den Geschmack. Stiftung Warentest betont auch, dass der Einsatz solcher Stoffe nicht dabei hilft, sich an weniger Süße zu gewöhnen. Im Gegenteil: Die Vorliebe für stark süße Lebensmittel kann dadurch bestehen bleiben oder sogar verstärkt werden.
Besonders kritisch sehen die Tester Sucralose. Ketchups mit diesem Süßstoff wurden abgewertet, weil Sucralose biologisch schwer abbaubar ist. Nach dem Verzehr wird der Stoff ausgeschieden, gelangt ins Abwasser und kann in Kläranlagen nicht vollständig entfernt werden. Damit wird die Wahl eines Ketchups auch zu einer Frage der Umweltbelastung.
Glas oder Plastik: Welche Verpackung sinnvoller ist
Ein weiterer wichtiger Punkt im Test betrifft die Verpackung. Stiftung Warentest rät eher zu Ketchup in Glasflaschen. Nach Einschätzung der Prüfer lässt sich Glas besser wieder zu neuem Glas verarbeiten. Bei Kunststoffflaschen ist das nicht immer der Fall, weil nicht jede Verpackung vollständig recyclingfähig ist.
Diese Empfehlung gewinnt an Bedeutung, weil immer mehr Verbraucher nicht nur Preis und Geschmack vergleichen, sondern auch auf Nachhaltigkeit achten. Wenn zwei Produkte ähnlich gut abschneiden, kann die Verpackung am Ende den Ausschlag geben.
Selbst gemachter Ketchup als Alternative
Wer weder zu viel Zucker noch Süßstoffe im Ketchup haben möchte, kann ihn auch selbst herstellen. Als einfache Basis empfiehlt sich folgendes Vorgehen: Eine fein gehackte Zwiebel wird zusammen mit Knoblauch in einem großen Topf angedünstet. Danach kommen – je nach Rezept – geviertelte Tomaten hinzu. Die Mischung wird bei niedriger Hitze gekocht und regelmäßig umgerührt.
Abgeschmeckt wird mit Apfelessig, Senf, etwas Honig, Salz und Pfeffer. Nach Geschmack können auch Möhren, Chili, Ingwer, Koriander oder Curry ergänzt werden. Die eingekochte Masse wird anschließend püriert und noch heiß in saubere Schraubgläser gefüllt.
Der Vorteil von hausgemachtem Ketchup liegt auf der Hand: Geschmack, Süße, Säure, Konsistenz und Gewürze lassen sich genau an die eigenen Vorlieben anpassen. Gerade für Familien mit Kindern oder für Menschen, die künstliche Süßstoffe vermeiden möchten, ist das eine praktische Lösung.
Die wichtigsten Vorteile von selbst gemachtem Ketchup
| Vorteil | Nutzen |
|---|---|
| Kontrolle über die Zutaten | Zucker, Salz und Gewürze lassen sich selbst bestimmen |
| Keine unnötigen Zusätze | Süßstoffe können komplett vermieden werden |
| Flexibler Geschmack | passend für Pommes, Burger oder Grillgerichte |
| Mehr Transparenz | die verwendeten Zutaten sind klar nachvollziehbar |
Worauf Verbraucher 2026 achten sollten
Aus dem Test lassen sich mehrere praktische Schlüsse ziehen. Erstens: Ein guter Ketchup muss nicht teuer sein, und ein großer Markenname garantiert noch keinen Spitzenplatz. Zweitens: Aussagen wie „weniger Zucker“ sollte man nicht vorschnell als Vorteil werten, solange man die Zutatenliste nicht geprüft hat. Drittens: Auch die Verpackung spielt eine Rolle, besonders wenn Nachhaltigkeit beim Einkauf wichtig ist.
Am Ende ist die wichtigste Erkenntnis aus diesem Test sehr alltagsnah: Der beste Ketchup ist nicht der mit der lautesten Werbung, sondern derjenige, der bei Geschmack, Zusammensetzung und Sicherheit gleichzeitig überzeugt. Und selbst wenn unter den 23 getesteten Produkten kein perfektes Gesamtprodukt gefunden wurde, ist nach diesem Vergleich deutlich klarer, worauf Verbraucher beim Kauf achten sollten.
Passend dazu sorgt in Deutschland auch die mögliche Schließung von KiK-Filialen in Braunschweig im Zuge des Rückzugs von 150 Standorten für Aufmerksamkeit.
